Mut bei Reifen, Glück mit Finnen - Perez auf dem Sotschi-Podest

Für SRF-Kommentator Michael Stäuble ist Ex-Sauber-Pilot Sergio Perez der «Man of the Race» beim GP von Russland in Sotschi. Viel Mut und etwas Glück brachten dem Mexikaner in der Olympia-Stadt den 5. Podestplatz seiner Karriere ein.

Sergio Perez auf dem Podest in Sotschi.

Bildlegende: Grosse Freude Sergio Perez auf dem Podest in Sotschi. imago

Sergio Perez‘ Eltern Marilu und Antonio strahlten unter dem Podium um die Wette. Mit einem Podest hatten weder sie noch ihr schneller Sohnemann in Sotschi gerechnet.

Das Rennen hätte für ihn auch gleich in der ersten Kurve beendet sein können, denn er fuhr Seite an Seite mit seinem Force-India-Teamkollegen Nico Hülkenberg, als dieser sich plötzlich drehte. Doch «Checo», wie ihn alle nennen, umschiffte das Hindernis und fuhr ein tadelloses Rennen.

Viel Mut beim frühen Reifenwechsel

So sehr sich der Mexikaner den Erfolg verdient hatte durch eine tadellose Fahrt, so sehr war auch das Team beteiligt mit den richtigen strategischen Entscheidungen. Es brauchte einigen Mut, bereits in der Safety-Car-Phase nach dem Grosjean-Crash, also in Runde 13, zum Reifenwechsel zu kommen. Niemand wusste, ob die Soft-Reifen die restlichen 40 Runden überstehen würden.

Durch den Pitstop fiel Perez von 5. auf den 9. Platz zurück, hinter Sauber-Pilot Nasr, Massa und Maldonado. Den Venezolaner schnappte er sich nach 4 Runden, doch dann entschied Perez, Massa und Nasr nicht anzugreifen und lieber seine Reifen zu schonen. Das war die goldrichtige Entscheidung, wie sich später herausstellte.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin freute sich mit Sergio Perez.

Bildlegende: Prominenter Gratulant Auch Russlands Präsident Wladimir Putin freute sich mit Sergio Perez. imago

Als nach Rennhälfte die grosse Mehrheit der Fahrer (inklusive Nasr und Massa) zum Reifenwechsel an die Box fuhr, stiess Pérez an die 3. Stelle vor. Gut für den Mexikaner, dass Daniel Ricciardo im Red Bull-Renault hinter ihm lag. Vom schwach motorisierten Australier hatte Perez nichts zu befürchten.

Finnen-Zwist ist Perez' Glück

In der Schlussphase rollte aber die finnische Lawine Bottas/Räikkönen heran, nun wackelte der Podestplatz gewaltig. «Meine Reifen waren absolut verbraucht. Ich konnte nicht hart bremsen, denn eine Bremsplatte hätte das Aus bedeuten können. Also konnte ich mich gegen Bottas und Räikkönen nicht ernsthaft zur Wehr setzen», so Perez. In der zweitletzten Runde zogen die Finnen vorbei.

Doch nun half Perez das Glück des Tüchtigen. Räikkönen attackierte Bottas, beide flogen von der Strecke, Perez erbte das schon verloren geglaubte Podest und trottete auf völlig abgefahrenen Reifen ins Ziel.

Nur ein Sieg fehlt noch

Es ist der 5. Podestplatz in Pérez‘ Karriere, ein ganz typischer dazu. Schon bei Sauber 2012 war Pérez bekannt dafür, dass er erstens schonend mit den Reifen umgehen und zweitens Chancen für Top-Ergebnisse nutzen konnte, wie kein anderer. Zweimal war er schon Zweiter, bei Sauber.

Nur ein Sieg fehlt ihm noch.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 11.10.2015, 12:30 Uhr

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Der GP von Russland in Sotschi

6:31 min, aus sportpanorama vom 11.10.2015