Murray lässt Kyrgios keine Chance

Im Melbourne-Viertelfinal hat das australische Publikum mit Nick Kyrgios seinen letzten Hoffnungsträger verloren. Der Lokalmatador konnte gegen Andy Murray (ATP 6) nicht mehr an seine vorangegangenen Leistungen anknüpfen und musste sich dem Favoriten mit 3:6, 6:7 (5:7) und 3:6 beugen.

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Murray - Kyrgios: Die Live-Highlights

3:21 min, vom 27.1.2015

Bei seiner 10. Jubliäums-Teilnahme steht Murray bereits zum 5. Mal in der Runde der letzten Vier. 2010, 2011 und 2013 führte ihn sein Weg in «Down under» sogar noch eine Runde weiter. Um den erneuten Finaleinzug kämpft der Schotte nun im Duell zweier Ranglisten-Nachbarn gegen Tomas Berdych (ATP 7).

Kyrgios' Auftritt im Viertelfinal wurde dessen zuvor heroischen Leistungen vor Heimpublikum nicht mehr gerecht. Denn die Weltnummer 53 konnte dem Match zu keinem Zeitpunkt den Stempel aufdrücken. So dauerte es lange 27 Games, ehe der 19-Jährige zu seinen ersten Breakchancen kam, was natürlich auch Murrays Konsequenz zuzuschreiben war.

Murray überwand Zwischentief rasch

Prompt schaffte Kyrgios während eines kurzen Zwischentiefs des zweifachen Major-Champions den Service-Durchbruch zum 3:4 und machte ein zuvor kassiertes Break im 3. Satz wett. Doch Murray antwortete sogleich wieder mit dem Re-Break und führte damit die Vorentscheidung herbei.

So fiel ausgerechnet der vielbeachtete 5. Einzel-Einsatz in Melbourne für Kyrgios mit 115 Minuten am kürzesten aus, nachdem er zuvor schon während knapp 13 Stunden (inklusive Doppel) auf dem Platz gestanden hatte.

Die schwindenden Kraftreserven waren bei seinem 2. Grand-Slam-Viertelfinal (nach Wimbledon 2014) sicherlich ein Manko. Dazu agierte er oft auch zu nervös und hastig.

Kyrgios braucht Zeit für Entwicklung

Murray behielt schon im 1. Satz klar die Oberhand und setzte den Aussenseiter fast permanent unter Druck. Symptomatisch war nach 32 Minuten das schnelle Ende: Kyrgios setzte eine Rückhand unbedrängt hinter die Grundlinie. Die zu hohe Fehlerquote (38 «unforced errors») war eine der offensichtlichen Schwachstellen im Spiel des Shootingstars, das primär auf einem tadellosen Aufschlag basierte.

Nick Kyrgios.

Bildlegende: Nick Kyrgios Konnte nicht mehr ganz so befreit aufspielen. Keystone

Im 2. Umgang schien es, als würde sich Kyrgios langsam in die Partie reinhängen und -kämpfen. Murray blieb zwar dominant, musste aber immerhin den Umweg übers Tiebreak gehen. In der Kurzentscheidung schlug sich der Australier dann aber zu einem grossen Teil wieder selbst.

Murray freute sich im Platzinterview über seine starke Leistung. Er strich aber auch nochmals Kyrgios' erfrischende Auftritte hervor. «Ich weiss, wie gefährlich er sein kann und habe deshalb mit allen Mitteln versucht, einen guten Start zu erwischen, um ihn zurückzubinden.» Und Murray gab dem Publikum auch noch mit auf den Weg, dass es dem Spieler Zeit lassen solle, um reifen zu können.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 27.01.15 9:20 Uhr

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