Man of the Race: Valtteri Bottas

Valtteri Bottas korrigierte in Silverstone eine folgenschwere Fehlkalkulation seines Teams. Mit einer furiosen Aufholjagd fuhr der Finne vom 14. auf den 2. Rang vor, die Formel 1 staunt über den Williams-Rookie. Genauso wie SRF-Kommentator Michael Stäuble, der ihn zum «Man of the Race» kürt.

Aus ungünstigen Startbedingungen machte Valtteri Bottas das absolute Maximum.

Bildlegende: Eindrückliche Performance Aus ungünstigen Startbedingungen machte Valtteri Bottas das absolute Maximum. Reuters

Die Szene hatte Symbolcharakter: Auf dem Podest von Silverstone übergab John Surtees (80), der älteste noch lebende Formel 1-Weltmeister, die Trophäe an den Finnen Valtteri Bottas, der soeben Platz 2, das beste Ergebnis seiner Karriere, herausgefahren hatte. Zwei Wochen nach seinem ersten Podestplatz in Österreich.

Für Bottas war es ein perfektes Rennen nach einem Horror-Qualifying. Williams hatte sich, genau wie Ferrari, verzockt und war im ersten Quali-Abschnitt hängengeblieben. Ein Fehler des Teams, den Fahrer traf keine Schuld. P17, die schlechteste Quali des Jahres. Dank diverser Strafen durfte Bottas auf P14 starten.

Unwiderstehliche Aufholjagd

Und wie er das tat! In einer halben Runde von 14 auf 9! Bottas profitierte auch vom Crash Vergne/Pérez, aber er düste unwiderstehlich ab und schnappte Sutil, Bianchi und Grosjean. Sein zweites Feuerwerk von P9 aus war fast noch eindrücklicher.

Er vernaschte zwei Bullen (Kwjat, Ricciardo) und Hülkenberg innert zwei Runden, dann blieb er auf dem weichen Reifen 31 Runden absolut konkurrenzfähig. Nur Ricciardos zweiter Stint (37 Runden, aber natürlich mit weniger Gewicht) war länger.

Der Williams, der zu Beginn der Saison noch aerodynamische Defizite hatte, wird immer stärker. Und Bottas kann sein riesiges Potenzial endlich unter Beweis stellen. In der WM stiess der Finne auf Rang 5 vor, vorbei am Titelverteidiger Sebastian Vettel.

Sauber – zum dritten Mal die 13

Ja, die Hoffnung auf Punkte lebte, fast ein halbes Rennen lang. Vergne, Pérez, Grosjean fielen beim ersten Start zurück. Massa und Räikkönen schieden aus, später Rosberg. Sutil lag vor dem Stopp auf Platz 10.

Doch die Pace reichte (vor allem im zweiten Stint auf den harten Reifen) nicht aus. Zum Schluss blieb zum dritten Mal in Folge der 13. Rang für Adrian Sutil. Netto (inkl. Ausfälle) ist dies Rang 16. Das ist, trotz kleiner aerodynamischer Verbesserungen, kein Fortschritt.

Die Rekord-Serie mit 9 Rennen ohne Punkt ist brutale Realität. So etwas gab es zwar schon vor 18 Jahren, zwischen den Podestplätzen von Monza 95 und Monaco 96. Doch damals erhielten nur die ersten sechs Punkte. In den Top 10 stand Sauber in jenen neun Rennen siebenmal.

Zweikampf Alonso-Vettel - das Highlight

Eigentlich nervte Vettel ja mit seinem dauernden Gemecker am Funk. Alonso wehrte sich hart, aber fair. Da war nichts Bestrafenswertes dabei, fand auch die Rennleitung, fanden auch die Stewards. Beide beschwerten sich darüber, dass der Gegner in Copse die Streckenbegrenzung überfahre. Beide machten munter weiter damit. Erstaunlich, wie man in einem derart heftigen Zweikampf noch die Energie findet, sich über solche Sachen am Funk zu beschweren.

Viel besser gefiel Vettel, als er handelte. Wie er Alonso in einem langen Rad-an-Rad-Kampf niederrang, war etwas vom Besten, das wir in den vergangenen Jahren gesehen haben.

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GP von Grossbritannien: Zusammenfassung

3:17 min, aus sportaktuell vom 6.7.2014