Wertvolle Erfahrungen für das Davis-Cup-Team

Nach dem zähen Sieg über Kasachstan steht die Schweiz zum 3. Mal überhaupt in einem Davis-Cup-Halbfinal. Was die Begegnung in Genf gezeigt hat: Federer ist und bleibt der Chef im Team, für Wawrinka können die Erfahrungen in Genf künftig Gold wert sein.

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Psychogramm des Duos Federer-Wawrinka

4:24 min, aus sportlounge vom 7.4.2014

Vor 11 Jahren bestritt die Schweiz letztmals einen Halbfinal und unterlag auswärts in Australien. Der damals 22-jährige Roger Federer stand gegen Lleyton Hewitt 2 Punkte vor dem Sieg, ehe er in 5 Sätzen unterlag und die «Aussies» in den Final einzogen. Er habe viel aus jener Partie gelernt, meinte Federer in Genf. «Auch dank solch wertvollen Erfahrungen gelang mir eine solch grossartige Karriere.»

Wawrinkas Lehren

Neue Erfahrungen hat am Wochenende auch Stanislas Wawrinka gemacht. Er trat im Davis Cup erstmals als Grand-Slam-Champion und Schweizer Nummer 1 vor jeweils über 15'000 erwartungsvollen Fans an - und tat sich bis Mitte seines 2. Einzels am Sonntag unheimlich schwer damit. Der Romand machte am Freitag und Samstag einen äusserst nervösen und angespannten Eindruck und musste zweimal als Verlierer vom Platz.

«Ich habe zwei sehr schwierige Tage hinter mir. Mit vielem konnte ich nicht umgehen», meinte die Weltnummer 3, nachdem er sich am Sonntag gegen Michail Kukuschkin gerade noch rechtzeitig gefangen hatte. Wawrinka wollte es in Genf vor Heimpublikum offensichtlich zu gut machen, verkrampfte dadurch und kam nur ganz zum Schluss an sein gewohntes Niveau heran.

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Interview mit Roger Federer

2:23 min, vom 6.4.2014

Federers Souveränität

Vom 12. bis 14. September, wenn die Schweiz im Halbfinal Italien empfängt, werden Wawrinka die in der Palexpo-Halle gesammelten Erfahrungen helfen. Weil bis dann unter anderem 3 Grand-Slam-Turniere ins Land ziehen, ist auch gut denkbar, dass Federer seinen Kumpel wieder als Schweizer Nummer 1 abgelöst haben wird. Das würde weiteren Druck von Wawrinkas Schultern nehmen.

Denn wenn das letzte Wochenende etwas gezeigt hat, dann dies, dass Federer im Team der unangefochtene Leader bleibt - egal, auf welchem Platz er klassiert ist. Wie souverän er am Freitag den wichtigen Punkt zum 1:1 holte und wie cool er 2 Tage später den entscheidenden letzten Sieg einfuhr, war Extraklasse. Zumal selbst für ihn diese Situation am Sonntag völlig neu war.

Wie 1992?

Federer wird auch gegen Italien kaum aus der Ruhe zu bringen sein - zu viel hat er in seiner langen Laufbahn schon erlebt. Und Wawrinka wird die Sache etwas relaxter angehen. Gute Voraussetzungen also für die 2. Final-Qualifikation nach 1992.

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Schweiz schlägt Kasachstan

1:00 min, aus Tagesschau vom 6.4.2014