Schweizer Frauen an der Ski-WM: Ein bisschen wie immer

Die WM des Schweizer Frauen-Skiteams war gut. Nicht überragend, nicht schlecht, sondern etwas in der Mitte. Und: Die Schweizerinnen haben ihr Potenzial nicht ausgeschöpft. Noch nicht.

Nadja Kamer hätte in der Abfahrt für eine 2. Schweizer Medaille sorgen können.

Bildlegende: 4. Platz Nadja Kamer hätte in der Abfahrt für eine 2. Schweizer Medaille sorgen können. Keystone

Die Schweizer Abfahrerinnen sind im Weltcup so gut, dass sie immer ums Podest mitfahren und dieses auch ab und zu erreichen. Aber keine von ihnen ist in jedem 2. Rennen unter den schnellsten 3, und genau dort müsste man leistungsmässig sein, um mit einer gewissen Sicherheit eine Medaille gewinnen zu können.

Fabienne Suter war im letzten Winter im Super-G auf dieser höchsten Stufe, bevor sie sich das Kreuzband riss. Insofern sind es auch Rückschläge, die mehr Medaillen an dieser WM verhindert haben. Dominique Gisin könnte da auch ein Liedchen davon singen, eines in Moll und mit vielen Strophen.

Stefan Hofmänner

Bildlegende: Stefan Hofmänner SRF

Das Pech von Nadja Kamer

Nadja Kamer hätte in diesem Winter drei Mal auf dem Weltcup-Podest stehen können. Einmal klappte es, zwei weitere Male war sie drauf und dran, beraubte sich aber durch einen Fehler eines besseren Resultates. Hätte sie eines dieser beiden Rennen ins Ziel gebracht und ein Topergebnis mehr erreicht, wäre sie in der Gruppe der Top 7 in die WM-Abfahrt gestartet, hätte die Mitfavoritinnen bei gleichen Sichtbedingungen herausfordern können und es wäre alles möglich gewesen. Auch Gold.

So hatte sie Pech, weil bei der WM-Abfahrt ein paar Minuten nach ihr die Sicht deutlich besser wurde. Diese Abhängigkeit vom Schicksal kann man verhindern, wenn man im Weltcup ein bisschen stabiler vorne mit dabei ist. Insofern sind es auch kleine Fehler im Weltcup, die grosse Medaillen an einer Weltmeisterschaft verhindern.

Die Energietheorie von Lara Gut

Lara Gut hat ihre Medaille gewonnen. Obwohl sie in Schladming wieder einmal ganz übellaunig auftrat. Oder vielleicht gerade deshalb. Es gibt die Theorie aus dem nahen sportlichen Umfeld der Tessinerin, dass sie ihre Energien besonders gut bündeln kann, wenn sie sich mit anderen anlegt. Ob mit den Eltern, den Sponsoren, den Journalisten oder mit allen zusammen. In der Tat war Lara Gut über weite Strecken des WM-Winters erfrischend offen und freundlich, bevor dann auf die WM hin - und erst recht in Schladming selber - ihre kratzbürstige Seite wieder deutlich hervortrat. Und prompt holte sie ihre Medaille. Insofern hat sie alles richtig gemacht, auch wenn es für die Menschen, die mit ihr zu tun haben, nicht immer gleich lustig ist.

In den technischen Disziplinen herrscht Stillstand. Im Riesenslalom fehlt eine Spezialistin, und die Exploits von Gisin und Gut im Weltcup sind zu selten, als dass man realistischerweise gerade an einer WM einen solchen hätte erwarten können. Und im Prinzip geht es auch im Slalom resultatmässig nicht vorwärts, schliesslich herrschte  schon 2009 in Val d’Isère Aufbruchstimmung, nach den guten WM-Ergebnissen von Denise Feierabend, Sandra Gini und Rabea Grand.

Es liegt noch mehr drin

Die Schweizerinnen waren an dieser WM gut, aber es liegt noch mehr drin. Das ist die schlechte und gleichzeitig die gute Nachricht. Nächstes und übernächstes Jahr werden wieder Medaillen vergeben. Und damit die eine oder andere an eine Schweizerin geht, braucht es nicht nur die Leistung an den Grossanlässen selber, sondern auch in den Monaten dazwischen. Für die Jungen und die Arrivierten gilt gleichermassen: Gesund bleiben und möglichst oft möglichst schnell sein. Schon ab nächstem Wochenende.

Video «Interview mit Hans Flatscher» abspielen

Interview mit Hans Flatscher

0:21 min, vom 16.2.2013