Rolland - den Glauben nie verloren

Marion Rolland hat noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen. Nun ist sie die erste französische Abfahrts-Weltmeisterin seit 47 Jahren. Vorauszusehen war dies nicht. Der Titel ist eine Entschädigung für schwere Zeiten und grossen Kampfgeist.

Grosses Strahlen bei der überraschenden Abfahrtsweltmeisterin Marion Rolland.

Bildlegende: Médaille d'or Grosses Strahlen bei der überraschenden Abfahrtsweltmeisterin Marion Rolland. Reuters

Frankreich hat nach der 1. WM-Woche einen kompletten Medaillensatz gewonnen - damit rechnete niemand. Ob bei Gauthier de Tessières' Silber im Super-G, der Bronze-Medaille von David Poisson in der Abfahrt oder eben jetzt bei Rollands Triumph: Es war immer ein Exploit und entweder eine Sensation (bei den Männern) oder eine Überraschung (Rolland).

Schon als Kind habe sie immer Weltmeisterin werden wollen, so die überglückliche Rolland. «Ein Traum ist wahr geworden. Es ist atemberaubend.» Erst im letzten März - in Schladming - fuhr sie zu ihren beiden ersten Podestplätzen in Abfahrt (2.) und Super-G (3.), ein Weltcup-Sieg fehlt noch immer.

Ein Sturz und seine Folgen

Für Rolland ist der Titel auch eine Entschädigung für Blessuren, die sie immer wieder zurückgeworfen haben. In Altenmarkt verletzte sie sich 2007 schwer am Knie und 3 Jahre später riss bei den Olympischen Spielen in Vancouver das Kreuzband im linken Knie - nach nur wenigen Metern und 3 Stockstössen. Das Video des Sturzes wurde im Internet eine Viertelmillion Mal angeklickt, die Kommentare fielen hämisch aus.

«Der Glaube an mich selbst ist etwas, an dem ich ständig arbeiten musste», so Rolland. Sie habe normalerweise nicht sehr viel Selbstvertrauen. Die Verletzungen hinterliessen ihre Spuren. «Es war nicht einfach für mich. Aber man muss immer an seine Träume glauben und ohne Pause für die Erfüllung dieser Träume kämpfen.» 

Gold fehlte noch

Für Ansporn hatten indes andere gesorgt: «Als ich in unserem Hotel Gauthier (de Tessières) mit Silber und David (Poisson) mit Bronze um den Hals sah, sagte ich mir: 'Hier fehlt die goldene Farbe'.»

Zu den Gratulanten gehörte auch der ehemalige französische Skistar Luc Alphand. «Rolland ist im mentalen Bereich anfällig. Aber heute war sie ganz stark», so der 3-fache Abfahrts-Weltcupsieger, der in Schladming fürs Fernsehen kommentiert. Es ist das erste französische Frauen-Abfahrtsgold seit 1966 und Marielle Goitschel. «Ein fantastischer Tag für Frankreich», frohlockte Alphand, «Rolland hat das perfekte Rennen gemacht.» Auch dieses Video ist jetzt im Internet zu sehen.