Stäuble: «Die 15 Millionen machen stutzig»

Sauber hat sich mit Giedo van der Garde aussergerichtlich geeinigt. Das bestätigt der Rennstall gegenüber SRF. Kommentator Michael Stäuble sagt im Interview, was diese Einigung für den finanziell angeschlagenen Rennstall bedeutet und wie es jetzt mit Sauber weitergeht.

Fahrer mit Helm im Garten

Bildlegende: 15 Millionen Euro, aber kein Cockpit Giedo van der Gardes Bilanz nach dem Rechtsstreit mit dem Sauber-Rennstall. EQ Images

Der Sauber-Rennstall und der letztjährige Sauber-Testfahrer Giedo van der Garde haben sich aussergerichtlich geeinigt. Das bestätigt das Hinwiler Formel-1-Team gegenüber SRF: «Wir sind froh, dass die Angelegenheit erledigt ist. Zu Details der Abmachung können wir uns aus Vertraulichkeitsgründen nicht äussern. Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen, die irgendwo in die Welt gesetzt werden.»

Vor dem ersten GP der Saison hatte Giedo van der Garde beim Obersten Gerichtshof des australischen Bundesstaats Victoria erfolgreich auf einen Platz im Sauber-Cockpit geklagt. Unter anderem wegen einer fehlenden FIA-Superlizenz bestritt der 29-jährige Holländer in Australien dann aber doch keinen Renneinsatz im C34-Boliden. Nach der aussergerichtlichen Einigung dürften Felipe Nasr (Bra) und Marcus Ericsson (Sd), die in Melbourne am letzten Sonntag in die Punkteränge fuhren, die Saison als Stammfahrer bestreiten.

Michael Stäuble, Sauber hat sich im Rechtsstreit mit Giedo van der Garde definitiv geeinigt. In den Medien ist von 15 Millionen Euro die Rede, die der Rennstall dem Holländer gezahlt haben soll.

Stäuble: Dass sich die beiden Parteien geeinigt haben, wurde bereits am Sonntag bekannt. Die Frage war noch, ob es sich dabei um eine Einigung für den Rest des Rennwochenendes oder um eine grundsätzliche Einigung handelte.

Was jetzt stutzig macht, ist der Betrag von 15 Millionen Euro. Für ein Team, das finanziell am Limit läuft, ist diese Summe nicht einfach zu stemmen. Woher dieser Betrag kommt, ist eine grössere Frage. Da beide Parteien vieles geheim halten, kursieren entsprechend viele Spekulationen.

Woher könnte Sauber plötzlich 15 Millionen Euro haben?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Bernie Ecclestone wurde vielerorts genannt. Er hat in Interviews, auch mir gegenüber, aber stets versichert, er würde nie einem Team Geld geben. Das dürfte er auch gar nicht, offiziell. Eine Geldspritze von ihm – dem Promoter der Formel 1 – wäre Wettbewerbsverzerrung. Was aber im Geheimen abläuft, ist schwierig abzuschätzen. Es gibt immer wieder Legenden aus der Vergangenheit, dass Ecclestone irgendwelche Teams gerettet haben soll.

Wird der Sauber-Rennstall solche Gerüchte im Keime ersticken und offiziell umfassender informieren?

Teamchefin Monisha Kaltenborn hat mir am Montag am Flughafen in Melbourne gesagt, dass am Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche informiert würde. Ich bezweifle aber, dass ein Betrag an die Öffentlichkeit kommt.

Auch Adrian Sutil verfügt noch über einen Vertrag mit Sauber. Bahnt sich da bereits der nächste Rechtsstreit an?

Auch da wird es ein Verfahren geben und ich nehme an, auch dieser Fall wird mit einer Entschädigung geregelt. Adrian Sutil wird aber nicht vor Gericht gehen, um sein Cockpit einzuklagen. Es geht bei ihm nur um das Gehalt eines Fahrers, der keine Sponsoren mitgebracht hat. Darum wird er sich wahrscheinlich eine Abfindung im Bereich von einer halben bis zu einer Million Euro erstreiten können.

Sendebezug: Radio SRF 1, Kurznews, 17.3.2015, 18:45 Uhr

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Michael Stäuble kommentiert seit 1992 die Formel 1 für das Schweizer Fernsehen.