Man of the Race: Daniel Ricciardo

Ein dramatischer GP Kanada hat mit einer grossen Überraschung geendet. Nur logisch, dass SRF-Kommentator Michael Stäuble den australischen Premieren-Sieger Daniel Ricciardo im Red-Bull-Renault zum Man of the Race adelt.

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GP Kanada: Entscheidende Szenen

3:35 min, vom 8.6.2014

Daniel Ricciardo hat in Montreal die unerwartete Chance eiskalt genutzt und ist der erste Nicht-Mercedes-Sieger des Jahres. Dies, obwohl er in der Qualifikation mit einer «Sch…-Runde», wie er sagte, nur auf Platz 6 gelandet war. Diese «Sch…-Runde» war übrigens nur um 4 Hundertstel langsamer als jene von Sebastian Vettel! Der Australier beherrscht die Klaviatur des Psycho-Krieges schon meisterlich.

Nach dem Start war eigentlich klar: Wenn einer die Mercedes-Party stören könnte, dann Vettel, der sich am Start zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton schob. Ricciardo blieb dagegen hinter Felipe Massa hängen.

Ricciardo: Mit einer Engelsgeduld

Doch bei Rennhälfte war Ricciardo wieder an Vettel dran. Sensationell war der Undercut gegen den Teamkollegen beim zweiten Boxenstopp in Runde 37: Nach Runde 35 war der Australier 1,2 Sekunden hinter Vettel, dann bog der Weltmeister ab zum Reifenwechsel. Mit freier Bahn fuhr Ricciardo seine bislang schnellste Runde, mit Abstand! Ricciardos In-Lap zum Boxenstopp dauerte 1:35,162, jener von Vettel 1:36,058. So kam der 24-Jährige vor dem Teamkollegen wieder auf die Rennstrecke zurück. Die Boxenstopps waren nämlich fast identisch: Vettel 23,340, Ricciardo 23,274.

Hinter Sergio Pérez auf Platz 3 hatte Ricciardo die Engelsgeduld, 27 Runden lang auf seine Chance zu warten. 27 Runden lang kein echter Angriffsversuch, keine wilden Attacken, bis Pérez reif war und mit angeschlagenen Bremsen einen kleinen Fehler beging. Da schlug Ricciardo zielsicher zu. Genau dasselbe mit Rosberg, dessen ERS (Energy Recovery System) in der viertletzten Runde nicht mehr funktionierte. Ein Schuss – Volltreffer. Eine reife, meisterliche Leistung.

Button: Klammheimlich auf Platz 4

Auf den ersten Plätzen war so viel los, dass ein Hauptdarsteller völlig unterging: Jenson Button. Der Brite hat noch keinen Vertrag für 2015 und ist mit 254 GP’s der dienstälteste Pilot im Feld. Aber müde ist er noch nicht. Er hatte in Montreal lange Rang 8 belegt und schien dort auch zu bleiben.

Doch in der zweitletzten Runde, kurz bevor Massa und Pérez kollidierten, startete er seine ganz eigene Party und vernaschte Fernando Alonso und Nico Hülkenberg in der Haarnadel. Button: «Fernando griff an und hätte Nico beinahe getroffen. Er überschoss innen und stand Hülkenberg im Weg. Das eröffnete mir die Chance, innen vorbeizuziehen.» Button stand plötzlich auf Rang 4, und keiner, ausser den Piloten und den Zuschauern an der Strecke, hatte gesehen, wie das passieren konnte. Weil kurz darauf Massa und Pérez kollidierten (Strafe für Pérez: -5 Plätze in Österreich), ging Buttons Husarenstück für die TV-Zuschauer einfach unter.

Sauber: Ein Trauerspiel

Obwohl, wie in Monaco, nur 14 Autos klassiert wurden, gab es erneut keine Punkte für das Hinwiler Team. Dazu genügte die Pace bei weitem nicht. Obwohl das Tempo an der Spitze durch die Hybrid-Probleme bei Mercedes sehr langsam war, konnten sich die Sauber-Fahrer einer Überrundung nicht entziehen. Seit dem Einstieg in die Formel 1 im Jahr 1993 war der Abstand zur direkten Konkurrenz noch nie so gross.

Sauber hat in diesem Jahr noch kein Rennen innerhalb der Führungsrunde beendet. Nach dem 7. Rennen steht man immer noch ohne Punkte da, das ist Minusrekord. Montreal mag eine sehr spezielle Strecke sein, dennoch drohen die Updates von Barcelona wirkungslos zu verpuffen.