Gesucht: König der Abfahrt

Das WM-Highlight steht an. Keine Disziplin polarisiert so stark wie die Männer-Abfahrt, vor allem im Gastgeberland Österreich. Es geht um viel Prestige. Die Ausgangslage auf der schwierigen Piste ist offen. Klar ist nur, dass die Schweizer Nebenrollen bekleiden.

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Vorschau Abfahrt Männer

2:07 min, vom 8.2.2013

Es geht auf der Planai am Samstag um den prestigeträchtigsten WM-Titel. Die Vorfreude bei Publikum und Fahrern ist gross. Das Rennen ist seit Donnerstag ausverkauft, die Medien schreiben seitenweise Vorschauen und etliche Experten wagen Prognosen.

Doch niemand spricht von einem Top-Favoriten. Es gibt ihn nicht. Zu ausgeglichen verlief die Saison, in 6 Abfahrten gab es 5 verschiedene Sieger. Zweimal siegten nur die Italiener Christof Innerhofer und Dominik Paris.

Die Wichtigkeit des Schlussteils

Für SRF-Experte Bernhard Russi werden die Lichtverhältnisse ein wichtiger Faktor sein: «Die Sicht ist sehr delikat auf dieser Piste. Und es gibt keine Abfahrt, die ähnlich viele Unebenheiten aufweist, wie diese hier», so der 2-fache Abfahrtsweltmeister. Die Hauptschwierigkeit sei aber der Schlussteil, «die letzten 4 Schwünge können alles entscheiden».

Der zweifache Saisonsieger Dominik Paris.

Bildlegende: Gehört zum Favoritenkreis Der zweifache Saisonsieger Dominik Paris. Keystone

Und eben jener Zielschuss spreche für die Favoriten, so Russi weiter. «Er ist, Sicht hin oder her, schwierig zu befahren.» Chancen auf den WM-Titel hätten mehrere Fahrer, für ihn jedoch vor allem Paris, Klaus Kröll und Aksel Svindal. «Aber einen Erik Guay darf man nicht vergessen. Er hinterliess im Training einen entschlossenen Eindruck.»

Die Schweizer in den Nebenrollen

Die Aussichten der 4 Schweizer Starter Carlo Janka, Silvan Zurbriggen, Didier Défago und Patrick Küng in die Entscheidung eingreifen zu können, sind nicht rosig. Zumal den Eidgenossen bei der Ziehung der Startnummern das Losglück (mit Ausnahme von Défago) nicht hold war. «Es sieht nicht sonderlich gut aus», meint denn auch Russi. Man halte nach wie vor Nebenrollen inne. «Eine Top-10-Rangierung unter diesen Vorzeichen wäre eine gute Leistung.»

Konträr sind die Erwartungen an die eigenen Fahrer in Österreich. 10 Jahre nach dem letzten Titel durch Michael Walchhofer soll endlich Gold her - oder wenigstens die 1. Medaille seit 2005. Der Druck ist immens - doch Youngster Max Franz kündigt einen «geilen Samstag» an. Zurückhaltender und mit Respekt vor der Piste zeigt sich Klaus Kröll, der nur 30 Kilometer von Schladming aufgewachsen ist: «Ein Kindergeburtstag wird das hier nicht werden.»