Fünf Schlüsselfragen zum GP China

Hätte Sebastian Vettel ohne den Crash mit Kimi Räikkönen Nico Rosberg schlagen können? SRF-Formel-1-Kommentator Michael Stäuble beantwortet diese und vier weitere Fragen zum GP in Schanghai.

Die besprochenen Szenen

  • Hätte Sebastian Vettel ohne den Crash mit Kimi Räikkönen Nico Rosberg schlagen können?
    Definitiv nein. Der Crash warf Vettel zwar auf Platz 8 zurück. Weil der Frontflügelwechsel während der Safety-Car-Phase erfolgte, war der Zeitverlust gering. Vettel verlor 3 Ränge an Nico Hülkenberg, Carlos Sainz und Marcus Ericsson, doch mit frischen Supersoft-Reifen (die er im Qualifying gespart hatte) machte er das Handicap innert anderthalb Runden wieder wett. Imposant die Aufholjagd: Innert 8 Runden von P16 auf P4! Auf Soft-Reifen hatte Rosberg aber die bessere Pace. Selbst im letzten Stint (Rosberg auf Medium und Vettel auf Soft) war der Mercedes klar schneller.
  • Warum wechselte Lewis Hamilton während der Safety-Car-Phase gleich zweimal die Reifen?
    Das ist interessant: Mercedes wollte dem Reglement Genüge tun, indem Hamilton nur eine Runde auf Supersoft fuhr, wie ich im Kommentar erläutert hatte. Geplant war aber, danach drei Stints auf Soft-Reifen zu fahren. Und zwar wollte man den Start-Satz nochmals verwenden (den Hamilton ja nur für eine Runde benutzt hatte). Nur stellte sich dann heraus, dass beim Crash mit Felipe Nasr ein Reifen beschädigt worden war. Weil zwei Stints für die Soft-Reifen zu lange geworden wären, musste Hamilton für den letzten Abschnitt auf die Medium-Reifen wechseln, womit seine Aufholjagd massiv eingebremst wurde.
  • Warum fuhr Hülkenberg bei der Boxeneinfahrt so langsam, dass er eine Strafe bekam?
    Ganz einfach, weil vor ihm schon Sergio Pérez an die Box gefahren war. Hülkenberg wollte einen Abstand schaffen, damit er an der Box nicht warten muss. Sainz liess sich blockieren, Vettel überholte (korrekt) auf engstem Raum.
  • Warum erhielt Pérez für den "unsafe release" nach seinem Boxenstopp keine Strafe?

    Die Kommissäre waren der Meinung, Pérez hätte durch seine vorsichtige Fahrweise eine Kollision verhindert. Ausserdem hätte er sich keinen Vorteil verschafft. Da bin ich anderer Meinung. Es ist klar zu sehen, dass Sainz und Jenson Button bremsen müssen, weil ihnen Pérez vor die Nase fährt. Immerhin erhielt das Team eine Busse von 5'000 Euro.

  • Warum gab es keine Punkte für Sauber?
    Für Nasr war das Rennen nach dem Crash mit Hamilton praktisch zu Ende. Nasr war schuldlos. Er wich einem grösseren Flügelteil aus, dann kam Räikkönen direkt vor ihm auf die Strecke zurück. Es blieb Ericsson. Bei ihm riskierte das Team einen Gamble. Bei Safety-Car (Runde 4) der Wechsel von Soft auf Medium, dann bei Rennhälfte nochmals Wechsel auf Medium. Ein Wagnis, denn die Stints waren selbst für den härtesten Reifen sehr lang. Ebenfalls kam man nicht auf die erwarteten Rundenzeiten. Ob man mit einer Dreistopp-Strategie schneller gewesen wäre, ist allerdings fraglich. Ericsson verlor als 16. mehr als 30 Sekunden auf den zehntklassierten Valtteri Bottas, niemand fiel aus. Der Sauber war nur schneller als die beiden Renault, die Manor und Sebastien Grosjean – das entspricht der harten Realität.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 17.4.2016, 07:30 Uhr