Robin Söderling: Heute zählen die kleinen Schritte

Das Pfeiffersche Drüsenfieber hat den schwedischen Tennisspieler Robin Söderling seit über 3 Jahren ausser Gefecht gesetzt. Das Comeback ist für ihn zu einem Traum geworden – den er aber heute wieder lebt.

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Robin Söderling im Gespräch

11 min, aus sportlounge vom 20.10.2014

Nach langer Anlaufzeit hat die Laufbahn von Robin Söderling im Mai 2009 Fahrt aufgenommen. Im Achtelfinal der French Open fügte er Rafael Nadal, der an diesem Turnier seit 31 Partien in Folge unbezwungen geblieben war, eine empfindliche Niederlage zu. «Erstmals an einem Grand Slam in die 4. Runde vorzustossen, das war schon etwas Spezielles. Ein grosser Einschnitt», erinnert sich der heute 30-Jährige lächelnd.

Söderling marschierte anschliessend bis ins Endspiel durch, wo er Roger Federer in 3 Sätzen unterlag. Und der Nordländer kämpfte sich auch beim nächsten Anlauf in Paris erneut in den Final. Dort nahm dann Nadal erfolgreich Revanche. Seit 2012 findet Roland Garros ohne Söderling statt.

Aus einer Woche Auszeit wurden über drei Jahre

Im Frühsommer vor drei Jahren erfuhr seine Karriere den nächsten markanten Einschnitt – diesmal war es allerdings eine Zäsur. Es fing damit an, dass er nach dem frühen Aus in Wimbledon Halsweh und Fieber beklagte. «Ich nahm mir eine Woche Auszeit, fühlte mich bald wieder besser und spielte dann bei meinem Heimturnier in Bastad richtig gut», erzählt Söderling der «sportlounge».

Es war dies ein letztes Aufbäumen, denn von da an hatte ihn eine heimtückische Krankheit fest im Griff. Söderling berichtet von «sechs ganz schlimmen Monaten, an gewissen Tagen kam ich nicht einmal aus dem Bett».

Das Pfeiffersche Drüsenfieber laugte den ehemaligen Weltranglisten-Vierten komplett aus. Angst war sein stetiger Begleiter, erst zahlreiche Gespräche mit Ärzten brachten die Hoffnung zurück.

Die Tochter als Antrieb

Der Schwede brauchte enorme Geduld und sagt rückblickend: «Zeit bekam für mich eine völlig neue Bedeutung». So sind es längst nicht mehr die grossen, sondern die kleinen Schritte, die für ihn zählen. Darunter versteht er, dass er sich im Alltag rundum gut fühlt und seit 4 Monaten wieder Tennis spielen kann.

Der Glaube an eine Rückkehr ist stärker denn je. Er definiert ein Comeback als sein Traum, zu dem ihn auch seine zweijährige Tochter antreibt. «Denn ich spielte seit meinem viertem Altersjahr Tennis. Nur allzu gerne möchte ich meiner Tochter zeigen, was ich vor ihrer Geburt das ganze Leben lang gemacht habe.»

Seit Sonntagabend hat Söderling zusätzliche Kräfte frei für die eigene Karriere. Denn in der letzten Woche gab er in Stockholm seinen Einstand als Turnierdirektor. «Ich war unglaublich nervös. Schliesslich ist es schon ganz etwas anderes, ob man selbst Tennis spielt oder alles rundherum organisiert.» Söderling hat Gefallen gefunden an seiner neuen Rolle – auch wenn er diejenige des Tennisspielers noch ein bisschen lieber ausfüllen würde.

Sendebezug: SRF zwei, sportlounge, 20.10.14 22:50 Uhr

Söderlings 10 Einzel-Titel

JahrOrt / UnterlageFinalgegner
2011Bastad (Sd) / SandDavid Ferrer (Sp)             6:2, 6:2
2011Marseille / HartMarin Cilic (Kro)               6:7, 6:3, 6:3
2011Rotterdam / HartJo-Wilfried Tsonga (Fr)    6:3, 3:6, 6:3
2011Brisbane / HartAndy Roddick (USA)        6:3, 7:5
2010Paris-Bercy / Hart (ATP-1000-Turnier)Gaël Monfils (Fr)               6:1, 7:6
2010Rotterdam / HartMichail Juschni (Russ)     6:4, 2:0 wo.
2009Bastad (Sd) / SandJuan Mónaco (Arg)           6:3, 7:6
2008Lyon / TeppichJulien Benneteau (Fr)       6:3, 6:7, 6:1
2005Mailand / TeppichRadek Stepanek (Tsch)    6:3, 6:7, 7:6
2004 Lyon / TeppichXavier Malisse (Be)           6:2, 3:6, 6:4

Söderlings Karriere

Robin Söderling mit der Paris-Trophäe.

Keystone

Im Juli 2011 bestritt Söderling sein letztes Profi-Match. Es trug ihm damals in seiner Heimat Bastad den 10. Turniersieg ein. Seinen wertvollsten Titel errang er vor 4 Jahren in Paris-Bercy. Söderling hielt sich ab Oktober 2009 während 2 Jahren in den Top 10 und kletterte bis auf Position 4 hoch. Längst wird er im ATP-Ranking nicht mehr geführt.