Schweizer Aufbruchstimmung und Tina Mazes «schönes Problem»

Die alles überragende Tina Maze, Newcomerin Mikaela Shiffrin und Lara Guts Ausrufezeichen. SRF-Kommentator Stefan Hofmänner zieht eine Bilanz über den Weltcup-Winter der Ski-Frauen.

Tina Maze und die grosse Kristallkugel.

Bildlegende: Dicke Freunde Tina Maze und die grosse Kristallkugel. Reuters

Wenn ein Staatspräsident ans Weltcup-Finale reist, dann ist etwas Besonderes geschehen. Sloweniens politisches Oberhaupt war im Zielraum auf der Lenzerheide, um seine herausragendste Bürgerin zu ehren: Tina Maze, die in diesem Winter fast alles in den Schatten gestellt hat, was in der Ski-Welt jemals war. Sie hat nur wenige Rekorde nicht gebrochen, wie beispielsweise den der meisten Siege in einem Winter. Diesen Rekord behält Vreni Schneider.

Aber Tina Maze hat, anders als unsere erfolgreichste Skirennfahrerin aller Zeiten, sämtliche Rennen in sämtlichen Disziplinen bestritten. Das macht das Siegen schwieriger. Dass sie trotzdem 11 Mal gewann, und dass sie 24 Mal auf dem Podest stand, das allein zeigt, wie unbeschreiblich gut dieser Winter von Tina Maze war. 24 Podestplätze sind im Übrigen einer mehr, als das gesamte österreichische Frauenteam eingefahren hat.

Stefan Hofmänner hat den Frauen-Weltcup als SRF-Kommentator begleitet.

Bildlegende: Stefan Hofmänner hat den Frauen-Weltcup als SRF-Kommentator begleitet. SRF

Der Rest geht an die USA

Die Österreicherinnen sind wie immer die stärkste Nation. Aber sie hatten in dieser Saison keine überragende Individualistin. Deshalb gab es auch keine Kristallkugel für unsere Nachbarn. Was Tina Maze an Kristallkugeln übrig liess, das ging in die USA. Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin: Die eine ist schon eine der Grössten aller Zeiten, die andere auf dem Weg dazu. Die Verletzung der einen und der kometenhafte Aufstieg der anderen gehören zu den grossen Geschichten dieses Winters.

Shiffrin hat zudem als Persönlichkeit einen ganz ausserordentlichen Eindruck hinterlassen. Mit welcher Ehrfurcht sie ihren Idolen auf den Weltcupstrecken begegnet, mit welcher ehrlichen Bescheidenheit sie sagt, die Slalomkugel gehöre doch eigentlich Tina Maze, weil die so inspirierend für sie gewesen sei, das macht sie selber bereits in so jungem Alter zum inspirierenden Menschen.

Lara Gut mit 3 Ausrufezeichen

Die Schweizerinnen waren gut. Beziehungsweise Gut. Einerseits waren die Frauen von keiner Krise betroffen und haben mit Marianne Kaufmann-Abderhalden, Nadja Kamer, Fabienne Suter, Wendy Holdener und Lara Gut fünf verschiedene Fahrerinnen auf das Weltcup-Podest gebracht. Andererseits gehörten die grossen Auftritte Gut. Sie hat den einzigen Schweizer Weltcupsieg in diesem Winter heraus gefahren, die einzige WM-Medaille gewonnen und sie hat beim Final einen positiven Schlusspunkt gesetzt. Damit hat sie der Ski-Schweiz drei dicke Pflaster auf die geschundene Seele geklebt.

Das Frauenteam insgesamt hat in diesem Winter die nationalen Ambitionen am Leben erhalten, und Lara Gut war Retterin Nummer 1. Weil ausserdem Wendy Holdener zum Ende der Saison hin von einer sehr guten zu einer ausgezeichneten Slalomfahrerin gereift ist, geht das Frauenteam mit einer schönen Portion Aufbruchsstimmung dem nächsten Winter entgegen. Man muss ja dann nicht gleich die Rekorde von Tina Maze angreifen.

Das schöne Problem der Tina Maze

Hermann Maier übrigens liess sich in den letzten Wochen folgendermassen zitieren: Er sei dann froh, wenn sein Punkterekord endlich gerochen sei, dann werde er nicht mehr dauernd darauf angesprochen. Er kann sich also zurücklehnen, der «Herminator». Den Stress der Rekordhalterin hat jetzt – und wohl für lange, lange Zeit – Tina Maze. Was für ein schönes Problem.

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Tina Maze zu Gast im «sportpanorama»

20 min, vom 18.3.2013