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Weltcup Männer Russi: «Glaube nach wie vor an die Speed-Truppe»

Vor dem Speed-Saisonstart ist die Verletztenliste beim Schweizer Männerteam lang. SRF-Experte Bernhard Russi spricht über die aktuelle Situation und die Anforderungen an die «zweite Garde».

Patrick Küng
Legende: Patrick Küng Trotz Trainingsrückstand ist er einer der Hoffnungsträger. EQ Images

Bernhard Russi, von den 8 Fahrern, die letztes Jahr bei der Abfahrt in Lake Louise punkteten, ist Marc Gisin der Einzige, der nicht angeschlagen, verletzt oder zurückgetreten ist. Was darf man dieses Jahr in den Speed-Disziplinen erwarten?

Russi: Es ist wirklich so: Wenn man die Verletztenliste und die Trainingsmöglichkeiten unserer Stars anschaut, dann ist man nicht sehr positiv gestimmt, sondern hat eher ein komisches Gefühl. Aber gerade in den Speed-Disziplinen darf man die Hoffnung nie aufgeben, denn diese lassen viel offen. Es ist schon mehr als einmal passiert, dass gerade einer, der weniger Trainings hatte, der vielleicht auch weniger Energie verbraucht und weniger von sich erwartet hat, auf einmal überraschende Resultate brachte.

Küng ist eine Rennmaschine.

Wenn sie die Trainings ansprechen: Patrick Küng hat wegen Knieproblemen weniger als 10 Trainingstage hinter sich, andere Topathleten 30 bis 40. Braucht es nicht zwingend viel Zeit, bis er seinen Rückstand aufholen kann?

Lake Louise ist eine ganz spezielle Piste. Sie ist relativ einfach, man kann sie bald einmal runterfahren. Ob man schnell fährt, ist die zweite Frage. Wie man wirklich drauf ist, wie der Formstand, die Technik und die Abstimmung sind, das wird sich erst eine Woche später in Beaver Creek weisen, wo mehr Technik gefordert ist. In Lake Louise ist immer alles eher offen. Diejenigen, die super in Form sind, in der perfekten Hocke fahren und tief unten immer noch genau gleich auf dem Ski stehen können, haben einen Vorteil. Aber wenn jemand unbeschwert und mit Selbstvertrauen an die Sache herangeht und vielleicht ein bisschen Wetterglück hat, dann kann er dabei sein.

Legende: Video Janka und Küng vor dem Speed-Saisonstart abspielen. Laufzeit 3:30 Minuten.
Aus sportpanorama vom 22.11.2015.

Gilt das generell oder in Bezug auf Küng?

Generell. Küng hat den Vorteil, dass er nun zu den grossen Routiniers zählt. Er hat schon bewiesen, dass er mit relativ wenig Training schnell in Form kommt. Er ist eine Rennmaschine. Er weiss, dass er riesiges Talent mit sich bringt und hat die Voraussetzungen, um mit relativ wenig Aufwand schnell dabei zu sein. Aber wenn ich die Favoriten aufzählen müsste, dann gehört er nicht dazu.

Sie haben die Gleiterpassagen angesprochen. Diese liegen Carlo Janka nicht – und nun mit den Rückenproblemen dürfte sich das noch akzentuieren. Ist es denkbar, dass er erst in Beaver Creek antritt?

Ich glaube nicht, dass Janka – sofern er sich einigermassen wohl fühlt – Lake Louise auslässt. Denn auch er hat einen Trainingsrückstand und das kann für ihn ein Aufbautraining sein.

Die Jungen müssen von sich selber auch mehr erwarten.

Können die Schwierigkeiten der Cracks für Fahrer der «zweiten Garde» wie Ralph Weber, Fernando Schmed oder Thomas Tumler auch eine Chance sein?

Es müsste eigentlich eine Chance sein. Aber es muss «Klick» machen in ihren Köpfen. Die Jungen müssen «giggerig» darauf sein, die Alten mit der Zeit zu verdrängen. Sie müssen über sich hinauswachsen. 100 Prozent werden in Zukunft nicht reichen, sonst werden sie immer Talente bleiben. Jedes Talent muss irgendwann über sich hinauswachsen, damit es den Anschluss nach oben findet. Die zweite Garde ist ja nicht blutjung und ohne Erfahrung, alle können bereits auf 2 oder 3 Weltcup-Jahre zurückschauen. Sie müssen von sich selber auch mehr erwarten.

Worauf darf man sich als Schweizer Skifan trotz der eher düsteren Prognosen freuen?

Wenn wir ein bisschen zu den Frauen rüberschauen, dann ist Lara Gut der grösste Trumpf. Sie wird ganz sicher überall ein wichtiges Wort mitreden, auch im Gesamtweltcup. Und zurück zu den Männern: Ich glaube nach wie vor an unsere Speed-Truppe, nur glaube ich nicht, dass es in Lake Louise schon passiert.

Diese Fahrer punkteten 2014 bei der Abfahrt von Lake Louise

Name
Resultate 2014
Situation 2015
Beat Feuz
6.verletzt (Achillessehne)
Patrick Küng
8.angeschlagen (Patellasehne)
Silvan Zurbriggen
12.zurückgetreten
Didier Défago
21.zurückgetreten
Carlo Janka
23.angeschlagen (Rücken)
Marc Berthod
24.verletzt (Knie)
Marc Gisin
26.
Sandro Viletta
28.angeschlagen (Bandscheiben)

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama, 22.11.2015, 18:15 Uhr

TV-Hinweis

TV-Hinweis

Die Übertragung der Abfahrt der Männer in Lake Louise startet am Samstag ab 18:55 Uhr, die des Super-Gs am Sonntag ab 19:00 Uhr. Beide Rennen können Sie auf SRF zwei und srf.ch/sport mitverfolgen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von jean passant, thun
    Russi war, ist und bleibt ein cooler Typ. Seinen Glauben an diese Truppe, die sich Nati nennt, nehme ich jedoch nicht ernst. Swiss Ski stellt von allen klassischen Skinationen das weitaus schlechteste Team und sie bewegen sich allmählich in Dimensionen bei denen man sich fragen muss, ob es nicht besser wäre den "Laden dichtzumachen". Man könnte das Geld gut für Sportler einsetzen, die Perspektiven haben und Spitzensport nicht als bezahlten Tourismus anschauen.
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  • Kommentar von Jasmina, Stadt Luzern
    Ich persönlich bin ich der Meinung dass dieser Misserfolg wohl nicht nur schuld an Fahrer sind. Sondern man soll ehrlich hinterfragen ob Herr Lehmann nicht auch dazu bei trägt. Denn unter ihn sind schon die beste Trainer wie Ruffener gegangen die nun im Erfolge im Ausland feiern können. Es braucht eine Lösung an der Führung. Denn was in den letzten zwei Jahren für Trainer ausgewechselt wurde ist die Konsequenz dafür weshalb man wenig Erfolg zu verbuchen hat. Deshalb braucht es eine neue Führungy
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Stimme Ihnen zu! Diese ständige Trainerwechsel & Knatsch in der Führungsetage schadet der ganzen Truppe. Verstehe auch nicht, weshalb Herr Lehmann so an seinem Sessel klebt. Weshalb Swiss-Ski immer noch an ihm festhält.
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  • Kommentar von Christian Hofstetter, Zürich
    Eines scheint so gut wie sicher zu sein: So entspannt wie zu Beginn dieser Saison konnten wir noch nie vor dem Bildschirm sitzen. Das liegt an den Erwartungen, die ins Bodenlose gesunken sind.
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