«Für mich ging ein Kindheitstraum in Erfüllung»

Frank Rühli hat Ötzi und Tutanchamun untersucht und ist seitdem fast ebenso berühmt wie die beiden Mumien. An der Universität Zürich erforscht er, was man aus Skeletten und Mumien für die heutige Medizin lernen kann. Wie man zu wissenschaftlichem Erfolg kommt, verrät er im Fragebogen.

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Ernähren wie die Steinzeitmenschen? Frank Rühli im Interview

6:52 min, vom 13.10.2013

Ein guter Forscher würde nie …

unethisch forschen.

Zum Mumienforscher gemacht hat mich …

ein inneres Interesse, das schon ganz früh anfing. Schon mit ungefähr zehn Jahren konnte ich mit meiner Familie nach Ägypten reisen und ich fand es faszinierend. Dann habe ich Medizin studiert und mache nun mit der Mumienforschung genau die Schnittmenge aus Medizin und Archäologie.

Mein aufregendstes Forschungsprojekt …

war, als ich als Gutachter helfen durfte, die Todesursache von Pharao Tutanchamun zu bestimmen. Da ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung – bis heute ist das für mich persönlich die Krönung meiner Forscherlaufbahn.

Den Forschungsplatz Schweiz finde ich …

grandios und unterstützenswert.

Meine grösste Enttäuschung …

war die Erkenntnis, dass oft Geld und Neid die Welt regiert. Auch in der Forschung. Es enttäuscht mich immer wieder, wenn Forscher sich den Erfolg neiden.

Auf neue Ideen komme ich am besten …

im Flugzeug! Da ist man mal so richtig schön abgekapselt und hat Ruhe, nachzudenken. Vor zwei Jahren hatte ich auf einem Flug nach Singapur Ideen wie die evolutionäre Medizin in die Lehre aufzunehmen sei. Am Ende des Flugs stand das Konzept. Heute ist das Fach im Lehrplan enthalten.

Das wichtigste Buch für meinen Werdegang ist …

Es tönt trivial, aber es ist «Goethes Faust» – eines der Werke, die ich schon mehrmals gelesen habe. Was mich fasziniert ist die Einfachheit der menschlichen Seele Fausts, der, obwohl er studiert ist, ganz einfache Wünsche und Bedürfnisse hat, die dem hochtrabenden, differenzierten Wissenschaftler irgendwie gegenüber stehen. Auch all die Zitate, die aus diesem Buch kommen und die jeder kennt: «Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin studiert...» Das ist doch toll.

Jungen Forschern in der Schweiz empfehle ich …

hart zu arbeiten und viel Leidenschaft. Die innere Leidenschaft muss man einfach haben, aber nur die bringt einen auch nicht weiter. Sehr vereinfacht gesagt: Zum Schluss kommt oft der am Weitesten, der am Abend eine Stunde länger bleibt als seine Konkurrenten.

Die grösste Herausforderung für Ihren Forschungszweig wird in den nächsten 20 Jahre sein …

dass wertvolle Forschungsobjekte und Ausgrabungsstätten nicht zerstört werden. Zum Beispiel in Ägypten, wo man von all den Raubgrabungen liest. Ich denke beispielsweise an den Tahir-Platz, der gerade einmal ein paar Meter vom Ägyptischen Museum entfernt ist. Das ist wie eine Zeitbombe! Immer mehr Ausgrabungsstätten werden geplündert, eine Folge der nicht vorhandenen Staatsgewalt.

Wenn ich nicht mehr Forscher sein könnte, würde ich …

in die Wissenschaftskommunikation gehen, da wäre ich der Forschung geistig noch verbunden. Aber mir macht Kommunikation an sich auch Spass. Wie kommuniziere ich in einem Boulevardblatt im Vergleich zu einer Fachzeitschrift? Wie Sprache wirkt, welche Macht sie hat, das finde ich spannend.

Der überflüssigste Forschungszweig ist …

grundsätzlich wohl keiner. Forschen bringt oft unerwartete Ergebnisse.

Sendehinweis

Das Steinzeitrezept – Wie wir Zivilisationskrankheiten besiegen: Sonntag, 13. Oktober um 16:15 Uhr auf SRF 1. Im Anschluss Interview mit Frank Rühli.

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