3-Satz-Sieg über Williams – Kerber schafft Sensation

Eine berauschend aufspielende Angelique Kerber (WTA 6) hat bei den Australian Open ihre erste Grand-Slam-Trophäe erobert. Sie liess die Weltranglistenleaderin Serena Williams sensationell mit 6:4, 3:6 und 6:4 abblitzen.

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Hochstehender Final zwischen Kerber und Williams

2:56 min, vom 30.1.2016

Mit ihrem erkämpften Finalsieg am Yarra River nach spannungsgeladenen 128 Minuten schrieb Angelique Kerber Geschichte und verhinderte selbst eine historische Marke. 22 Jahre nach Steffi Grafs Triumph beschert die 28-jährige Kielerin den deutschen Tennisfrauen in Melbourne wieder einen Grand-Slam-Titel.

Graf wird Kerber zweifellos zu diesem Coup gratulieren – und sie wird sich auch bedanken. Dafür, dass Kerber Serena Williams an einem weiteren Major-Sieg gehindert hat und so Grafs Open-Era-Rekordmarke von 22 Erfolgen (vorerst) bestehen bleibt.

«  Serena, du bist eine so grosse Inspiration für die jüngeren Spielerinnen »

Angelique Kerber

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Kerber: «Hatte das Flugticket zurück schon gebucht»

3:28 min, vom 30.1.2016

Ausgerechnet bei ihrer Major-Endspiel-Premiere behielt Kerber die Nerven bis zum Schluss. Nach dem verwerteten Matchball brach sie in Tränen aus, durfte aber auch die herzliche Gratulation einer fairen Verliererin entgegen nehmen. Die Gewinnerin gab bei der Zeremonie zurück: «Serena, du bist eine so grosse Inspiration für die jüngeren Spielerinnen. Vielen Dank dafür!»

Williams' Serie gerissen

Erstmals überhaupt musste sich die Weltranglistenleaderin in ihrem Territorium im alles entscheidenden Spiel bezwingen lassen. Sechsmal stand sie zuvor in Melbourne im Final, sechsmal hatte sie triumphiert. Und eigentlich hatte im bisherigen Turnier nichts auf das Ende ihrer Unantastbarkeit hingedeutet, musste Vorjahressiegerin Williams doch erst 26 Games abgeben.

Doch nun bekam sie es mit einer Herausforderin von einem ganz anderen Kaliber zu tun. Und das Publikum genoss ein hochstehendes Match, das alles beinhaltete.

Das Finaldrama in drei Akten

Serena Williams mit einer säuerlichen Miene.

Bildlegende: Zuweilen ratlos Serena Williams hadert mit sich. Keystone

  • Kerber erwischt die Favoritin anfänglich auf dem falschen Fuss. Sie beginnt unerschrocken und kann das Gros der Ballwechsel mit ihrem variantenreichen, druckvollen Spiel dirigieren. Sie braucht dann allerdings zwei Anläufe in Form eines Breaks (zum 2:1 und 4:3), um den Startsatz an sich zu reissen. Das offensichtliche Problem ihrer zunehmend gereizt wirkenden Gegnerin: deren übermässig hohe Fehlerquote (23 vs. 3).
  • Williams kann zurückschlagen und ist in der Startphase des 2. Umgangs endlich auch in diesem Match angekommen. Ein weiterer Beweis für ihre Anlaufschwierigkeiten: Sie benötigt 56 Minuten, bis sie ihr 1. Ass schlagen konnte. Der entscheidende Service-Durchbruch gelingt ihr bereits zum 3:1 – begünstigt durch einen Aussetzer Kerbers mit 2 Doppelfehlern.
Serena Williams ballt kniend die Faust.

Bildlegende: Durch Höhen und Tiefen gegangen Serena Williams zeigt Emotionen. EQ Images

  • Im 3. Durchgang ist bis zum Schluss noch immer jeder Ausgang denkbar. Kerber breakt Williams früh und zu Null – doch die Amerikanerin reagiert prompt. Beim Stand von 3:2 verwertet die Aussenseiterin dann die 5. Chance zum erneuten Break und zum 4:2-Vorsprung. Als die Deutsche zum Match aufschlägt und ihr noch 2 Punkte fehlen, zittert plötzlich die Hand. Kerber bleibt fokussiert: Sie holt die verpasste Chance nach, nimmt Williams zum insgesamt 5. Mal den Aufschlag ab – und macht damit den Traum perfekt.

Sendebezug: SRF zwei/info, sportlive, 30.01.2016 09:30 Uhr

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