Zahlreiche Walkovers in Wimbledon: Zeit für neue Regeln?

Sieben Männer haben ihre Partien an den ersten zwei Wimbledon-Spieltagen nicht zu Ende gespielt – unbefriedigend für Zuschauer wie Gegner. Sollten die Grand-Slam-Turniere reagieren?

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Günthardt: «Kann ihnen keinen Vorwurf machen»

1:22 min, vom 5.7.2017

Im Männer-Tableau in Wimbledon gab es an den ersten 2 Spieltagen nicht weniger als 7 Walkovers. Im Fall von Janko Tipsarevic dauerte der Einsatz nur gerade 16 Minuten. Auch die Gegner von Roger Federer und Novak Djokovic mussten beide im 2. Satz verletzungshalber aufgeben.

Roger Federer tröstet Alexandr Dolgopolow.

Bildlegende: Musste vorzeitig die Segel streichen Roger Federer tröstet Alexandr Dolgopolow. Keystone

«Wir witzelten danach in der Kabine, dass wir auf dem Centre Court eine Übungseinheit spielen sollten», erzählte Djokovic im Anschluss.

35'000 Pfund für Kurzauftritt

Doch der Serbe schlug daraufhin auch ernstere Töne an. Denn die Masse an Walkovers führt zu hitzigen Diskussionen, strichen die 7 Akteure doch das satte Preisgeld von 35'000 Pfund für ihren Start im Wimbledon-Haupttableau dennoch ein.

«  Die Zuschauer haben ein Ticket gekauft, um 128 fitte Spieler zu sehen. »

Heinz Günthardt

Aus solchen Gründen wird derzeit vermehrt diskutiert, ob bei Grand-Slam-Turnieren Regeländerungen angebracht wären. Denn während auf der ATP-Tour 2017 eingeführt wurde, dass ein Spieler das Geld bei einem vorzeitigen Forfait behalten kann aber ein Lucky Loser eingesetzt wird, ist diese Regel an den 4 GS-Turnieren nicht in Kraft (erst bei Antritt gibt's eine Gage).

Federer und Djokovic für Regeländerung

«Vielleicht sollten sich die Grand Slams [der ATP-Regel] anpassen, dann könnten wir vielleicht die Hälfte der Walkovers reduzieren», so Federers Überlegungen. Auch Djokovic meinte, dass er die Regel unterstütze.

SRF-Tennisexperte Heinz Günthardt sagt, dass der Anreiz sehr gross sei, rauszugehen und das Preisgeld abzuholen. Doch er wendet ein: «Die Zuschauer haben ein Ticket gekauft, um 128 fitte Spieler zu sehen.»

Verurteilen möchte Günthardt Akteure wie Tipsarevic und Co. aber nicht. «Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, wenn sie rausgehen und das Geld abholen, das überhaupt sicherstellt, dass sie ihren Beruf ausüben können.»

Sollten die Grand-Slam-Turniere die ATP-Regel einführen?

  • Optionen

Die Erstrunden-Aufgaben im Männertableau

Roger Federer
s.Alexandr Dolgopolow
6:3, 3:0 w.o.
Novak Djokovic
s.Martin Klizan
6:3, 2:0 w.o.
Pierre-Hugues Herbert
s.
Nick Kyrgios
6:4, 6:4 w.o.
Florian Mayer
s.Viktor Troicki
6:1 w.o.
Jared Donaldson
s.Janko Tipsarevic
5:0 w.o.
Donald Young
s.Denis Istomin
5:7, 6:4, 6:4 4:2 w.o.
Adrian Mannarino
s.Feliciano Lopez
5:7, 6:1, 6:1, 4:3 w.o.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 4.7.2017, 14:00 Uhr

Die ATP-Regel

Das Preisgeld fürs Antreten wird nur unter folgenden Bedingungen ausbezahlt:

  • Der Rückzug erfolgt bis am Freitag vor Turnierbeginn
  • Der Spieler ist am Turnierort und wurde vom Turnierarzt als unfit beurteilt
  • Die Auszahlung des Preisgelds bei Nicht-Antreten ist auf 2 nichtaufeinanderfolgende ATP-Turniere pro Jahr beschränkt