Neymar gibt einer Nation den Stolz zurück

Brasiliens Megastar Neymar bewahrte mit seinem goldenen Elfmeter eine Fussballnation vor einem neuen Trauma. Und zerbrach fast am Drama.

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Gänsehautstimmung: Neymar und Co. verzaubern das Maracana

3:29 min, vom 21.8.2016

Als der goldene Elfmeterschuss sass, gehorchte ihm sein Körper nicht mehr. Immer wieder fiel Neymar nach dem dramatischen Schlussakt im olympischen Fussballfinal bäuchlings auf den Boden, von Weinkrämpfen geschüttelt, unfähig zu jubeln. Und dann warf er das letzte Gramm der riesigen Last ab.

Neymar will Captainbinde abgeben

«Ab heute will ich nicht mehr Captain der Selecao sein», verkündete in den Katakomben des Maracana ein erst 24-Jähriger. Da war es gerade erst eine Stunde her, dass er Brasilien beim 5:4 im Elfmeterkrimi gegen Deutschland vor einem neuen Debakel bewahrt hatte – und kollektive Glückseeligkeit schenkte.

Natürlich bleibt das «Maracanazo», die Niederlage im entscheidenden WM-Spiel 1950 gegen Uruguay (1:2), ein ewiges Trauma, das «Sete a Um» (7:1) vor zwei Jahren im WM-Halbfinal gegen Deutschland eine nie vernarbende Wunde. Seit Samstag fühlt sich Brasilien aber wieder ein Stück weit als «País do Futebol», als Land des Fussballs.

«  Ich erinnere mich, wie ihr über uns hergefallen seid, aber wir haben mit Fussball geantwortet. »

Neymar

«Ein historischer Moment», twitterte kein Geringerer als der umstrittene Interims-Staatspräsident Michel Temer. Er sprach vielen seiner Landsleute aus der Seele, als er weiterschrieb: «Es ist die Stunde gekommen, um uns mit der Grösse unseres Brasiliens wieder aufzurichten.»

Die Selecao in der Bringschuld

Fünf WM-Titel, aber kein Olympiasieg: Neymar und Co. hatten in Rio de Janeiro in der Bringschuld gestanden. Und weil der Barcelona-Superstar vor 4 Jahren in London, bei der 3. Endspiel-Niederlage Brasiliens nach 1984 und 1988, den Versagerstempel aufgedrückt bekommen hatte, liess er mächtig Dampf ab.

«Ich erinnere mich, wie ihr über uns hergefallen seid, aber wir haben mit Fussball geantwortet. Jetzt müsst ihr mich schlucken», waren seine ersten Worte in die Kamera. Der Spruch ist in Brasilien ein geflügeltes Wort, seit Trainerfuchs Mario Zagallo wegen heftiger Presseattacken nach dem Copa-America-Triumph 1997 in die TV-Kameras giftete.

Weil Deutschlands Max Meyer (59.) die Führung durch den Selecao-Captain (26.) ausglich und so die Dramatik erst schuf, erlebte Brasiliens Fussballtempel wieder einmal einen magischen Moment. «Ich habe so viele Erinnerung an das Maracana, und heute ist eine neue geschaffen worden. Was für ein perfektes Finale für die Olympischen Spiele», twitterte Pelé.

Sendebezug: Laufende Berichterstattung Olympische Spiele