Berufsporträt Redaktor/in Information

Stets am Puls des Geschehens sein, einen Riecher haben für News und einen kühlen Kopf bewahren.

Urs Leuthard, Redaktionsleiter «Tagesschau»

Urs Leuthard, Redaktionsleiter «Tagesschau»: «Die Redaktorinnen und Redaktoren tragen mit ihrer Arbeit eine Sendung.»

Bildlegende: Urs Leuthard, Redaktionsleiter «Tagesschau»: «Die Redaktorinnen und Redaktoren tragen mit ihrer Arbeit eine Sendung.» SRF

Welche Rolle spielt die Informationsredaktorin, der Informationsredaktor in der Redaktion der «Tagesschau»?

«Alle, die hier arbeiten – mit wenigen Ausnahmen – sind als Redaktorinnen und Redaktoren tätig. Sie tragen mit ihrer Arbeit eine Sendung und sind für deren Erfolg verantwortlich. Konkret: Sie machen Beiträge, Nachrichten oder arbeiten an Sonderprojekten mit.»

Wie gross ist der Einfluss einer Informationsredaktorin und eines Informationsredaktors auf den Inhalt einer Sendung?

«Der ist relativ gross. An den Redaktionssitzungen geben Redaktorinnen und Redaktoren Inputs. Man hat etwas am Morgen in der Zeitung gelesen, am Radio gehört oder über Bekannte oder Informanten vernommen. Auch via Agenturen treffen Nachrichten aus der Schweiz und aus aller Welt bei uns ein. Die Inputs werden im Redaktionsgremium besprochen, gewichtet und genehmigt oder verworfen. Es können auch Themen vorgeschlagen werden, die nicht an die Tagesaktualität gebunden sind und vielleicht etwas mehr Recherchearbeit erfordern. Es geht um das Vertiefen von Informationen, das Erarbeiten von Hintergründen, das Erschliessen von speziellen Zugängen. Ausgangspunkt ist oft eine Geschichte, die früher mal in der Aktualität eine Rolle gespielt hat und jetzt wieder aufgenommen wird.»

«Wir müssen heute auch mehr gewichten, Zusammenhänge erklären, analysieren, damit die Zuschauer in der Nachrichten-Flut die Übersicht behalten können.»

Bildlegende: «Wir müssen heute auch mehr gewichten, Zusammenhänge erklären, analysieren, damit die Zuschauer in der Nachrichten-Fl... SRF

Wie hat sich das Berufsbild in den letzten Jahren verändert?

«Das Nachrichtengeschäft ist – sicher auch bedingt durch die Konkurrenz der Online-Medien – schnelllebiger geworden. Es gibt immer mehr Nachrichten, die Aktualität einer Nachricht nimmt dementsprechend rasant ab. Heute besteht der Anspruch, Themen aufzuspüren und eigenständige Geschichten daraus zu machen. Es ist nicht mehr nur die reine Berichterstattung über Ereignisse, die unseren Arbeitsalltag bestimmt. Wir müssen heute auch mehr gewichten, Zusammenhänge erklären, analysieren, damit die Zuschauer in der Nachrichten-Flut die Übersicht behalten können. Auch die Arbeitsweise hat sich geändert; der journalistische Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodell. Eine Sendung zu machen ist in erster Linie Teamarbeit.»

«Manchmal gibt es Themen, die Pflichtstoff, die zwingend sind, manchmal muss man diese auch suchen.»

Bildlegende: «Manchmal gibt es Themen, die Pflichtstoff, die zwingend sind, manchmal muss man diese auch suchen.» SRF

Wie sieht ein typischer Tagesablauf eines Informationsredaktors aus?

«Für die Aktualitätsreporterinnen und -reporter gibt es am Morgen eine Besprechung mit dem Produzenten über das tagesaktuelle Geschehen und die möglichen Inhalte der Sendung. Manchmal gibt es Themen, die Pflichtstoff, die zwingend sind, manchmal muss man diese auch suchen. Danach folgt die Recherchephase. Zusammen mit einer Kameraequipe begibt man sich dann nach draussen für den Dreh und für Interviews. Allenfalls organisiert man weitere Interviewpartner. So gegen 16 Uhr kommen die Redaktorinnen und Redaktoren mit dem Rohmaterial zurück, um dieses zu schneiden und zu vertonen. Während dem Schnitt des Beitrags schreiben sie den Off-Text. Ist der Beitrag fertig, wird er von der zuständigen Produzentin oder vom zuständigen Produzenten abgenommen. Dies ist der klassische Tagesablauf. Es gibt auch Tage, deren Rhythmus durch überraschend eintreffende Tagesaktualitäten bestimmt wird.»

