Stäuble: Simon Ammann mehr als Aussenseiter

Viele Beobachter zählen Simon Ammann an der Vierschanzentournee höchstens zum erweiterten Favoritenkreis. Doch der Toggenburger könnte nach Ansicht von SRF-Skisprung-Kommentator Michael Stäuble positiv überraschen.

Simon Ammann

Bildlegende: Simon Ammann Der Toggenburger am Samstag in Oberstdorf. Keystone

Simon Ammann gehört für mich in Oberstdorf zu den Podest-Anwärtern. Er kann sogar um den Sieg mitspringen. Seit seinem Sieg 2008 hat er mir an einem Trainingstag in Oberstdorf nie mehr einen derart starken Eindruck gemacht.

Auch bei widrigen Bedingungen locker

Seine Trainingssprünge waren stabil auf hohem Niveau, in der Qualifikation belegte er knapp hinter Anders Bardal und Noriaki Kasai den dritten Rang. Ammann hatte das grösste Rückenwind-Handicap der drei Top-Klassierten. Das schien ihn aber nicht wirklich zu kümmern.

Simon Ammanns Einstellung passt: Beim Medientermin war es ihm fast ein wenig peinlich, dass er sich (im Gegensatz zu früheren Jahren) keine grossen Ansagen, keine Zielvorstellungen, keine Anhaltspunkte entlocken liess. Damit ist der Toggenburger wohl nur ehrlich, denn neben dem absoluten Top-Ziel Sotschi ist die Tournee in diesem Winter nur zweitrangig. Das ist aber kein Grund, hier schlecht zu springen!

Ammann ist Oberstdorf-Fan

Simon Ammann liebt die Oberstdorfer Schattenberg-Schanze: «Es ist eine der schönsten Weltcup-Konkurrenzen, hier feierte ich 2008 einen meiner schönsten Siege.» Und wenn’s hier läuft, warum nicht auch auf den weiteren drei Tourneeschanzen? Aber nehmen wir’s Schritt für Schritt. Gerade beim Skispringen ist dies eine gute Strategie.

Simon Ammann liebt die Aussenseiterrolle: «Damit kann ich sehr gut leben, denn ich weiss, was ich drauf habe.» Nur, damit sagt er auch, dass er selber sich nicht als Aussenseiter sieht. Ich übrigens auch nicht.

Das sind meine Tourneefavoriten:

  1. Thomas Morgenstern: Ja, der Mann, der vor zwei Wochen in Titisee-Neustadt so schwer stürzte. Im Training von Oberstdorf sprang er erstmals wieder, und wie! Nur eines fehlte: Eine saubere Telemark-Landung. Dazu wird er sich erst im Wettkampf wieder überwinden, das ist auch früh genug.
  2. Kamil Stoch: Der meistgenannte Topfavorit schlechthin stand in den letzten vier Weltcup-Springen auf dem Podest, zweimal ganz oben. «Aufwind, Rückenwind, es spielt keine Rolle. Auch emotional ist er der Stabilste», urteilt Simon Ammann. Im Training hielt sich Stoch noch etwas zurück, aber im Wettkampf steigert er sich – eine weitere Stärke.
  3. Anders Bardal: Nach dem ersten Trainingssprung hätte ich (wie im Vorjahr) den anderen Anders – Jacobsen noch in die Liste genommen (Jacobsen sprang 135,5 m). Doch Bardal hielt sein Niveau, während Jacobsen nachliess. Bardal hat noch keine Tournee in den ersten drei beendet, hat noch kein Tourneespringen gewonnen. Höchste Zeit dafür!
  4. Simon Ammann.
  5. Gregor Schlierenzauer: Auch wenn ihm die Konstanz zuletzt fehlte, der zweifache Tourneesieger gehört auf jede Favoritenliste. Er war im Training und der Quali von Oberstdorf stets in der Spitzengruppe, aber nie ganz vorne. Was nicht ausschliesst, dass er’s in Bischofshofen doch wieder sein wird.
  6. Noriaki Kasai: Grossartig, wie er sich in Oberstdorf präsentierte: Bestweite im ersten Training, Zweiter in der Qualifikation. 41-jährig, und zuletzt in Titisee-Neustadt auf dem Podest. Zweimal war Kasai schon Tournee-Zweiter: 1993 (vor 21 Jahren!) und 1999. Da schwingt natürlich auch ein wenig Sensationslust mit: Es wäre einfach der Hammer!

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Michael Stäuble kommentiert für SRF die Vierschanzentournee. Das Auftaktspringen sehen Sie am Sonntag, 29. Dezember, ab 16:25 Uhr live auf SRF info oder hier im Stream.