Das French-Open-Märchen des Paul-Henri Mathieu

Der Sport schreibt die schönsten Geschichten, heisst es. Im Fall von Paul-Henri Mathieu trifft dies definitiv zu. Der 35-Jährige erlebt dieser Tage sein ganz persönliches French-Open-Märchen.

Paul-Henri Mathieu nach der überstandenen Quali.

Bildlegende: Schrei der Erlösung Paul-Henri Mathieu nach der überstandenen Quali. Imago

Eigentlich hatte sich Paul-Henri Mathieu das Ganze so vorgestellt: Mit einer Wildcard würde er seine letzten French Open bestreiten und dem Publikum noch einmal das bieten, was ihn in all den Jahren immer ausgezeichnet hatte: Emotionen, Kampfgeist, Leidenschaft.

Keine Wildcard, null Verständnis

Der französische Tennisverband hatte jedoch andere Pläne. Bei der Wildcard-Vergabe ging Mathieu, aufgrund diverser Verletzungen nur noch die Nummer 116 der Welt, überraschend leer aus. «Unverständlich!» schimpfte unter anderem der ehemalige Profi und Davis-Cup-Captain Arnaud Clement. Dass Mathieu aussen vor gelassen wurde, verstand niemand so richtig. Am wenigsten er selbst.

Mathieu mit seinem Sohn Gabriel

Bildlegende: Emotionen pur Mathieu mit seinem Sohn Gabriel Imago

Doch der zweifache Familienvater, der die Fans 2006 mit einem fast fünfstündigen Abnützungskampf gegen Rafael Nadal begeistert hatte, fasste die Entscheidung als Kampfansage auf. Weil er um jeden Preis ein 15. Mal bei seinem Heimturnier dabei sein wollte, ging er in der Qualifikation an den Start. Nach zwei mehr oder weniger souveränen Siegen stand am Freitag die dritte und entscheidende Hürde an.

«  Es fühlt sich an, als ob ich das Turnier gewonnen hätte. »

Paul-Henri Mathieu

Auf Platz 6 versammelten sich bereits vor Spielbeginn hunderte Zuschauer, um ihren «Paulo» anzufeuern. Kaum zu glauben, dass es sich hierbei «nur» um eine Qualifikationspartie handelte.

Grosse Emotionen nach dem Matchball

Mathieu, vom unglaublichen Support beflügelt, machte mit dem Amerikaner Denis Kudla kurzen Prozess. Die Szenen, die sich nach dem Matchball abspielten, sprachen für sich. Als sein fünfjähriger Sohn Gabriel auf den Platz kam, liess der 35-Jährige seinen Emotionen endgültig freien Lauf.

«Es fühlt sich an, als ob ich das Turnier gewonnen hätte», freute sich die ehemalige Nummer 12 der Welt. Nun werde er alles daran setzen, sich für die erste Runde so gut wie möglich zu erholen.

Dort wartet mit David Goffin eine ungleich höhere Hürde. Momentan dürfte Mathieu daran aber noch nicht allzu viele Gedanken verschwenden. Für ihn zählt einzig, zum 15. und allerletzen Mal bei seinem Lieblingsturnier an den Start gehen zu können.

Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 26.5.17, 22:25 Uhr