Federer pickt sich die Rosinen heraus – auch die Nummer 1?

Viereinhalb Jahr nachdem Roger Federer an der Spitze der Weltrangliste abgelöst worden war, ist die Nummer 1 plötzlich wieder Thema. Doch der «Maestro» plant nach anderen Kriterien.

  • Erstmals seit 2006 gelingt Roger Federer wieder der perfekte Saisonstart. Wie schon vor 11 Jahren holt er sich das begehrte Triple Australian Open – Indian Wells – Miami.
  • Roger Federer und Rafael Nadal zieren die Spitze des Jahresrankings. Die Weltnummer 1 Andy Murray folgt an Position 12, Novak Djokovic ausserhalb der Top 20. Diese Hierarchie erinnert eher an 2007 denn an 2017.

Ist denn in der Tenniswelt die Zeit stehen geblieben, ist man geneigt zu fragen? Der «Maestro» gibt die Antwort darauf gleich selbst:

«  Ich bin nicht mehr 24. Ich muss mir meine Momente herauspicken, muss auf meine Gesundheit achten und darauf, dass meine Familie nicht zu kurz kommt. »

Aus diesen Gründen bündelt der mittlerweile vierfache Vater rund 4 Monate vor dem 36. Geburtstag seine Kräfte und geht Kompromisse ein. Die angekündigte Pause bis zu den French Open mitten im Formhoch unterstreicht, dass Federer nicht um jeden Preis die Nummer 1 jagt. Er setzt seine Prioritäten anders, sagt etwa, «Wimbledon muss in der näheren Zukunft das grosse Ziel sein. Dann kommen die amerikanischen Hartcourts, später die ATP Finals».

Ist unter dieser Prämisse der Weltranglistenthron für den Rekordhalter in dieser Wertung (302 Wochen) überhaupt nochmals ein Thema? Der frühere Profi und heutige ESPN-Analyst Brad Gilbert beantwortet diese Frage wie folgt:

«  Seine Chancen liegen bei über 50 Prozent, die Saison als Nummer 1 abzuschliessen. Wenn man bedenkt, dass Djokovic und Murray so weit zurück liegen, wird es auf einen Zweikampf mit Nadal hinauslaufen. »

Diese Fakten sprechen dafür, dass Federer erstmals seit Oktober 2012 das Ranking dereinst wieder anführen und damit zur ältesten Männer-Nummer 1 nach Andre Agassi (33 Jahre und 4 Monate) werden könnte:

  • Denn nach der abgebrochenen Saison 2016 ist der Baselbieter zwischenzeitlich auf Platz 17 zurückgefallen, nun aber schon wieder auf Rang 4 hochgeklettert. Die 3 Spieler, die noch vor ihm liegen, sammelten in diesem Jahr alle deutlich weniger Punkte.
  • Seine bevorstehende Auszeit fällt nicht so sehr ins Gewicht, da Federer bis zu Wimbledon (wo der Halbfinal seine bereits letzte Station im 2016 gewesen war) nicht allzu viele Punkte zu verteidigen hat.
  • Federer beendete bereits das 2006 als Nummer 1 – und zu diesem Jahr gibt es ja bekanntlich einige Parallelen.

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Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 02.04.2017 19:10 Uhr

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Federer schlägt Nadal erneut und gewinnt Miami

1:48 min, vom 2.4.2017

Noch nicht ganz 100

Nach dem 91. Turniersieg rückt für Federer die magische Marke immer mehr auf den Radar. «Es wäre reizvoll, 100 zu schaffen», sagt er und schiebt nach: «Aber die Gesundheit kommt vor jedem Rekord!». Auch hier setzt er klare Prioritäten und weicht nicht etwa auf kleinere Turniere aus. Vor ihm liegen noch Jimmy Connors (109 Titel) und Ivan Lendl (94).