Pierre Paganini: «Die Faszination liegt im Unsichtbaren»

Seit weit über 10 Jahren schwören Roger Federer und Stan Wawrinka auf Pierre Paganinis Dienste als Fitnesscoach. Für den 57-Jährigen ist die Kondition auf dem Tenniscourt ein massgebender Faktor, der aber nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Sichtbar sind dafür die Erfolge.

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Pierre Paganini im Gespräch

12 min, aus sportlounge vom 19.1.2015

Pierre Paganini hätte ebenso gut einen anderen Weg einschlagen können. «Am Anfang galt mein Interesse dem Fussball», verriet er der «sportlounge». Daneben zählte bei der Sportlehrerausbildung in Magglingen die Leichtathletik zu seinen Spezialfächern. Dann gab es noch diese Option: Der gebürtige Romand stammt aus einer höchst musischen Familie. Er machte seinem Nachnamen (Niccolo Paganini) alle Ehre und war bis 20 passionierter Geigenspieler.

Stattdessen erreichte ihn in den 1980er-Jahren eine Anfrage aus Ecublens, wo sich damals das nationale Tenniscenter befand. Schon nach weniger als einer Woche fand Paganini Gefallen an seiner neuen Aufgabe als Fitnesscoach bei Swiss Tennis. Er erklärt die Faszination wie folgt: «Hier ist die Kondition eigentlich unsichtbar, man nimmt sie nicht sofort wahr. Im Kugelstossen und Sprint dagegen ist das Zusammenspiel zwischen Technik und Physis offensichtlich.»

Mit Bewunderung und Fingerspitzengefühl

Dieses Unscheinbare deckt sich mit seinem Naturell. Denn Paganini hält sich als Konditionstrainer von Roger Federer und Stan Wawrinka, die er mittlerweile seit 15 respektive 12 Jahren persönlich betreut, am liebsten im Hintergrund auf.

Er bewundere die beiden Spieler für ihr Können. «Gegenseitigen Respekt und Loyalität erlebe ich mit beiden auf eine ausgesprochen schöne Art.» Nötig ist nicht selten auch Fingerspitzengefühl, muss Paganini doch Rücksicht auf die tägliche Befindlichkeit seiner Athleten nehmen. Darum versichert Wawrinka: «Er gibt mir unglaublich viel – nicht nur bezüglich Tennis, sondern auch was das Mentale betrifft.»

Paganini macht mit Federer eine Sprint-Übung mit Ball und Gummizug.

Bildlegende: In den frühen Anfängen Pierre Paganini trimmt 2003 Roger Federer fit. Keystone

Beim Reifeprozess hautnah dabei

1994 fand Paganinis erste Begegnung mit dem damals 13-jährigen Federer statt. Er erinnert sich: «Die Zusammenarbeit war von der ersten Stunde an sehr spannend und herausfordernd.» Die Trainings wurden schnell intensiver, Federers Hunger nach neuen Übungen grösser.

In den Anfängen suchte Paganini als administrativer Leiter in Ecublens auch die Pflegefamilie für den inzwischen 17-fachen Grand-Slam-Gewinner aus. Er erlebte nicht nur dessen Reifeprozess auf dem Platz, sondern auch jenen vom Junior zum gestandenen Mann. Der 57-Jährige schwärmt von seinem Schützling: «Er ist ein koordinativ feinfühliger Tänzer mit einem unglaublichen Auge.»

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 19.01.15 22:25 Uhr