Die Falken staunen über Lara Gut

Lara Gut und die Schweizer Ski-Frauen haben am Rennwochenende in Beaver Creek überzeugt. SRF-Kommentator Stefan Hofmänner würdigt die starke Teamleistung im WM-Ort von 2015.

Ich schaute hinauf, sah die Falken und dachte: Solche Bahnen ziehen, das möchte ich auch können. Sie flogen ihre Kreise in der Thermik über den sonnengewärmten Nadelbäumen, die überall auf und neben den WM-Strecken von 2015 stehen. Die Greifvögel segeln tatsächlich über der Raptor, der Rennstrecke, die nach ihnen benannt wurde.

Und genauso majestätisch, wie die Falken ihre Bahnen, zog Lara Gut ihre Kurven. So selbstverständlich wie die einen den Aufwind spüren, fand die andere die schnelle Linie. Und sie war in der Lage, diese Linie skitechnisch zu meistern. Das heisst, Lara Gut bewegte sich in Beaver Creek auf der höchsten Könnensstufe. Daran ändert auch das Ausscheiden im Riesenslalom nichts.

Die Rädchen greifen ineinander

Bei Lara Gut haben sich die Puzzle-Teile ineinander gefügt. Es war schon vorher vieles gut, sehr gut sogar, aber das Erfolgsgefüge war nicht komplett. Warum das jetzt anders ist hat bestimmt viele Gründe, aber einer ist zweifellos der: Lara Gut ist Teil des stärksten Teams. Cheftrainer Hans Flatscher und seine Crew haben ihre Fahrerinnen in diesem Sommer bisweilen bis zum Äussersten gefordert.

Im Trainingslager in Chile mussten die Schweizerinnen bei miesem Wetter raus, mussten auf unruhiger Piste trainieren, hatten extrem schnelle und dann wieder extrem technische Kurse zu bewältigen, und manchmal alles zusammen. Kurz: Es war überhaupt nicht lustig. Grenzerfahrungen serienweise. Die Schweizer Abfahrerinnen haben das nicht nur überstanden, sondern sind gestärkt daraus hervor gegangen. Skifahrerisch gestärkt und auch mental.

Den Raptor gebändigt

So sind die Falken in Beaver Creek Zeugen geworden, wie die Schweizerinnen in Abfahrt und Super-G auf der Raubvogelpiste gross aufgetrumpft haben. Auf dieser neuen Strecke, die viel Mut und Können erfordert, fuhren Lara Gut und Co. sieben Resultate unter den besten 10 heraus.

Rechnet man die Liechtensteinerin Tina Weirather dazu, die ja vollumfänglich im Schweizer Team integriert ist, dann sind es sogar acht. Das ist mehr als bemerkenswert!. Und was Lara Gut angeht: Könnte sein, dass die Falken herunter geschaut, gestaunt und sich gedacht haben, solche Bahnen ziehen, das möchte ich auch können.

Stefan Hofmänner

Stefan Hofmänner

Der Kommentator begleitet die Schweizer Ski-Frauen im Weltcup.