Federer lässt viele Experten alt aussehen

Auch Tennis-Experten haben nicht immer eine Ahnung. So schrieben einige Roger Federer voreilig ab. Mittlerweile müssen sie zurückkrebsen. Aus Kritik sind Lobeshymnen geworden.

John McEnroe schüttelt Roger Federer die Hand.

Bildlegende: John McEnroe Einst Skeptiker, heute wieder grosser Bewunderer von «Maestro». EQ Images

Insbesondere nach seinem Seuchenjahr 2013 mit nur einem Titelgewinn (Halle) sowie einer mediokren Matchbilanz von 45:17 musste Roger Federer viel Häme und Spott über sich ergehen lassen.

Spätestens das verpfuschte 2016 mit dem Saisonabbruch nach dem Out im Wimbledon-Halbfinal rief die Kritiker erneut auf den Plan. Viele konnten sich nicht vorstellen, dass der Rekord-Grand-Slam-Champion im Alter von 35 Jahren nochmals zur Hochform auflaufen würde. Immer wieder legten ihm Experten den Rücktritt nahe. Sie wunderten sich in Kolumnen: «Warum nur tut er sich das noch an?»

Vorher, nachher – die Meinungen decken sich überhaupt nicht

John McEnroe, Boris Becker und Mats Wilander schrieben einst den «Maestro» voreilig ab und mussten nun nach dessen 19. Major-Trophäe zurückkrebsen...

  • John McEnroe (58). Anlässlich Federers Comeback Anfang dieses Jahres tätigte der 7-fache Major-Sieger noch diese Aussage:
«  Mit 35 ist er ziemlich alt, zuletzt hatte er mit einer schweren Knieverletzung zu kämpfen. Ich sehe ihn nicht fähig, durch 7 harte Matches zu kommen und mindestens zwei Spieler aus den Top 3 zu schlagen. »

Der umstrittene Amerikaner lernte somit nichts aus seinen Fehleinschätzungen früherer Jahre. Denn so räumte McEnroe etwa Mitte 2015 schon einmal ein:

«  Ich habe auch schon mal den Fehler gemacht, ihn aus der Konkurrenz für die grossen Titel zu nehmen. Aber das sollte man nie tun. In diesem Fall lag ich falsch.  »

Und wie urteilt McEnroe heute? Knapp, aber prägnant:

«  Der Tennis-Messias ist zurück! »
  • Boris Becker (49) liess sich vor exakt einem Jahr nach Federers Niederlage auf dem «heiligen Rasen» gegen Milos Raonic wie folgt zitieren:
«  Das Ende einer Ära. »

Und heute korrigiert sich der 3-fache Wimbledon-Gewinner so:

«  Ich würde sagen, er hat den Lauf seines Lebens. Ein Auto hat 5 oder 6 Gänge. Roger aber hat 10. Und wenn es nötig wäre, hätte er sicher noch einen 11. »
  • Mats Wilander (52) hielt sich schon früher nicht zurück. So etwa schoss der Schwede bereits 2011 scharf gegen den Baselbieter. Unmittelbar zuvor hatte Federer im Wimbledon-Viertelfinal trotz 2:0-Satzführung den Match gegen Jo-Wilfried Tsonga noch aus der Hand gegeben.
«  Er hat nichts gezeigt, nichts versucht. Ich bin sehr enttäuscht, dass er nicht kreativer und offensiver gespielt hat. Er hat zu wenig Rückgrat bewiesen, um die Sache zu wenden, und den Erfolg nicht gesucht. Er verdient die Niederlage. In diesem Moment ist er kein Sieger mehr. »

6 Jahre später schlägt Wilander in der NZZ am Sonntag ganz andere Töne an.

«  Federer ist heute klar besser als vor 10 Jahren, als er dominierte. Er spielt praktisch immer auf Top-Niveau. Das ist nur mit einem unerschütterlichen Selbstvertrauen möglich. »

Hand aufs Herz: Haben Sie immer an Federer geglaubt?

  • Ja klar, ich bin kein Fähnchen im Wind.

    63%
  • Nein, ich muss gestehen: Federer belehrte auch mich eines Besseren.

    37%
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Video «Federer macht sich in Wimbledon unsterblich» abspielen

Federer macht sich in Wimbledon unsterblich

4:18 min, aus sportpanorama vom 16.7.2017

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 16.07.2017 14:40 Uhr