Das grosse Qualifikations-Chaos vor den WTA-Finals

Der Showdown der besten acht Spielerinnen in Singapur sollte eigentlich das finale Feuerwerk der WTA-Saison darstellen. Wenige Wochen vor dem Event herrscht aber mehr Unklarheit denn Vorfreude. Das Beispiel von Timea Bacsinszky machte dies am Wochenende deutlich.

Timea Bacsinszky ärgert sich

Bildlegende: Ist sie nun dabei am Saisonfinale oder nicht? Timea Bacsinszky. Keystone

Die Ausgangslage ist eigentlich simpel: Die acht erfolgreichsten Spielerinnen der Saison tragen Ende Oktober die sogenannten «WTA-Finals» in einem Round-Robin-Format aus. Nun gibt es aber einige Faktoren, die das Ganze verkomplizieren. Wir versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.

1. Die Wildcard-Möglichkeit

Definitiv für Singapur qualifiziert sind nicht die besten 8, sondern nur die besten 7 Spielerinnen der Saison. Die WTA hält sich damit die Möglichkeit offen, eine Wildcard zu vergeben. Im aktuellen Fall ist es vorstellbar, dass US-Open-Siegerin Flavia Pennetta eine solche Einladung erhält, sollte sie aus den Top 8 fallen. Derzeit liegt die Italienerin auf Platz 8 und damit unmittelbar vor Timea Bacsinszky.

2. Das Auslosungs-Chaos

Gemäss Regelwerk wird das Montags-Ranking der Turnierwoche als Grundlage für den «Qualifikations-Cut» genommen. So weit, so gut. Dumm ist aber, wenn die Finals gemäss WTA am Sonntag, 26. Oktober starten – ein Datum, das es gar nicht gibt. Der Sonntag wäre der 25., also müsste das Ranking vom 19. Oktober ausschlaggebend sein. Dem ist aber nicht so – siehe nächster Punkt.

3. Der «Luxemburg-Nuller»

Bezugnehmend auf Punkt 2 würden also die Resultate der Woche unmittelbar vor den Finals nicht mehr in die Wertung fliessen. Tatsächlich ist es aber so, dass die Moskau-Punkte zählen werden, weil der Final bereits am Samstag stattfindet. Das Endspiel des gleichzeitig stattfindenden Turniers in Luxemburg wird erst am Sonntag ausgetragen. Jene Punkte werden nicht in die Wertung fliessen, weil die Auslosung der WTA-Finals vor Sonntagabend durchgeführt werden muss.

4. Die Bacsinszky-Situation

Die Frage, die sich viele Schweizer Tennisfans nun stellen: Hat Bacsinszky noch eine Möglichkeit, sich für Singapur zu qualifizieren? Die Antwort lautet: Ja. Mit einem grossen «Aber»: Die Lausannerin hat es nicht mehr in den eigenen Händen.

Weil sie in dieser Woche bei keinem Turnier gemeldet ist, kann sie keine Punkte sammeln. Und übernächste Woche spielt Bacsinszky in Luxemburg – wo die Resultate bekanntlich nicht mehr zählen. Ein kurzfristiger Start beim Parallel-Turnier in Moskau ist gemäss WTA nicht möglich. Ihr bleibt also nichts anderes übrig, als auf weitere Absagen zu hoffen. Denkbar ist auch, dass die Westschweizerin als Ersatzspielerin nach Singapur reist.

Das WTA-Race

SpielerinPunkte
1. Simona Halep (Rum)*
5790
2. Garbine Muguruza (Sp)*
4511
3. Maria Scharapowa (Russ)*
4322
4. Agnieszka Radwanska (Pol)*
3525
5. Petra Kvitova (Tsch)*
3491
6. Angelique Kerber (De)*
3400
7. Flavia Pennetta (It)*
3252
8. Lucie Safarova (Tsch)
3221
9. Timea Bacsinszky (Sz)
3133
10. Carla Suarez Navarro (Sp)
3030
* bereits qualifiziert (Die führende Serena
Williams hat ihre Teilnahme abgesagt)


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Bacsinszky verliert Final in Peking

3:40 min, aus sportpanorama vom 11.10.2015

Sendebezug: SRF zwei, «sportpanorama», 11.10.2015, 18:15 Uhr.