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Grand-Slam-Turniere Federer-Out: Wenn «alte Schule» Schule macht

Roger Federers Out in der 2. Runde von Wimbledon ist ebenso überraschend wie sensationell. Der Schweizer unterlag einem Gegner, der sich während des gesamten Spiels erfolgreich und konsequent auf die «alte Schule» besann.

Was haben John McEnroe, Boris Becker, Stefan Edberg und Pete Sampras gemeinsam? Sie alle beherrschten das Serve-and-Volley-Spiel beinahe in Perfektion. Sergej Stachowski (ATP 116) zeigte bei seinem Überraschungserfolg gegen Roger Federer, dass die schon fast in Vergessenheit geratene Spielweise noch immer zum Erfolg führen kann.

Stachowski: Fast 100 Mal am Netz

Stachowski praktizierte das vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren verbreitete Serve-and-Volley-Spiel mit einer Konsequenz, wie man es im heutigen Tennis kaum noch vor Augen geführt bekommt. Der Ukrainer stürmte konsequent und nicht weniger als 96 Mal ans Netz, 61 Mal davon erfolgreich. Seine Erfolgsquote nach 1. Aufschlag: 100 Prozent.

Federer fand kein Mittel

Mit seiner offensiven Spielweise gelang es Stachowski, die Partie über weite Strecken zu diktieren. Federer hatte Mühe, die Aufschläge seines Gegners zu lesen und ihn mit dem Return unter Druck zu setzen. Der Schweizer konnte auch mit Fortdauer der Partie nicht zusetzen und agierte zunehmend defensiv, ja gar ängstlich. Bezeichnend dafür war der Matchball, den Federer nach einem verhaltenen Ballwechsel unnötig mit der Rückhand neben die Linie setzte.

Legende: Video Federers Rückhand mit 150 km/h abspielen. Laufzeit 0:33 Minuten.
Vom 27.06.2013.

Kein Weg führte an Stachowski vorbei

Zu selten fand der 7-fache Wimbledon-Champion den Weg an seinem Gegner vorbei, Stachowski stand zuweilen wie eine Wand am Netz. Federers zunehmender Frust gipfelte in einer Rückhand im 4. Satz beim Stand von 3:4, die er mit gemessenen 150 km/h direkt auf seinen Widersacher drosch - allerdings ebenfalls ohne Erfolg. Die Niederlage beschert dem Baselbieter die schlechteste Weltranglisten-Platzierung seit seinem 1. Triumph in Wimbledon.

«Der Schock von London»

Die Sensation wird auch in den Medien breit und intensiv diskutiert. «Der Schock von London», titelte etwa die Neue Zürcher Zeitung. «Die Aura ist verflogen» schrieb der Tages-Anzeiger und kommentierte, dass Federer menschlich und schlagbar geworden sei. Auch die Aargauer Zeitung schrieb von der verlorenen Aura und fügte an, dass Federer selbst auf Rasen verwundbar geworden sei: «Die Gegner erstarren nicht mehr in Ehrfurcht.»

Auch auf der Insel ist das Out des Titelverteidigers ein grosses Thema. Stachowski habe Federer nach dem Muster der «alten Schule» geschlagen, so The Independent. The Sun schrieb vom «grössten Schock in Wimbledon». Noch weiter geht The Guardian: «Der grösste Schock in der Geschichte der Männer-Grand-Slams.» Daily Mail sieht nun die grosse Chance für Andy Murray, dessen Weg in den Final frei zu sein scheint, mit den passenden Worten: «Roger and Out.»

13 Kommentare

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  • Kommentar von Jabisan, Kanagasabai
    Mit 30 noch Tennis spielen ist ja verrückt und mit 30 in der Top ten ist, ist das wahnsinnig. Ich bin stolz und zufrieden mit Roger. Dieser Gegner war einfach eine Nummer zu gross für Roger. Der Schweizer hat auch Geschichte geschrieben. Z.B er hat 7 mal in Wimbyldon gewonnen. Und Tsonga hat das Spiel aufgegeben. Nadal hat auch ein Spiel verloren. Jetzt bleibt nur Murry übrig. Alles kurzgefasst: Roger hat Geschichte geschrieben so wie Michael Jackson. Der Unterschied ist Michael hat gesungen.
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    1. Antwort von D. Flückiger, Zürich
      @Jabisan: Sind Sie betrunken? Bisschen etwas freude und alles ist gut oder? Like it!!! :-))
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  • Kommentar von jean passant, thun
    Ich habe RF in den letzten Monaten oft hart kritisiert, aber letztlich nur wegen seines unbestrittenen Potenzials. Ist ein mediokerer RF vorstellbar? Es mangelt den Tennisinteressierten an echten Interviews, welche nicht nur sattsam bekannte Durchhalteparolen enthalten, sondern auch mal eine kritische Betrachtung was abgelaufen ist. Wann redet er über dringend nötige Änderungen. Jeder Durchschnittsfussballclub kommuniziert offener und transparenter als der hermetisch abgeriegelte Federer Clan.
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  • Kommentar von D. Flückiger, Zürich
    Ich kann es immer nur wieder sagen, HÖRT AUF MIT EUREN VORHERSAGEN!!! Meiner Meinung nach leben wir jetzt im Monat Juni 2013 mit Roger Federer, der gerade bei Wimbledon ausgeschieden ist. Er ist und er bleibt ein grosser Spieler. Egal ob er als Nummer 100 spielt oder als Nummer 1 (sieht Hewitt an). Ich kommentiere immer nur die aktuelle Leistung und ich bin zufrieden, dass Federer seine schlechte Leistung eingeräumt hat. Was er in Zukunft macht ... ich weis es nicht!!!
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