Berufsporträt Redaktor/in Einkauf Film- und Serien

Vom Blockbuster bis zum Kinderfilm, von der amerikanischen Top-Serie bis zur deutschen Telenovela: So gross ist die Spannbreite fiktionaler Produktionen in den Programmen von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Bis ein Film oder eine Serie über den Sender geht, braucht es allerdings ein sensibles Gespür für zukünftige Trends, starke Nerven und ausgeprägtes Verhandlungsgeschick.

Nachgefragt bei Heinz Schweizer, Redaktionsleiter «Einkauf Film und Serien»

Welche Rolle spielen die Redaktorin und der Redaktor bei «Einkauf Film- und Serien»?

«Zu unseren Kernaufgaben gehören die Marktbeobachtung, die Selektion, die Lizenzverwaltung und der Einkauf.»

Bildlegende: «Zu unseren Kernaufgaben gehören die Marktbeobachtung, die Selektion, die Lizenzverwaltung und der Einkauf.» SRF

«‹Einkauf Film und Serien› ist eine von drei Redaktionen im Bereich ‹Fiktion› innerhalb der Abteilung ‹Kultur›. Zu den Kernaufgaben der Redaktorinnen und Redaktoren gehören die Marktbeobachtung, die Selektion, der Einkauf und die Lizenzverwaltung. Beschaffung, Bearbeitung, Programmabnahme und Archivierung von Sendematerial, Pressebetreuung sowie Überwachung der Einkaufs- und Sendebudgets sind weitere wichtige Tätigkeiten. In enger Zusammenarbeit mit dem Channel Management der Abteilung Programme sind sie auch für die Programmierung von Filmen und Serien auf den beiden Kanälen SRF 1 und SRF zwei zuständig.»

Wie gross ist der Einfluss einer Film- und Serienredaktorin oder eines Film- und Serienredaktors auf die Programmierung von Filmen und Serien?

«Wir sichten Filme und Serien aus einem riesigen Angebot und beurteilen die Tauglichkeit für die Sender von SRF.»

Bildlegende: «Wir sichten Filme und Serien aus einem riesigen Angebot und beurteilen die Tauglichkeit für die Sender von SRF.» SRF

«Der Einfluss ist sehr gross. Die Mitglieder der Redaktion sichten Filme und Serien aus einem riesigen internationalen Angebot und beurteilen die Tauglichkeit für die Sender von SRF. In der Regel sollen zwei Personen ein Programm positiv beurteilen, bevor es eingekauft wird. In der Realität lässt sich das natürlich nicht immer umsetzen. Da spielen noch viele weitere Faktoren mit. Später dann werden die eingekauften Filme und Serien – gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von der fiktionalen Planung beim Channel Management – in die uns zugeteilten Programmslots eingesetzt. Auch hier gilt es wieder, verschiedenste Faktoren und Vorgaben zu berücksichtigen.»

Wie hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren verändert?

«Wie in fast allen Bereichen des Lebens hat auch bei uns die rasante Digitalisierung zu grossen Veränderungen geführt. Mussten wir vor Jahren noch vermehrt an Festivals reisen, können heute viele Programme auf digitalen Plattformen visioniert werden. Häufig stellen Verleiher bereits einen Link zur Verfügung, bevor ein Film oder eine Serie zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Mehr denn je ist der PC-Bildschirm also auch zum Visionierungsgerät geworden. Er hat die Leinwand und den Fernseher fast abgelöst. Überhaupt verbringen wir alle einen grossen Teil unserer Zeit vor Bildschirmen, da wir auch verschiedene Datenbanken ‹füttern›. Der zunehmende digitale Workflow bei SRF verstärkt diesen Trend zusätzlich.
Nach wie vor gehört es aber zum Beruf, dass man sich für die Inhalte interessiert. Und da wird es immer spannender, speziell im Serienbereich. Vor allem europäische Serien haben in den letzten Jahren Furore gemacht. Und der Markteintritt von globalen Unternehmen wie Netflix oder Amazon hat den Ausstoss an hochwertigen Programmen erhöht, und teilweise auch neue Massstäbe gesetzt. Verändert hat sich für SRF auch das Konkurrenzumfeld. Im Inland haben in den vergangenen Jahren verschiedene private Sender den Betrieb aufgenommen. Einige davon bieten eingekaufte fiktionale Produktionen an. Das hat auf dem Markt zu Verschiebungen geführt, was direkte Folgen für Lizenzverhandlungen und die Verfügbarkeit von Programmen hat.
Aber auch das Zuschauerverhalten verändert sich, was besonders beim Konsum von Serien spürbar wird. Lange vor der Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung haben Hardcore-Fans diese Produktionen in der Originalfassung gesehen. Kurz nach dem Start sind sie auf unzähligen legalen und illegalen Plattformen stream- oder downloadbar. Bei der Erstausstrahlung im Free-TV ist dann oft auch der Presse-Hype bereits gelaufen.»

Wie sieht ein typischer Tagesablauf einer Film- und Serienredaktorin, eines Film- und Serienredaktors aus?

«Pressevisionierungen in einem Kino sind inzwischen eher die Ausnahme.»

