Martin Vetterli, Präsident des Forschungsrates

Seit Anfang des Jahres präsidiert er den Forschungsrat des Schweizerischen Nationalfonds und entscheidet über Schwerpunkte der Wissenschaft. Zuvor befasste Martin Vetterli sich mit Elektrotechnik, Informatik und mobiler Kommunikation. Was er jungen Forschern rät, sagt er in unserem Fragebogen.

Vetterli ist der neuen Präsident des Nationalen Forschungsrates. 1996 wurde ihm der Nationale Latsis-Preis verliehen.

Bildlegende: Wissenschaftler mit Resultaten: Vetterlis Arbeit hat zu etwa zwei Dutzend Patenten geführt. 1996 wurde ihm der Nationale Latsis-Preis verliehen. Keystone

Vom Assistenten an der Columbia University in New York bis zum Präsidenten des Nationalen Forschungsrats beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF): Martin Vetterli, Jahrgang 1957, hat nicht nur als Elektrotechnik-Ingenieur und Experte für Computertechnologie vielfältige Erfahrungen  gesammelt, sondern auch in der Wissenschaftspolitik.

Nach Tätigkeiten als Professor in New York und Kalifornien kehrte er 1995 an die ETH Lausanne zurück. Von 2004 bis 2011 amtierte er dort als Vizepräsident. Zudem leitete er den Nationalen Forschungssschwerpunkt «Mobile Informations- und Kommunikationssysteme». Seine Erfahrungen prägen auch seine Antworten in unserem Fragebogen:

Ein guter Forscher würde nie ...

Fliessbandforschung betreiben. Damit meine ich eine blosse Ansammlung von Fakten und Details, ohne das Gesamtbild zu sehen.

Zum Forscher gemacht haben mich …

hervorragende Lehrer und Vorbilder, wie zum Beispiel mein damaliger Geschichtslehrer im Gymnasium oder mein Doktorvater an der ETH Lausanne.

Den Forschungsplatz Schweiz finde ich …

grossartig! Es existiert in der Schweiz ein sehr grosses Engagement für Lehre und Forschung. Und wir sollten alle dazu beitragen, dass dies so bleibt.

Mein grösster Erfolg …

sind meine Doktoranden, die danach eine grosse Karriere machen, sei dies als Wissenschaftler, Unternehmer oder was auch immer sie danach machen.

Meine grösste Niederlage ist, …

dass ich immer noch nicht mit fünf Bällen jonglieren kann.

Auf neue Ideen komme ich am besten …

beim Wandern in den Bergen.

Das wichtigste Buch für meinen Werdegang ist …

C.E. Shannons «The Mathematical Theory of Communication». Dieses Buch legte den Grundstein für die digitale Welt, in der wir heute leben.

Jungen Forschern in der Schweiz empfehle ich:

Seid mutig! Geht Risiken ein, um das zu tun, was Euch am meisten Spass macht.

Die grösste Herausforderung der nächsten 20 Jahre für meinen Forschungszweig wird sein ...

der Umgang mit exponentiell wachsenden Datenmengen aus allen möglichen Quellen, wie zum Beispiel aus sozialen Netzwerken oder aus den Neurowissenschaften. Und wie wir daraus sinnvolle Aussagen machen können.

Wenn ich nicht mehr Forscher sein könnte, würde ich …

Schriftsteller. Am liebsten von Sachbüchern über die Wissenschaft oder von Kurzgeschichten.

Der überflüssigste Forschungszweig ist ...

schwierig zu sagen ... Da müsste ich zuerst Forschung über Forschung betreiben, um eine sinnvolle Aussage machen zu können.