«Räikkönen spielt nur die zweite Geige»

Kimi Räikkönens Miene in der Fürstenloge von Monaco sagte alles. Der Finne fühlte sich um den Sieg betrogen. Mit dieser Meinung stand er nicht allein. Ein Kommentar von SRF-Experte Michael Stäuble.

Vettel lacht auf dem Podest, Räikkönen schaut ernst

Bildlegende: Vettel hat gut lachen Bei Räikkönen mag keine Freude aufkommen. Getty Images

Tatsächlich gab es keinen zwingenden Grund, den führenden Finnen so früh im Rennen (Runde 34) an die Box zu holen. Ausser vielleicht, dass Vettel sich bis auf eine Sekunde genähert hatte. Aber einfach so vorbeiziehen lassen, das wäre nicht gut angekommen.

Vettels seltsamer Erklärungsversuch

Etwas seltsam war der Erklärungsversuch Vettels nach dem Rennen, man habe mit Kimis Pitstop auf die Reifenwechsel von Verstappen und Bottas reagiert. Nach dieser Logik hätte ja Vettel stoppen müssen, denn der war als Zweiter näher bei Bottas und Verstappen und damit eher gefährdet.

Ferrari setzt voll auf Vettel, Kimi spielt nur die zweite Geige. Im 10. Jahr nach dem vorerst letzten WM-Titel der Scuderia (durch Kimi Räikkönen) will man nichts dem Zufall überlassen. Jeder Punkt zählt.

Red Bull macht das gleiche Spielchen

Und ja, die dürfen das. Red Bull tat übrigens genau das gleiche mit Max Verstappen. Der Niederländer wurde geopfert, um Ricciardo an Bottas vorbei zu lotsen und einen Podestplatz zu ergattern.

Hier ist die Absicht noch viel logischer: Max Verstappen (P4) jagte Valtteri Bottas (P3) im Mercedes, aber er kam nicht an ihm vorbei. Ricciardo (P5) folgte den beiden mit geringem Rückstand. Dann holte Red Bull Verstappen zum Reifenwechsel an die Box (Runde 32). Eine Provokation, man drohte Bottas einen «Undercut» an, d.h. Verstappen hätte mit frischen Reifen eine sehr schnelle Runde hingelegt, während Bottas mit abbauenden, 31 Runden alten Reifen, Zeit verloren hätte – und vielleicht auch den 3. Platz an Verstappen.

Ein «Undercut» war im Vorfeld des Rennens als unwahrscheinlich erachtet worden, weil es sehr schwer ist, die Reifen in Monaco schnell auf Temperatur zu bringen. Dennoch liess sich Mercedes auf das Spiel ein, holte Bottas eine Runde nach Verstappen zum Reifenwechsel an die Box. Wahrscheinlich auch, weil man bemerkt hatte, dass die Renn-Pace von Red Bull besser war als die eigene.

Nur Verstappen war «not amused»

Der «Undercut» misslang, Bottas verteidigte Rang 3, aber der Finne steckte nun in der Falle. Ricciardo, der hinter Verstappen und Bottas seine Reifen geschont hatte, legte mit freier Bahn richtig los: 5 absolute Top-Runden (davon 3 schnellste Rennrunden) in Folge. So stark hätte er gar nicht pushen müssen. Der Australier kam nach seinem Stopp 7 Sekunden vor Bottas auf die Strecke zurück.

Clever gemacht von Red Bull. Nur Verstappen war nicht so begeistert. Sein Kommentar am Funk wurde durch Pfeiftöne unterbrochen, weil ein paar nicht druckreife Ausdrücke darin enthalten waren.

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Ferrari feiert Doppelsieg in Monaco

3:16 min, aus sportpanorama vom 28.5.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 28.05.2017, 13:30 Uhr