Wenn (fast) immer jemand den Erfolg garantieren kann

Der Schweizer Tennisfan ist verwöhnt. Dank dem Top-Quartett Federer, Wawrinka, Bencic und Bacsinszky gibt es fast jede Woche einen Erfolg zu bejubeln. Doch warum scheinen die Exploits – vor allem bei den Frauen – immer zeitversetzt zu kommen?

Das Schweizer Topquartett mit Bencic, Federer, Wawrinka und Bacsinszky (von links).

Bildlegende: Eine(r) sticht meistens Das Schweizer Topquartett mit Bencic, Federer, Wawrinka und Bacsinszky (von links). Keystone/EQ Images

Wer erinnert sich nicht gerne an den «Manic Monday» in Wimbledon im vergangenen Jahr zurück. Vier Schweizer am legendären Achtelfinal-Tag an der «Church Road» im Einsatz, davon erreichte mit Timea Bacsinszky, Roger Federer und Stan Wawrinka gar ein Trio die Runde der letzten Acht. Einzig Belinda Bencic blieb auf der Strecke.

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Der Schweizer «Manic Monday» in Wimbledon 2015

10 min, aus sportaktuell vom 6.7.2015

Doch nicht erst seit jenem denkwürdigen Tag surft Swiss Tennis auf der Erfolgswelle. Dank der noch nie dagewesenen Dichte an Topspielern dürfen die Schweizer Tennisfans schon seit Jahren praktisch jede Woche eine Glanzleistung bejubeln.

Seit Belinda Bencic an den Australian Open 2014 erstmals an einem Grand-Slam-Turnier teilnahm, kam es in 9 Major-Turnieren nur gerade einmal vor, dass kein/e Schweizer/in in den Halbfinals vertreten war. Das war bei den French Open 2014, als Federer als letzter Schweizer Vertreter bereits im Achtelfinal ausschied.

Die Schweizer/innen an den Grand Slams seit 2014

2014
Bacsinszky
BencicWawrinkaFederer
Australian Open
-2. Runde
SiegHalbfinal
French Open
2. Runde1. Runde
1. RundeAchtelfinal
Wimbledon2. Runde3. Runde
ViertelfinalFinal
US Open2. RundeViertelfinalViertelfinalHalbfinal
2015
Australian Open3. Runde
1. RundeHalbfinal3. Runde
French OpenHalbfinal2. RundeSiegViertelfinal
WimbledonViertelfinalAchtelfinalViertelfinalFinal
US Open1. Runde
3. Runde
HalbfinalFinal
2016
Australian Open2. Runde
AchtelfinalAchtelfinalHalbfinal

Was auffällig ist, wenn man die Turnierstatistiken der beiden Schweizerinnen isoliert betrachtet: Kaum einmal gelang Bencic und Bacsinszky gleichzeitig ein Exploit. Seit Bencic Anfang August 2015 in die Top 20 vorgestossen war, scheiterte eine der beiden bei Turnieren, an denen sie beide teilnahmen, immer mindestens nach 2 Runden.

Bacsinszky und Bencic seit August 2015

2015
Bacsinszky Bencic
Toronto1. Runde
Sieg
Cincinnati1. RundeAchtelfinal
US Open
1. Runde3. Runde
PekingFinal2. Runde
2016

Brisbane1. Runde2. Runde
Sydney1. RundeHalbfinal
Australian Open
2. Runde
Achtelfinal
Fed Cup gegen Deutschland
2 Niederlagen (im Einzel)
2 Siege (im Einzel)
DohaAchtelfinal1. Runde
Indian Wells
Achtelfinal3. Runde (nach Freilos)
MiamiHalbfinal2. Runde (Aufgabe, nach Freilos)

Vom Eindruck her scheine es so, dass immer die eine die andere abgelöst habe, pflichtet auch SRF-Tennisexperte Heinz Günthardt bei, «doch man darf nicht vergessen, wir reden hier von einem Jahr».

«  Kleine Auswirkungen auf die Form grossen Einfluss auf das Resultat. »

Heinz Günthardt

Bencic habe die erste Jahreshälfte 2015 unter ihren Möglichkeiten gespielt, sich danach ab Beginn der Rasensaison aber gefangen. Genau andersrum sei die Formkurve von Bacsinszky verlaufen, die zudem im Herbst 2015 von einer Knieverletzung gestoppt wurde.

Günthardt gibt zu bedenken:

  • «Oftmals geht vergessen, dass der Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren, zwischen einer Top-5- und einer Top-50-Spielerin minimal ist. Ein Satz wird durchschnittlich mit 4 Punkten Unterschied gewonnen. Und 4 Punkte sind schnell verloren. Deshalb haben kleine Auswirkungen auf die Form grossen Einfluss auf das Resultat. Denn die Leistungsdichte bei den Frauen ist zurzeit unglaublich gross.»

So war es zuletzt Bacsinszky, welche die Schweizer Flagge in Miami hochhielt. Im nächsten Turnier kann es schon wieder ganz anders aussehen. Und sollte das gesamte Schweizer Quartett im Kollektiv versagen, gibt es da ja noch Martina Hingis, die an der Seite der Inderin Sania Mirza die Weltrangliste im Doppel anführt.

Sendebezug: SRF zwei, «sportaktuell», 30.03.2016, 22:20 Uhr.