Die verrückte 1. Wimbledon-Woche

Die erste der zwei Turnierwochen in Wimbledon ist vorüber. Geprägt wurde diese vor allem auch durch das frühe Out der Mitfavoriten Roger Federer und Rafael Nadal. Ein Erklärungsversuch von SRF-Kommentator Stefan Bürer.

Von den grossen Vier sind nur noch Murray und Djokovic im Turnier dabei.

Bildlegende: Aus Vier mach Zwei Von den grossen Vier sind nur noch Murray und Djokovic im Turnier dabei. Keystone/Reuters/Bildmontage SRF

Die Erkenntnis ist nicht neu: wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Was gestern noch richtig war, muss heute nicht mehr zutreffen. Was vor einer Woche galt, noch viel weniger. Sie erinnern sich vielleicht: Vor genau einer Woche, also dem Tag, bevor dieses seltsame Wimbledon 2013 begann, war das Hauptthema, ob es richtig sei, David Ferrer vor Rafael Nadal zu setzen.

Die Befürworter argumentierten mit der Weltrangliste, die immer recht habe. Die Gegner monierten, Nadal habe doch Ferrer eben im Final von Paris in Einzelteile zerlegt, zudem habe David im Vergleich zu Goliath auf Rasen noch nie etwas gerissen.

Gegen einen fitten Nadal will keiner spielen

Im Lager von Roger Federer war man mit dieser Setzung sicher nicht zufrieden (auch wenn er selber gegen aussen Gelassenheit demonstrierte), denn gegen einen fitten Nadal will keiner spielen, schon gar nicht im Viertelfinal, egal ob auf Sand, Rasen, Hartplatz, Schnee oder Eis.

Eine Woche später ist das alles kein Thema mehr. Wir wissen jetzt, dass Nadal alles andere als fit war und dass zumindest für Federers Return das Gleiche gilt. Statt Federer oder Nadal wird nun einer aus dem Quartett Kubot (Nr. 130 der Weltrangliste), Mannarino (111), Melzer (37) und Janowicz (22) den Halbfinal erreichen.

Eine hohe Leistungsdichte

Das zeigt, wie viel in diesem Sport möglich ist, wenn die Allerbesten mal nicht auf Betriebstemperatur kommen. Wie hoch die Leistungsdichte in den ersten 200 ist. Und wie eng es in den hinteren Regionen zugeht, die wir ja kaum einmal zur Kenntnis nehmen.

Stefan Bürer kommentiert für SRF die Partien aus Wimbledon.

Bildlegende: Stefan Bürer kommentiert für SRF die Partien aus Wimbledon. SRF

Beispiele gefällig? Ok, sehr gerne. Steve Darcis (ATP 135), der Bezwinger von Nadal, bereitete sich in 's-Hertogenbosch auf Wimbledon vor. Weil sein Ranking nicht für die Aufnahme ins Hauptfeld reichte, musste er in die Qualifikation. Dort verlor er in der letzten Runde in 2 Sätzen gegen den Schweizer Stéphane Bohli (ATP 401). Adrian Mannarino bestritt vor Roland Garros das Turnier von Nizza, musste in die Qualifikation und verlor dort in der ersten Runde mit 3:6, 2:6 gegen den Schweizer Henri Laaksonen (ATP 261).

Möglicher Schub für junge Spieler

Heisst das, dass Bohli in Wimbledon Nadal geschlagen hätte? Oder, dass Laaksonen bereits ein ernsthafter Anwärter für einen Viertelfinalplatz auf dem heiligen Rasen ist?

Nein, natürlich nicht. Aber es zeigt, wie gut Tennis gespielt wird, bis weit in die Niederungen des Rankings, abseits des grossen Medieninteresses. Und grade einem jungen Spieler wie Henri Laaksonen müsste das Abschneiden von Mannarino eigentlich einen Schub geben im Sinne von: hey, schau mal, was alles möglich ist!

Vieles deutet auf Final Murray - Djokovic hin

Doch zurück zum aktuellen Geschehen. Nicht alles, was vor einer Woche geredet und geschrieben wurde, ist falsch. So wurden vor Turnierbeginn Novak Djokovic und Andy Murray am höchsten gehandelt. Das gilt auch heute noch, sogar noch etwas mehr als vor einer Woche. Vieles deutet heute auf einen Final zwischen der Nummer 1 und der Nummer 2 hin.

Doch die Logik siegt nicht immer, das beweist ein Blick auf diese verrückte erste Woche in Wimbledon. Und so könnte es gut sein, dass Tennisexperten aus aller Welt in genau einer Woche zu erklären versuchen, weshalb das Spiel zwischen Bernard Tomic und Jerzy Janowicz eigentlich der logische Wimbledon-Final sei...