Nach bizarrem Auftritt: An Kyrgios scheiden sich die Geister

Nick Kyrgios hat in Wimbledon bei der Achtelfinal-Niederlage gegen Richard Gasquet einen bisweilen lustlosen Eindruck hinterlassen. Nun prasselt Kritik auf den Australier nieder. Doch er erhält auch Rückendeckung.

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Kyrgios an der Pressekonferenz: «Ich habe mich bewegt»

2:22 min, vom 7.7.2015

Den 1. Satz verloren, im 2. mit 0:2 im Rückstand und dann das: Nick Kyrgios spielt einen Aufschlag von Richard Gasquet nonchalant ins Netz, beim nächsten bewegt er sich nicht einmal Richtung Ball, sondern läuft in die andere Ecke des Feldes. Der Auftritt des Australiers im Wimbledon-Achtelfinal erzürnte das Publikum so sehr, dass es mit lauten Buh-Rufen und Pfiffen reagierte.

«  So etwas habe ich in Wimbledon noch nie gesehen »

Sue Barker

Kyrgios umarmt einen Balljungen.

Bildlegende: Die andere Seite Mitten im Achtelfinal umarmte Kyrgios einen Balljungen. Reuters

Der 20-jährige Kyrgios, der das Match in 4 Sätzen verlor, sah sich danach mit der Anschuldigung konfrontiert, die Partie «hergeschenkt» zu haben. Dies war nicht sein erster Ausrutscher bei den diesjährigen All England Championships. In den Matches zuvor hatte der Youngster einen Schiedsrichter beschimpft, sein Racket ins Publikum geworfen und sich nach einem Linienrichterentscheid geweigert, weiterzuspielen.

«Ich gebe dir mein Racket»

Auf den jüngsten Vorwurf, gegen Gasquet im 2. Satz aufgehört haben zu spielen, reagierte er an der Pressekonferenz genervt. Auf die Frage eines Journalisten, was im angesprochenen Game los war, fragte er harsch zurück: «Willst du probieren, Gasquets Aufschlag zu retournieren? Ich gebe dir mein Racket und dann sehen wir, wie oft du es schaffst.»

«  Neben dem Court ist Nick ziemlich anders »

Andy Murray

Nach dem Out im Wimbledon-Achtelfinal wurde Kyrgios von vielen Seiten kritisiert. So sagte BBC-Reporterin Sue Barker zur Situation im 2. Satz: «So etwas habe ich in Wimbledon noch nie gesehen.» Kommentator John McEnroe sagte ebenfalls, dass sein Verhalten im 15. Game «komplett unprofessionell» gewesen sei. Man könne nicht verzeihen, was er getan habe.

Prominente Rückendeckung

Doch gleichzeitig nahm der ehemalige US-Profi den «Bad Boy» auch in Schutz. «Ich bin ein grosser Verfechter von Nick Kyrgios. Er hätte zugeben sollen, dass er aufgehört hat und von der Rolle war.» Auch von Andy Murray erhielt Kyrgios Rückendeckung. «Ich mag Nick. Neben dem Court ist er ziemlich anders.» Kyrgios selbst macht sich nun auf die Heimreise, wie er auf Facebook schrieb. Für ihn gibt es «tolle und nicht so tolle Erfahrungen» zu verarbeiten. So kann man es auch umschreiben.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 6.7.15, 14:00 Uhr