Gut: Mit Köpfchen, aber nicht immer mit einem Lächeln

9 Jahre nach ihrem Weltcup-Einstand hat Lara Gut mit dem Gewinn des Gesamtweltcups die Krönung erfahren. Die Presse applaudiert – euphorisch und kritisch zugleich.

Video «Lara Gut: Feiern kommt später» abspielen

Lara Gut: Fahren statt feiern

4:33 min, aus sportpanorama vom 13.3.2016

Lara Guts Gesamtweltcup-Triumph wird am Montag in den hiesigen Medien grossflächig abgebildet und kommentiert. Der Grundtenor lautet:

  • In ihrer Entwicklung ist dieser Schritt eigentlich nur logisch, gleichwohl zeugt er von Reife.
  • Den Weg ganz an die Spitze ebnete sich die selbstbewusste Athletin schnörkellos und geradlinig.
  • Dass die Schweizerin ausgerechnet in jenem Winter zugeschlagen hat, in dem Anna Fenninger sowie Tina Maze fehlten und Lindsey Vonn im Schlussspurt ausser Gefecht war, braucht sie nicht zu kümmern. Denn ihr Punktetotal dürfte am Ende ähnlich hoch sein wie jenes ihrer Vorgängerin Fenninger.
  • Die Tessinerin macht die Skination Schweiz nach einer langen Durststrecke mächtig stolz.

Dennoch wirft der Zürcher Oberländer diesbezüglich auch einen Einwand ein: «Die Herzen der Fans werden ihr hierzulande trotzdem nicht uneingeschränkt zufliegen. Denn Gut ist keine, die in der Öffentlichkeit immer lächelt und fein geschliffene Sätze von sich gibt.»

Wir haben weitere Schlagzeilen zusammengetragen, die Gut gerecht werden – abgesehen vom Schlusspunkt, der stattdessen zum Schmunzeln einlädt.

«  Mit Köpfchen statt mit der Brechstange »
Lara Gut tippt sich mit dem rechten Zeigefinger an die Stirn und lacht.

Bildlegende: Vieles spielt sich im Kopf ab So urteilt der Tages-Anzeiger. EQ Images

Diese Taktik führte die 24-Jährige in der Betrachtung des Tages-Anzeigers ans Ziel. Während Gegenspielerin Vonn das Limit ab und an überschreitet, agiere Gut weitaus cleverer, weniger anfällig. «Mal für Mal zog sie ihre Kurven wie auf Schienen in den Schnee – vom Andriften, das sie schon viele Siege gekostet hatte, war fast nichts mehr zu sehen.»

«  Die Anfänge waren schwierig. Da kam ein Tessiner Teenager, dem man das Talent von weitem ansah. »

Die NZZ arbeitet noch einmal die Vergangenheit auf. Die Zeitung erinnert daran, dass sich Gut in den Anfängen partout nicht an die kurze Leine nehmen lassen wollte. Und sie konstatiert zufrieden: «Heute sind die Grabenkämpfe ausgestanden.»

«  Sie hatte eine fantastische Saison. »

In der Südostschweiz kommt Guts Vorgängerin zu Wort: Vreni Schneider, die 1995 als bislang letzte Schweizerin den Gesamtweltcup eroberte. Die Glarnerin erklärte auch, dass sie in Lenzerheide gerne persönlich gratuliert hätte. Doch leider musste sie wegen anderweitigen Verpflichtungen auf einen Besuch im Bündnerland verzichten.

«  Gut haben und Gut lachen haben, das war eins für die Schweizer Fans am Sonntag »

Etwas Neid schwingt beim österreichischen Blatt Kurier bei dieser kreativen Schlagzeile mit. Denn es musste feststellen, dass die gastgebende Nation neben Gut eben auch noch Tagessiegerin Wendy Holdener hatte, die «ihrer» Michaela Kirchgasser in der Kombination die kleine Kristallkugel wegschnappte.

«  Laura, Du bist unser Schuss. »

Nein, die Bild hat sich nicht verschrieben. Vielmehr füllen bei unseren Nachbarn nicht die Alpinen, sondern die Biathleten die Zeitungsspalten. Und im Fall der 5-fachen WM-Medaillengewinnerin gibt es mit Laura Dahlmeier eben eine andere Adressatin, vor der man den Hut zieht.

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama, 13.03.2016 18:15 Uhr