Frankreich geht den Countdown unverbrauchter an

Die Vorbereitungen auf den Davis-Cup-Final gehen bei den beiden Teams diametral auseinander. Während die Franzosen ein Trainingslager einberufen haben, verausgabten sich Roger Federer und Stan Wawrinka an den ATP Finals in London.

Das französische Davis-Cup-Team schwenkt die «Tricolore».

Bildlegende: Bereit für den Final Die Franzosen strahlen vor dem Duell mit der Schweiz grosse Zuversicht aus. EQ Images

Es bleiben 5 Tage bis zum Davis-Cup-Knüller in Lille, dem Schlussbouquet des Tennisjahres 2014. Für die Schweizer, vorab für Leader Roger Federer, beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die Weltnummer 2 musste an den ATP World Tour Finals in London das Endspiel und Rendezvous mit Novak Djokovic platzen lassen. Sein Rücken hatte am Vortag den Kraftakt ausgerechnet gegen seinen Davis-Cup-Teamkollegen Stan Wawrinka nicht unbeschadet überstanden. Es sei ihm nicht möglich, sich auf normalem Niveau zu bewegen, sein Rücken brauche dringend Pflege, sagte der 33-Jährige.

Zum effektiven Gesundheitszustand gibt es weiterhin primär Spekulationen statt verlässliche Informationen. Swiss Tennis will am Dienstag erstmals offiziell orientieren. Federer versicherte aber noch am späten Sonntagabend: «Ich werde nach Lille fahren und mich so gut wie möglich anpassen und erholen.» Und er gab seiner Hoffnung Ausdruck, «am Dienstag oder Mittwoch auf den Trainingsplatz zurückkehren zu können». Die Umstellung auf Sandbelag erschwert die Umstände zusätzlich.

Kräfte sparen – für die einen ein Luxus

Angeschlagen, vorderhand mental, ist auch Wawrinka aus dem «Schweizer Halbfinal-Duell» gegangen. Trotz 4 Matchbällen verlor der Romand die Abnützungsschlacht über 2:48 Stunden, und einmal begehrte er sogar Richtung Federer-Box auf. Aus der Ferne dürften die Franzosen mit Schadenfreude beobachtet haben, wie sich ihre Herausforderer gegenseitig zerfleischten.

Fast paradoxer mutet es da an, dass Captain Arnaud Clément am Ende einer Trainingswoche in Bordeaux eine Einheit gestrichen hat. Seine Begründung: «Wir müssen Kräfte sparen.» Der 36-Jährige berichtet gegenüber der L'Equipe von 3 Trainingstagen mit ausserordentlich hoher Intensität. «Es wäre jetzt falsch, noch mehr zu pushen und darum Anzeichen von Müdigkeit zu spüren.»

Anaud Clément sitzt auf seiner Couching-Bank.

Bildlegende: Arnaud Clément Der Captain prophezeit: «Wir sind bestmöglichst eingestellt.» EQ Images

Mit der Qualität des Trainings zeigt sich Clément zufrieden. «Wir haben Selbstvertrauen getankt und feilen nun noch an den Details», sagt er.

Am Montag stösst Julien Benneteau zu seiner Equipe. Als Einziger der französischen Davis-Cup-Auswahl stand der 32-Jährige in London im Einsatz. Er bestritt an der Themse die Doppel-Konkurrenz, stand ebenfalls im Halbfinal, blitzte dort aber mit 0:6, 3:6 klar ab.

Sendebezug: SRF zwei, sportpanorama,16.11.14 18:15 Uhr

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Federers Forfait für London

0:52 min, aus sportpanorama vom 16.11.2014

Längstes Spiel gegen Rosset

Schon einmal waren in einem Davis-Cup-Duell Schweiz - Frankreich die Kraftreserven das Zünglein an der Waage. 2001 in Neuenburg rang der heutige Captain Clément im Viertelfinal Marc Rosset mit 6:3, 3:6, 7:6, 6:7, 15:13 nieder. Die epische Partie dauerte 5:46 Stunden und gilt bis heute als längste, die je ein Franzose im Davis Cup bestritten hat.