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Die Analyse vor dem Slalom «Der Kreis von Podestfahrerinnen ist klein»

Vor dem Olympia-Slalom in Pyeongchang schätzt SRF-Kommentator Jann Billeter die Medaillenchance der Slalomfahrerin ein.

Legende: Video Holdener: «Für mich bleibt alles gleich» abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Vom 12.02.2018.

1. Der Formstand

Wendy Holdener hat in dieser Saison genau dort weitergemacht, wo sie vergangenen Winter aufgehört hat. Und mit 6 Podestplätzen aus 9 Spezialslaloms war ihr bereits damals eine ausserordentlich starke Saison geglückt. Die Konstanz ist beeindruckend. Und ihre Form ist auch deshalb so vielversprechend, weil sie selbst dann schnell ist, wenn sie das Gefühl hat, dass sie nicht gut fährt, wie das zuletzt in Lenzerheide der Fall war.

2. Die grössten Konkurrentinnen

Mikaela Shiffrin, wer sonst? Nirgends ist die Favoritenrolle so klar verteilt wie im Slalom der Frauen. Kommt hinzu, dass Grossanlässe einfach ihr Ding sind. Seit der WM 2013 in Schladming hat sie sämtliche Slalom-Goldmedaillen abgeräumt. Allerdings hatte sie seit Cortina 3 Outs in 3 verschiedenen Disziplinen zu verkraften, darunter auch im Slalom. Eine ungewohnte Situation, die im Team Shiffrin eine gewisse Unruhe ausgelöst hat.

Der Kreis von Podestfahrerinnen ist im Slalom sehr klein. Neben Holdener und Shiffrin gehören Frida Hansdotter, Bernadette Schild und Petra Vlhova dazu. Letztere war bisher immer genau dann zur Stelle, wenn es der amerikanischen Überfliegerin einmal nicht aufging.

3. Die besondere Geschichte

Und dann gibt es da noch Veronika Velez-Zuzulova. Die 33-jährige Slowakin ist Shiffrin im vergangenen Winter sportlich am nächsten gekommen. Im September riss sie sich im Training das Kreuzband, entschied sich für eine Operation und kehrte nach nur 4 Monaten in Lenzerheide in den Skizirkus zurück. Nach dem Slalom verkündete sie, soeben ihr letztes Weltcup-Rennen bestritten zu haben. Pyeongchang ist ihr letzter Versuch, an einem Grossanlass doch noch eine Medaille zu holen – eine solche fehlt der 4-fachen Weltcup-Siegerin nämlich noch. Was wäre das für eine Geschichte.

Veronika Velez-Zuzulova.
Legende: Greift auch sie in den Medaillenkampf ein? Die Slowakin Veronika Velez-Zuzulova. Keystone

4. Das stimmt mich zuversichtlich

Die Tränen beim Heimrennen in Lenzerheide haben es gezeigt: Holdener setzt der Druck, der auf ihr lastet, durchaus zu. Und trotzdem kann sie damit umgehen. Bestes Beispiel dafür ist die Heim-WM in St. Moritz, an der sie Slalom-Silber und Kombinations-Gold geholt hat. Und in Pyeongchang wird keine ganze Tribüne mit Schweizer Fans auf sie fixiert sein.

Zudem hat sie ihr Lehrgeld bereits in Sotschi bezahlt. Out im Slalom, out im Riesenslalom – eine bittere Erfahrung, die 4 Jahre später aber umso wertvoller sein könnte.

5. Das könnte schieflaufen

Nirgends ist die Fehlerquelle höher als im Slalom. Das hat sich im bisherigen Saisonverlauf ja schon gezeigt. Kommt Holdener runter, ist sie eine Medaillenkandidatin. Aber es kann immer etwas dazwischenkommen, gerade weil man im Slalom immer das Limit suchen muss. Dosiert fahren liegt nicht drin, und das wiederum erhöht das Risiko eines Ausfalls.

6. Medaillenchancen

85%

Sendebezug: Laufende Olympia-Berichterstattung

12 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Maler (rf_al_14)
    Wahrscheinlichkeiten einschätzen können viele nicht, darunter wohl auch Jann Billeter. Die Chancen von Holdener auf einen Podestplatz stehen etwas 50 zu 50. Alles andere ist völlig übertrieben. Diese 85% wären bei Shiffrin wohl angebracht.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen (drpesche)
      Ich weiss auch nicht, wie Sie rechnen, Herr Maler. Wendy Holdener stand bei fünf von sieben Slaloms dieser Saison auf dem Podest (71.4%), deshalb würde ich ihre Chance auf mindestens 70% einschätzen. Wenn sie nicht ausfällt, hat sie eine Quote von 100%! 85% ist deshalb zwar sicher optimistisch, aber nicht total daneben.
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  • Kommentar von Matthias Wilhelm (matwilhelm)
    Liebe Wendy, bleib cool und lass Dich nicht unter Druck setzten. Das man Medaillen nicht programmieren kann hat man an Dario Cologna gesehen. Ich wünschte mir für unsere Sportler/innen vom SRF eine sensiblere Berichterstattung.
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    1. Antwort von David Roetheli (davethebrave)
      Bravo! Zumal Wendy in Lenzerheide nach dem Rennen klar zu verstehen gab, dass der Druck sie krass belastet hatte. Wir sollten unsere Sportler da alle besser unterstützen. GO WENDY, GIB ALLES!
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Die Weltcup Orte können nicht 1 zu 1 nach Südkorea projektziert werden, weil dort ganz "spezielle Verhältnisse herschen", Schneebeschaffenheit, Kälte/Klima und Wind! Alles wird zur Lotterie und planbar ist gar nichts! Es könnte viele "überraschende Poteste geben"! Viel Glück Wendy und CO!
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