Choroschilow – ein Russe rockt den Weltcup

Alexander Choroschilow ist wahrlich kein Neuling im Ski-Zirkus. Mit 30 Jahren fährt der Slalom-Spezialist aber plötzlich Spitzenresultate ein. Ein Erklärungsversuch.

Alexander Choroschilow umkurvt eine Slalomstange.

Bildlegende: Alexander Choroschilow Fährt entspannter und deutlich schneller. Keystone

Genau in Worte zu fassen vermag Horoschilow seine Leistungsexplosion zunächst nicht. Der 30-Jährige liefert dann doch noch einen plausiblen Grund für seine bemerkenswerte Entwicklung. «Ich habe gemerkt, dass ich zu alt bin, um zwei Hasen gleichzeitig zu jagen», sagt er lachend.

Sein slowenischer Coach Jani Hlodnik klärt auf: «Wir haben realisiert, dass wir zu viel Zeit mit der Kombination verlieren. Deshalb setzten wir voll auf die Karte Slalom.»

Mit Yoga zum Exploit

Vor rund 5 Jahren übernahmen Slowenen das Zepter im russischen Männer-Team. Die Arbeit trägt nun Früchte. In Are errang Choroschilow vor einem Monat als Dritter seinen ersten Podestplatz im Weltcup (auf den Sieger fehlten nur 0,15 Sekunden). Dabei gelang ihm Historisches: 1981 hatte mit Alexander Schirow letztmals ein Russe eine Podiumsplatzierung erreicht.

Es sollte nicht Choroschilows einziger Exploit bleiben. In Zagreb wurde er zuletzt Fünfter und hätte ohne seinen groben Schnitzer im 2. Durchgang wohl noch besser abgeschnitten. «Es war früher oft so, dass ich nach einem starken ersten keinen guten zweiten Lauf mehr hinunterbrachte. Das war vor allem ein mentales Problem», schildert er. Er sei nun aber entspannter geworden. «Und er ist Vater geworden, hat eine tolle Frau», wirft Hlodnik ein. Sein Töchterchen kam gleich nach den Olympischen Spielen in Sotschi zur Welt. Letzten Sommer hat es Choroschilow sogar mit Yoga versucht und Gefallen daran gefunden.

Von Kamtschatka nach Ushuaia

Geholfen habe auch das Training mit dem Schweizer Team in Ushuaia. Technik-Coach Steve Locher habe er bereits aus seiner Kindheit gekannt. Auch an Urs Kälin und natürlich Michael von Grünigen erinnere er sich noch gut.

Alexander Choroschilow lehnt an der Rezeption über das Empfangspult.

Bildlegende: Alexander Choroschilow Noch ist es ruhig um das aufstrebende russische Skiass. SRF

Für Choroschilow, der in der Region Kamtschatka am östlichsten Zipfel Russlands aufwuchs, war Ski früh ein Thema. Swetlana Gladyschewa, die 1994 in Lillehammer Olympia-Silber im Super-G holte, stammt ebenfalls aus dieser Gegend. Mit 18 Jahren zog Horoschilow dann ins entfernte Moskau und lancierte seine Ski-Karriere.

Adelboden – wie im freien Fall

Nun wartet Adelboden. Choroschilow mag den aussergewöhnlichen Slalom-Hang: «Am Schluss ist es so steil, da fliegt man nur noch. Wie im freien Fall. Hinzu kommen die ganzen Zuschauer und russische Musik, die mich begleiten wird.»

An den ersten Weltcupsieg verschwendet er keinen Gedanken. Er will nur schnell Skifahren. Noch ist es ruhig um ihn. Ganze drei Interviews hat er seit Are gegeben. Zwar gäbe es in Russland immer mehr Leute, die zu später Stunde seine Rennen verfolgen. Populär sei er dennoch nicht. «In meinem Heimatland erkennen mich nur meine Freunde», sagt Choroschilow lachend.

Choroschilows Slalom-Klassierungen in diesem Winter

OrtRang
Zagreb (Kro)5.
Madonna di Campiglio (It)8.
Are (Sd)3.
Levi (Fi)8.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 10.01.15 10:15/13:15 Uhr

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Zusammenfassung Weltcup-Slalom in Are

3:41 min, aus sportpanorama vom 14.12.2014

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Verfolgen Sie den Weltcup-Slalom in Adelboden am Sonntag live auf SRF zwei und im Stream auf www.srf.ch/sport.1. Lauf ab 9:45 Uhr, der 2. Durchgang beginnt um 12:45 Uhr.