«Jeder Beitrag muss von Null auf konzipiert und realisiert werden.»

Bildlegende: «Jeder Beitrag muss von Null auf konzipiert und realisiert werden.» SRF

Welches sind die Sonnen- und Schattenseiten der Tätigkeit?

«Am Morgen kann man nie sagen, was der Tag bringen wird. Diese Überraschungsmomente und die Vielfalt der Arbeit machen die Faszination dieses Berufes aus. In kurzer Zeit muss man sich in ein Thema einarbeiten. Man lernt spannende Menschen kennen – solche, die Macht und Einfluss haben, aber auch ganz normale Leute, die oft nicht weniger interessant sind. In der Aktualität zu arbeiten, ist auf ein paar Jahre hinaus gesehen ein harter Job. Jeder Beitrag muss von Null auf konzipiert und realisiert werden. Man ist immer wieder neu gefordert. Die Arbeit wird von der Zeit diktiert. Dies kann auf Dauer zu Stress führen. Wichtig ist auch, dass man eine breite Allgemeinbildung hat, dass man neugierig und unvoreingenommen ist und dass man gelernt hat, sich schnell in neuen Stoff einzuarbeiten.»

Welche Anforderungen müssen Interessentinnen und Interessenten mitbringen, um sich für eine Stelle zu bewerben?

«Interesse für das soziale, politische und wirtschaftliche Geschehen ist wesentliche Voraussetzung für die Ausübung dieser Tätigkeit. Es braucht offene Ohren, offene Augen und Sensibilität für spannende Geschichten. Man soll Themen erfassen und gewichten können und ein Sensorium für die Zuschauerinteressen haben.»

«Ein Journalist bleibt grundsätzlich Journalist.»

Bildlegende: «Ein Journalist bleibt grundsätzlich Journalist.» SRF

Welche beruflichen Perspektiven offenbaren sich der Informationsredaktorin, dem Informationsredaktor?

«Langjährige Mitarbeitende mit entsprechender Erfahrung können Produzentin oder Produzenten werden. Doch: Ein Journalist bleibt grundsätzlich Journalist. Die flache Hierarchie ist für die Arbeitsweise durchaus positiv, bringt aber den Nachteil mit sich, dass die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt sind. Eine wichtige Phase in einem Journalistenleben kann auch eine Korrespondententätigkeit im In- oder Ausland sein. Und wir befürworten den Austausch zwischen den Redaktionen.»

Überblick

Aufgabengebiet
• Recherchieren
• Beiträge realisieren; Texten und Produktionsprozess begleiten (Schnitt, Vertonung, Endabnahme)

Voraussetzungen für Anstellung
• Gute Allgemeinbildung
• Erfahrung im internationalen, nationalen oder regionalen Informationsjournalismus
• Berufslehre, abgeschlossenes Studium oder Hochschulabschluss

Sehr wichtig
• Flair fürs Erzählen, Bild und Tongestaltung
• Visueller Mensch
• Konzeptionelles Denken, Dramaturgie entwickeln
• Allgemeinwissen
• Fremdsprachenkenntnisse
• Teamfähigkeit
• Textsicherheit

Wichtig
• Stressresistenz, Belastbarkeit

Wünschenswert
• Fachliche Kenntnisse (z.B. Medizin, Wirtschaft, Politik)
• Umgang mit der Kamera (VJ)
• Fernseh- oder Radioerfahrung

Ausbildung bei SRF
• Eineinhalbjähriges Stage (für Mitarbeitende mit wenig journalistischer Erfahrung)
• Journalistische Standards
• Medienrecht
• Videogrundkurs 1 + 2 (Handwerk u. Beitragsformen)
• Kamera-Grundkurs
• Interview-Grundkurs
• Nachrichten-Grundkurs
• Recherche-Grundkurs
• Rhetorische Kommunikation
• Spreche statt Schreibe
• Sprechtexten zum Bild