Spirig: «Die Olympischen Spiele 2020 sind ein Thema»

Zweieinhalb Wochen sind seit Nicola Spirigs Silbermedaillen-Gewinn an den Olympischen Spielen vergangenen. Im Interview spricht sie über die Leere nach einem solchen Grossanlass und verrät, was die Zukunft bereithalten könnte.

Nicola Spirig gibt in einem Interview Auskunft.

Bildlegende: Geniesst ihre «freie Zeit» Nicola Spirig. Keystone

Nicola Spirig, Sie haben 4 Jahre auf ein Ziel hingearbeitet und dann ist es auf einmal vorbei. Besteht da nicht die Gefahr, in ein Loch zu fallen?

Spirig: Doch, diese Gefahr ist sehr gross. Auf einmal ist das, wofür man so hart trainiert hat, plötzlich weg. Für mich ist es deshalb wichtig, mir neue Ziele zu setzen. Erst dann kehrt der Drive auch im Training zurück. Momentan trainiere ich zwar zweimal pro Tag, aber es ist ein ganz anderes Training. Ich kann mich nicht ans Limit pushen, weil der Sinn dahinter fehlt. Weil ich nicht weiss, auf welches Ziel ich hinarbeite.

Setzt man sich mit dieser Leere schon vor dem Wettkampf auseinander?

Das ist bei jedem Athlet unterschiedlich. Ich habe das in London und Rio bewusst nicht getan. Ich wollte mich nicht damit befassen, was nachher kommt, sondern mich voll und ganz auf Tag X fokussieren. Aber ich bin nach Rio nicht in ein Loch gefallen. Ich habe meine Familie und muss den Sinn des Lebens nicht suchen. Ich habe mich enorm darauf gefreut, wieder mehr Zeit mit meinen Nächsten zu verbringen.

Nicola Spirig am Laptop.

Bildlegende: Gut gelaunt Nicola Spirig bei unserem Besuch. SRF

In Ihrem Privatleben mussten Sie vor Olympia Kompromisse eingehen. Merkt Ihr Sohn Yannis, dass Sie jetzt wieder mehr Zeit haben?

Ich habe Yannis erklärt, dass Rio für mich sehr wichtig ist. Er spürt jetzt natürlich, dass alles lockerer ist und wir viel flexibler sind. Es ist schön, gemeinsam Zeit zuhause zu verbringen.

Wie wichtig ist es für die Sportlerin Nicola Spirig, sich schon bald wieder an einem neuen Ziel orientieren zu können?

Ich bin ein zielorientierter Mensch. Mich fasziniert es, ans Limit zu gehen und meine Grenzen auszuloten. Deshalb möchte ich schon bald wieder ein konkretes Ziel haben. Aber ich bin auch der Meinung, dass das «Herunterfahren» zwischendurch nötig ist. Die vergangenen zwei Wochen ohne strikten Trainingsplan haben mir sehr gut getan.

In unserem Twitter-Interview haben Sie erwähnt, dass die Olympischen Spiele 2020 doch ein mögliches Ziel sind…

Dass ich zum 5. Mal als Triathletin an Olympischen Spiele teilnehmen werde, war das Einzige, das ich für die Zukunft ausgeschlossen hatte. Ich habe mich aber kürzlich mit meinem Coach darüber unterhalten und er wäre bereit, diese Aufgabe mit mir anzugehen. Er ist überzeugt, dass ich Gwen (Jörgensen, Olympiasiegerin, Anm. d. Red.) schlagen kann. Und damit meint er nicht in irgendeinem Rennen, sondern in einem wichtigen wie bei Olympia. Es ist derzeit ein Thema, aber entschieden haben wir uns noch nicht.

Video «Spirig holt hinter Jorgensen Silber» abspielen

Spirig holt hinter Jorgensen Silber

1:17 min, vom 20.8.2016

Mit Jörgensen haben Sie sich in Rio einen packenden Fight geliefert. Mit welchen Emotionen blicken Sie auf dieses Rennen zurück?

Ich bin ins Ziel gekommen und habe gejubelt, weil ich wirklich alles gegeben hatte. Ich wusste, dass es extrem schwierig werden würde, wenn Gwen mit der ersten Gruppe vom Velo steigt. So ist sie seit vier Jahren ungeschlagen. Sie war an diesem Tag besser und hat die Goldmedaille verdient. Dass ich, insbesondere nach der schwierigen Vorbereitung, zum zweiten Mal eine Olympiamedaille gewonnen habe, macht mich extrem stolz.

Nach dem Wettkampf folgte der Medien-Marathon. Wann hatten Sie das erste Mal so richtig Zeit, den Erfolg zu geniessen?

Aufgrund meiner Erfahrungen in London wusste ich, dass ich nach dem Rennen – abgesehen von einer kurzen Dusche – keine Zeit für mich haben würde. Der Rummel traf mich nicht völlig unvorbereitet und ich konnte es deshalb lockerer nehmen. So richtig geniessen konnte ich es danach, als ich mit meiner Familie und einigen Freunden ein paar gemütliche Tage ausserhalb Rios verbracht habe. Da war der Wettkampf dann auch nicht mehr Gesprächsthema Nummer 1.

Das Twitter-Interview mit Nicola Spirig können Sie via Hashtag #FragNicola nachlesen.

Sendebezug: Laufende Berichterstattung zu den Olympischen Spielen