Ungewöhnliche Olympia-Geschichten: Thomas Van der Plaetsen

Vor knapp zwei Jahren schien die Leichtathletik-Karriere von Thomas Van der Plaetsen am Ende. Beim Belgier wurde Krebs diagnostiziert, die Chemotherapie schwächte ihn enorm. Doch jetzt ist er zurück.

Thomas Van der Plaetsen

Bildlegende: Vom Krankenbett an die Olympischen Spiele Thomas Van der Plaetsen Reuters

Vor wenigen Wochen wurde Van der Plaetsen Europameister im Zehnkampf. Auch wenn er in Rio keine Olympia-Medaille gewinnen sollte, betrachtet er seinen Weg als Sieg. Denn 2014 wurde er bei einer Dopingkontrolle positiv auf das Hormon HCG getestet.

Van der Plaetsen hatte nicht gedopt, doch die Medien waren mit Vorverurteilungen rasch zur Hand. Er liess sich medizinisch untersuchen, mit dem schockierenden Ergebnis, dass der hohe HCG-Gehalt durch eine Hodenkrebs-Erkrankung verursacht wurde. Eine Operation und Chemotherapie waren die Folge.

«Selbstmitleid hilft nicht»

2015 beschloss Van der Plaetsen, seine Sportkarriere fortzusetzen. Thomas' Bruder Michael, der gleichzeitig sein Coach und grösster Fan ist, organisierte ein Trainingscamp unter dem Motto: «Selbstmitleid hilft nicht beim Training».

Dennoch war der Form-Wiederaufbau eine harte Angelegenheit. Einem guten Tag folgten zwei schlechte, an denen er sich erschöpft fühlte. Van der Plaetsen musste an seiner Technik arbeiten, um die körperlichen Einbussen zu kompensieren. «Ich habe gelernt, mich zu fokussieren. Ich habe mich als Athlet sozusagen neu erfunden.» Bruder Michael hofft nun, dass Thomas in Rio zeigt, «dass er besser ist als jemals zuvor».

Sendebezug: Laufende Rio-Berichterstattung