Stäuble: «Hamiltons Haupttrumpf ist die Konstanz»

Seine Konstanz, sein grosses Selbstbewusstsein, überragende «Silberpfeile», aber auch sein geordnetes Privatleben und sein ausgezeichnetes Körpergefühl: Dies alles sind gemäss SRF-Experte Michael Stäuble Schlüsselfaktoren für Lewis Hamiltons 3. WM-Titel.

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Hamilton lässt in Austin nichts mehr anbrennen

2:19 min, vom 25.10.2015

Michael Stäuble, welches war Hamiltons Glanzstück auf dem Weg zum 3. WM-Titel?

Stäuble: Natürlich waren die Siege in Monza, als er den Grand Slam schaffte, und jener in Japan herausragend. Doch sein Haupttrumpf ist die Konstanz. Als Vettel 4 Mal in Folge Weltmeister geworden war, sprach ich mit Hamilton über das Erfolgsrezept des Deutschen. «His consistency», antwortete er mir. Genau zu dieser enormen Konstanz hat er nun selbst gefunden.

«  Rosberg muss sich an der eigenen Nase nehmen.  »

Also lässt sich gar kein «Haar in der Suppe» finden?

Doch, ein kleiner Makel besteht immer, wenn man im weitaus besten Auto Weltmeister wird. Das war schon bei Vettel so – trotz seiner 4 Titel ist er nie als Überfahrer bezeichnet worden. Gleichwohl ist es ein grosses Verdienst Hamiltons, wie klar er sich intern gegen Nico Rosberg durchzusetzen vermochte.

Was hat seinen Reifeprozess vor allem begünstigt?

Viel geholfen hat ihm sein 2. Titel im Vorjahr, daraus schöpfte er Kraft und Sicherheit. Sein erster Gewinn der WM im Jahr 2008 war für viele als Zufallsprodukt angesehen worden. Er setzte sich damals im abschliessenden Regenrennen mit einem einzigen Punkt Vorsprung gegen Felipe Massa durch. Der Brasilianer bekundete öfters Pech, wurde auch von der Technik im Stich gelassen.

«  Nebst hartem Training ist es manchmal nötig, eine Pause zu machen und den Kopf durchzulüften. »

Rosberg kritisierte nach dem GP USA wiederholt seinen Teamkollegen für dessen harsche Fahrweise. Zu Recht oder war da Frust die Treibkraft?

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Die 2 Silberpfeile kommen sich in die Quere

0:51 min, vom 26.10.2015

Anhand dieses Vorfalls lässt sich der Unterschied zwischen den beiden aufzeigen. Rosberg ärgert sich über etwas, das beim Start passiert ist. Einverstanden: Hamilton drängte ihn praktisch von der Strecke und hätte für dieses Manöver bestraft werden können. Doch Rosberg kämpfte sich im Rennen zurück, erhielt die Chance auf den Sieg. Dann allerdings beging er den entscheidenden Fehler. Darum muss er sich an der eigenen Nase nehmen.

Hamilton ist ein Typ mit vielen Facetten, bewegt sich regelmässig auf Nebenschauplätzen. Besteht die Gefahr, dass er sich dereinst verzettelt?

Ich denke, dass er nun Ordnung in sein Privatleben bringen konnte. Er löste sich von seiner schwierigen Beziehung mit Nicole Scherzinger. Zudem hat er ein gutes Körpergefühl entwickelt und weiss sehr genau, was ihm bekommt. Er heimste zwar Kritik dafür ein, dass er mitten in der Saison einen Abstecher nach Amerika machte zum Chillen und Party feiern. Ich sehe das nicht so eng, denn manchmal ist es nebst hartem Training nötig, eine Pause zu machen und den Kopf durchzulüften.

Ist nach der geglückten Titelverteidigung Hamiltons Hunger gestillt?

Sicher nicht. Sein grosses Idol ist Ayrton Senna, dessen Rekorde sind für Hamilton ein Gradmesser. Die meisten konnte er nun übertreffen. Doch ein Spitzensportler strebt stets nach dem Maximum. Da gibt es die Marke von Michael Schumachers 7 WM-Titel. Obschon es schwierig wird, diese zu knacken, hat sie Hamilton ins Auge gefasst.

Hören Sie im unten stehenden Audio-Beitrag zudem, ob für Michael Stäuble ein Ende der Mercedes-Dominanz absehbar ist.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 26.10.2015 19:30 Uhr

Zur Person

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Michael Stäuble kommentiert seit 1992 die Formel 1 für das Schweizer Fernsehen.