Zum Inhalt springen

Der Amerikaner im Interview Courier: «Wir sind alle enttäuscht, dass Roger nicht hier ist»

Im Interview äussert sich der vierfache Grand-Slam-Champion über die Ausgangslage bei den French Open und das Fehlen von Roger Federer.

Jim Courier und Roger Federer.
Legende: Ein eingespieltes Duo Jim Courier und Roger Federer. Getty Images

SRF Sport: Jim Courier, Rafael Nadal spielt hier um seinen sage und schreibe 11. French-Open-Titel. Wie verrückt hört sich das für Sie an?

Jim Courier: Es ist ja fast schon albern, dass Nadal diesen Titel – in einer Ära mit so vielen grossen Champions – bereits 10 Mal gewonnen hat. Die Tatsache, dass er als Top-Favorit um einen 11. Titel spielt, ist total irre.

Wie ist es möglich, dass Nadal auf Sand über all die Jahre so dominant auftreten kann?

In erster Linie verfügt er natürlich über ein riesiges Talent. Zudem ist die Unterlage wie für ihn gemacht, ja richtiggehend auf ihn zugeschnitten. Er kann auf Sand seine Stärken perfekt ausspielen.

Die grössten Chancen, Rafael Nadal zu bezwingen, hat meiner Meinung nach Novak Djokovic.

Gibt es jemanden, der ihn in diesem Jahr stoppen könnte?

Wenn, dann wahrscheinlich nur seine Gesundheit. Die Physis sehe ich eigentlich als einzigen möglichen Stolperstein. Er hatte in diesem Jahr schon mit der einen oder anderen Verletzung zu kämpfen. Aber wenn er fit und in Form ist, ist er hier natürlich der haushohe Favorit.

Es gibt also keinen Spieler, der ihm den 11. Titel streitig machen könnten?

Es gibt meiner Meinung nach nur ganz wenige Herausforderer. In der oberen Tableauhälfte sehe ich eigentlich einzig Juan Martin Del Potro, der ihm etwas wehtun könnte. In der unteren Hälfte gibt es natürlich Alexander Zverev, der in Rom schon nahe am Sieg war. Dominic Thiem traue ich über Best-of-Five den Coup eher weniger zu. Die grössten Chancen hat meiner Meinung nach Novak Djokovic. Er hat schon bewiesen, dass er es auf Sand mit Nadal aufnehmen kann.

Denken Sie, dass er in seiner jetzigen Form dazu im Stande ist?

Er wird sich auf jeden Fall steigern müssen. Seit er 2016 die French Open gewonnen hat und gleichzeitig alle Grand-Slam-Titel inne hatte, erreichte er sein Toplevel nie mehr. Sollte ihm dies hier gelingen, traue ich ihm sehr viel zu.

Der gegenseitige Respekt ist die Grundlage für die witzigen Gespräche.
Autor: Courierüber die Interviews mit Federer

Der grosse Abwesende in Paris ist Roger Federer. Können Sie seine Entscheidung, die Sandsaison auszulassen, nachvollziehen?

Es ist für alle enttäuschend, dass er nicht hier ist. Ich habe in einem Artikel eine Aussage von seinem Fitnesstrainer Pierre Paganini gelesen, wo er sagt, dass Roger auf Sand am meisten Probleme mit seinem Knie hat. Das fand ich sehr interessant. Meine Erfahrung ist, dass Sand dem Körper viel mehr verzeiht als alle anderen Unterlagen. Aber wenn Paganini das sagt, dann glaube ich ihm das natürlich zu 100 Prozent. Es lohnt sich unter diesen Voraussetzungen nicht, vor der Rasensaison ein zu grosses Risiko einzugehen. Roger ist für mich der grosse Favorit auf einen weiteren Wimbledon-Titel.

Legende: Video «Ich kann Rogers Entscheidung verstehen» abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Vom 30.05.2018.

Sie pflegen eine spezielle Beziehung zu Federer. Ihre Platz-Interviews bei den Australian Open sind mittlerweile legendär. Weshalb stimmt die Chemie zwischen Ihnen so gut?

Ganz einfach: Roger macht es mir sehr leicht. Er ist offen, witzig und für fast jeden Spass zu haben. Gleichzeitig weiss er auch: Ich würde ihm nie eine Frage stellen, die zu weit geht. Im Gegenteil: Ich möchte den Spielern die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit so authentisch wie möglich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Falle von Roger ist dieser gegenseitige Respekt die Grundlage für die witzigen Gespräche.

Welche Szene aus diesen Interviews ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ach, da gibt es unzählige. Die Momente, in denen er über Mirka und die Kinder spricht, sind die besten. Da öffnet er sich und gibt einiges preis. Das macht den «Superhero» Federer menschlich.

Legende: Video Ein Müsterchen von Couriers Interviews mit Federer abspielen. Laufzeit 5:19 Minuten.
Vom 22.01.2017.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 30.5.2018, 14:55 Uhr

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Raphael Strauss (Strauss Raphael)
    GS Turniere machen einfach keinen Spaß, wenn Roger nicht dabei. Es fehlt das gewisse etwas! Zudem ist Sandplatz Tennis irgendwie vorbei, mit den durchtrainierten Athleten dauern die Spiele so lang, die Ballwechsel sind so monoton. Es ist so schwierig einen Winner zu machen, der verteidigende Spieler hat so viele Zeit… Diese Unterlage ist irgendwie nicht mehr zeitgemäß!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Johanna Thomas (JoThomas)
      Hören Sie doch bitte auf zu jammern uns sprechen Sie bitte nicht für die Allgemeinheit. Ich liebe uns spiele selber Tennis, gerade auch auf Sand und verfolge das Turnier mit grossem Interesse.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Seppli Moser (Moser)
    Paganini meinte, da die Stopp-Rutschphase auf Sand länger ist als in der Halle oder Hartcourt, ist es sogar eher belastender für das Knie. Für mich auch eher Blödsinn. Auf Sand habe ich als (Interclub-Niveau Spieler) weniger Knie Probleme.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Josef Graf (Josef Graf)
    Den meisten Leuten, die häufig Tennis spielen oder gespielt haben, leuchtet nicht ein, dass Sand einem Knie mehr Probleme machen soll als eine härtere Unterlage. Im Fall von Roger Federer dürfte es auch nicht der Sandbelag als solcher sein, sondern die auf Sand längeren Ballwechsel, welche wegen der Verschleisserscheinungen zu Knieproblemen führen können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen