Lohaynny Vicente: Aus der Favela auf die olympische Bühne

Lohaynny Vicente wurde mit 4 Halbwaise. Ihr Vater, ein Drogendealer im Nordosten Rios, wurde von der Polizei erschossen. 16 Jahre später ist Vicente die beste Badminton-Spielerin ihres Landes und Olympia-Teilnehmerin.

Lohaynny Vicente

Bildlegende: Zwischen den Fronten Lohaynny Vicente. Imago

Luftlinie sind es nur gut 15 km von Chapadão bis Riocentro. Und doch sind Welten zwischen dem Favela, der Lohaynny Vicentes Kindheit geprägt hat, und dem Sportkomplex, in dem sie am olympischen Badminton-Wettbewerb antreten wird.

Vicentes Vater war der Boss von Chapadão – und ihr Grossvater mütterlicherseits Polizist. Selbst erlebte sie als Kind zwar keine Gewalt (ihr Vater erlaubte keine bewaffneten Gangmitglieder im Haus), doch das Gefühl der Angst war omnipräsent. Oft musste die Familie umziehen. Dennoch wurde der Vater eines Tages von der Polizei aufgespürt und bei einer Schiesserei getötet.

Brasiliens Antwort auf die Williams-Schwestern

Die Mutter machte das Beste aus der Sache: Sie zog weg. In der Nähe der neuen Bleibe befand sich ein Gelände, auf dem eine NGO einen Fussball- und Badmintonplatz betrieb. Dort fanden Lohaynny Vicente und ihre ältere Schwester Luana zum Badminton-Sport.

Zweimal täglich trainierten sie. Sie wurden entdeckt und staatlich gefördert. 2015 gewannen sie im Doppel Silber an den Panam-Games – und gelten seither als die brasilianischen Pendants der Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams. Im Einzel ist Lohaynny Vicente die Nummer 74 der Welt. Mehr als eine Ehrenmeldung liegt im olympischen Turnier nicht drin.

Sendebezug: Laufende Rio-Berichterstattung