Staunen und Träumen

Die WM in Schladming hat mit Super-G-Sieger Ted Ligety ihre erste Überraschung - und mit Gauthier de Tessières' zweitem Rang die grosse Sensation. Der Franzose war für das Rennen gar nicht vorgesehen. Trainiert hatte er mit seiner Nichte.

«Verrückt. Unglaublich. Ich kann es nicht glauben« - Gauthier de Tessières rang nach seinem Gewinn von WM-Silber im Super-G um Worte. Immer und immer wieder anerkannten direkte Konkurrenten seine Leistung im Zielraum mit Schulterklopfen. Christof Innerhofer, entthronter Titelverteidiger, umarmte den Franzosen herzlich. Von den Emotionen übermannt, schossen ihm Tränen in die Augen.

Richtig einschätzen konnte De Tessières seinen Coup auch bei der anschliessenden Medienkonferenz noch nicht. «Ich will es gar nicht realisieren. Das ist wie ein wunderschöner Traum.»

Das etwas andere Training

Ted Ligetys Fahrt zu Gold war eine Überraschung, doch De Tessières Silber ist von sensationellem Charakter. Ein 8. Rang war im Super-G bislang sein Bestergebnis, im Riesenslalom von Val d'Isère fuhr er 2008 als Dritter seinen einzigen Podestrang im Weltcup heraus. Speziell ist die Geschichte aber auch deswegen, weil sich der 31-Jährige für den Super-G im französischen Team gar nicht qualifiziert hatte. 

Erst nach dem verletzungsbedingten Aus von Teamkollege Johan Clarey erhielt De Tessières vor 3 Tagen ein Aufgebot. «Ich hatte vor dem Rennen nur ein Training - mit meiner 6-jährigen Nichte», so der Franzose, der seit 12 Jahren im Weltcup dabei ist und viele Verletzungen verkraften musste. «Jetzt gibt es eine Party, auch mit den Trainern. Sie hatten mir gesagt, es sei Schicksal, dass ich hier bin.»

Grosses Staunen auch bei Ligety

Der neue Weltmeister Ted Ligety sprach nach seinem Triumph von einem emotionalen Moment, «da alles überraschend passierte». Er habe sich zwar Chancen ausgerechnet, doch Gold sei fast unglaublich und ziemlich cool.

Das 30-minütige Warten in der Leaderbox, ehe Aksel Svindal im Ziel war, machte Ligety zu schaffen: «Das war das Härteste. Ich mag das nicht.» Mehr gelegen kam ihm die Kurssetzung: «Sie entsprach meinen Fähigkeiten, ich war kaum einmal in der Hocke.» Das wird er wohl auch am Freitag in einer Woche im Riesenslalom nicht sein. Da ist er Titelverteidiger und grosser Favorit - und Gold wäre alles andere als eine Überraschung.