Bildlegende: «Pressevisionierungen in einem Kino sind inzwischen eher die Ausnahme.» SRF

«Neben disponierten Terminen für Programmabnahmen oder Sitzungen können die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Redaktion ihren Tag mehr oder weniger selber gestalten. Er kann beispielsweise mit einer Pressevisionierung in einem Kino starten, was inzwischen aber eher die Ausnahme ist. Mehr Zeit wird für die Betreuung von bereits programmierten Produktionen aufgewendet, darunter für das Schreiben von Texten für Promotion, Presse und Web. Neu eingetroffenes Sendematerial wird redaktionell geprüft und registriert. Dazu kommt der tägliche Kontakt zu den Kollegen der Planung, wo laufend der Input der Einkaufsredaktion gebraucht wird. Und natürlich wird jede ‹freie› Minute für die Sichtung von neuen Programmen verwendet. Oft endet der Tag damit, dass man auch zuhause weitere Filme oder Serien sichtet, sei es aus persönlichem Interesse oder weil Termindruck besteht, um ein Programmpaket zu schnüren. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin verfügt in der Regel über spezifische Fähigkeiten oder ein spezielles Fachwissen, was bei der Bewältigung von verschiedensten Spezialaufgaben hilft.»

Welches sind die Sonnen- und Schattenseiten der Tätigkeit?

«Am Puls neuer Technologien setzen wir uns intensiv mit einer grossen Palette von Geräten und Software auseinander.»

Bildlegende: «Am Puls neuer Technologien setzen wir uns intensiv mit einer grossen Palette von Geräten und Software auseinander.» SRF

«Wenn man sich für Filme und Serien interessiert – und das ist ja erste Bedingung für diesen Job – dann gehört zur Sonnenseite sicher die Möglichkeit, sich während der Arbeitszeit solche Programme ansehen zu können, oft lange vor den Zuschauerinnen und Zuschauern. Und natürlich macht es Spass, direkten Einfluss auf das Programm von SRF zu nehmen. Spannend sind auch die internen Diskussionen über Inhalte. Ausserdem sind wir am Puls neuer Technologien und jede/jeder muss sich intensiv mit einer grossen Palette von Geräten und Software auseinandersetzen. Der letzte Punkt hat aber auch seine Schattenseiten: Die immer stärkere Abhängigkeit von Technologie und die sich rasant verändernden Standards verlangen Flexibilität, grosses Wissen und eine hohe Frustrationstoleranz. Wenig Freude bereiten uns die bei SRF häufigen Programmänderungen, sei es wegen schwer planbarem Live-Sport oder wegen Programmverschiebungen bei der ausländischen Konkurrenz. Und manchmal leiden wir auch unter den unsäglich schlechten Produktionen, vor denen wir unsere Zuschauerinnen und Zuschauer schützen dürfen.»

Welche Anforderungen müssen Interessentinnen und Interessenten mitbringen, um sich für eine Stelle zu bewerben?

«Es macht Spass, direkten Einfluss auf das Programm von SRF zu nehmen.»

Bildlegende: «Es macht Spass, direkten Einfluss auf das Programm von SRF zu nehmen.» SRF

«Für die Erfüllung dieser anspruchsvollen Aufgaben wird eine abgeschlossene Ausbildung (Spezialisierung Film von Vorteil), ein vertieftes Wissen über Filme und Serien und ausgewiesene journalistische Praxis vorausgesetzt. Die Begeisterung für ein breites Spektrum fiktionaler Programme und Kenntnisse sowohl der internationalen wie der Schweizer Filmszene sind erwünscht. Bewerberinnen und Bewerber sollten auch ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Publikums mitbringen, ein ausgezeichnetes Sprachgefühl, Sicherheit im schriftlichen und mündlichen Ausdruck in Deutsch und Englisch sowie eine Affinität für neue Medien. Ganz wichtige Kriterien sind Teamfähigkeit, Selbständigkeit und Flexibilität.»

Welche beruflichen Perspektiven offenbaren sich der Film- und Serienredaktorin und dem Film- und Serienredaktor?

«Unsere Redaktion produziert keine eigenen Sendungen. Unser oft über viele Jahre erworbenes Fachwissen ist in anderen TV-Redaktionen nur bedingt einsetzbar. In dieser Hinsicht ist man also in einer Art Sackgasse. Ein Wechsel ins Channel Management zu den fiktionalen Planern wäre denkbar. Aber auch innerhalb der vielseitigen Abteilung Kultur gibt es immer wieder spannende Jobs.»

Überblick

Aufgabengebiet
• Beobachtung des internationalen Film- und Serienmarktes
• Sichtung von Programmevaluation
• Verfassen von Visionierungsberichten
• Betreuung von verschiedenen Verleihern/Lizenzgebern
• Datenerfassung für den Einkauf und die Programmierung
• Kontrolle und Programmabnahme von Sendematerial
• Schreiben unterschiedlicher komplexer Texte zur Programmpromotion
• Erstellen von Lizenzlisten zur Programmverwaltung
• Betreuung von Genres und Sendeplätzen
• Planung der eingekauften Filme und Serien in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen der fiktionalen Planung beim Channel Management (Programmleitung TV)
• Verantwortung für diverse Spezialaufgaben

Voraussetzungen für Anstellung

Sehr wichtig
• Filmspezifisches Interesse und Wissen
• Hohe Schreibkompetenz
• Teamfähigkeit
• Sicherer Umgang mit Informatik und deren Anwendungen

Wichtig
• Fremdsprachenkenntnisse

Wünschenswert
• Studium der Filmwissenschaft und/oder Erfahrung im Filmjournalismus

Ausbildung bei SRF
• Berufsspezifische interne und externe Weiterbildungen und Workshops