Schweizer Männer an der Ski-WM: Zeit für neue Impulse

Die Schweizer Männer haben in Schladming den Erwartungen entsprechend abgeschnitten. Ein Wunder blieb aus, der Zugang zum Podest verwehrt. Die Equipe ist destabilisiert wie nie. Wenn das kein Alarmzeichen ist.

Didier Défagos Ausscheiden im 2. Lauf des Riesenslaloms war sinnbildlich für den Schweizer Auftritt.

Bildlegende: Chancenlos Didier Défagos Ausscheiden im 2. Lauf des Riesenslaloms war sinnbildlich für den Schweizer Auftritt. Keystone

Insgesamt hat das Schweizer Männerteam den bescheidenen Erwartungen entsprechend abgeschnitten. Mit einer Medaille war nach der schwierigen Saison nicht zu rechnen, der Gewinn von Edelmetall hätte das Label «Skiwunder» provoziert, und Wunder kommen auch im Skirennsport relativ selten vor. Am ehesten noch in der Kombination.

Matthias Hüppi

Bildlegende: Das Wunder blieb aus Matthias Hüppis Bilanz zum WM-Abschneiden der Männer Keystone

Und genau dort fehlte Sandro Viletta nur wenig zum Sprung aufs Podest. Dabei wäre er in der Abfahrt beinahe in eine Kollision mit einem Pistenarbeiter verwickelt worden. Nur 25 Hundertstel fehlten für den Exploit: Viletta war ein Pluspunkt im Männerteam, genauso wie Silvan Zurbriggen mit seinem 6. Abfahrtsrang.

Schnellzug ist abgefahren

In der Abfahrt und in der Superkombination lieferten die Schweizer eine starke Mannschaftsleistung, der Zugang zum Podest blieb aber versperrt. Und im Super-G und Riesenslalom war das Team meilenweit davon entfernt. Vor allem der Riesenslalom, einst ein Erfolgsgarant, wird immer mehr zur grossen Kummerdisziplin. Die Schweizer haben den Anschluss verloren, und der Schnellzug mit Ted Ligety und Marcel Hirscher an Bord ist abgefahren. Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen den Ernst der Lage erkennen und reagieren.

Mit Gino Caviezel macht sich ein Talent bemerkbar. Er und andere Nachwuchsfahrer müssen nun nach den modernsten Methoden im technischen Bereich und auch punkto Materialabstimmung aufgebaut und an die erste Liga herangeführt werden. Dass dies Zeit, Geduld und optimale Trainingsbedingungen braucht, versteht sich von selbst.

Verunsichert und destabilisiert

Leider hat auch der Slalom das relativ düstere Schweizer Männerbild nicht aufgehellt. Dass es den Routiniers Markus Vogel und Marc Gini im 1. Lauf nicht gelang, befreiter und lockerer ans Werk zu gehen und Reto Schmidiger nach 2 Sekunden den Stock verlor, passt fast schon perfekt zur allgemeinen Situation.

So destabilisiert und verunsichert war das Schweizer Männerteam nie in den letzten 30 Jahren. Wenn das kein Alarmzeichen ist, das die Führungsetage wachrütteln muss! Impulse sind gefragt; Schönreden und auf den Exploit am Tag X warten hilft definitiv nicht weiter.

Video «SRF-Experte Bernhard Russi zieht Bilanz bei den Schweizer Männern («sportpanorama»)» abspielen

SRF-Experte Bernhard Russi zieht Bilanz bei den Schweizer Männ...

1:59 min, vom 17.2.2013