Peter Huggenberger, Erforscher des Rheingrabens

Es sind die tiefen Einblicke ins Erdinnere, die den Geologen Peter Huggenberger faszinieren. Im Rahmen des EU-Projekts GeORG visualisierte er unterirdische Gesteinsstrukturen in einem 3-D-Computermodell. Was die Wissenschaft und die Champions League gemeinsam haben, verrät er in unserem Fragebogen.

Peter Huggenberger

Bildlegende: Blick in den Rheingraben: Für das EU-Projekt GeORG hat Peter Huggenberger ein dreidimensionales Computermodell mitentwickelt. srf

Peter Huggenberger interessiert, was unter der Oberfläche geschieht – bei seiner Arbeit als Geologe und im wissenschaftlichen Betrieb. Er leitet die Forschungsgruppe Angewandte und Umweltgeologie an der Universität Basel. Mit seiner Arbeitsgruppe half er, ein 3-D-Computermodell der geologischen Strukturen des Rheingrabens zu visualisieren. Das Ziel: eine Grundlage zu schaffen, um Potenziale und Gefahren für unterirdische Bauvorhaben oder Bohrungen richtig einzuschätzen.

Nach seinem Geologie-Studium an der ETH Zürich liess sich Huggenberger an der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz Eawag für seine Karriere als Forscher inspirieren. Seine langjährige Erfahrung als Geologe spiegelt sich auch in seinen Antworten in unserem Fragebogen wider:

Ein guter Forscher würde nie ...

nie sagen. Und ausserdem würde er nie vergessen, dass es das Gesetz der Massenerhaltung im Umweltbereich gibt. Ich denke beispielsweise an die Deponien oder an neue Produkte, wo kaum daran gedacht wird, was mit diesen Produkten passiert, wenn sie in die Umwelt gelangen oder nicht mehr gebraucht werden.

Zum Forscher gemacht hat mich ...

das stimulierende Umfeld der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz Eawag, mit all den Forschern aus unterschiedlichen Fachbereichen und der Möglichkeit, sich mit vielen eigenen Ideen und Projekten einbringen zu können.

Den Forschungsplatz Schweiz finde ich ...

einen Ort mit grossen Möglichkeiten. Auch im Vergleich zu anderen Ländern. Es braucht aber einige Kenntnisse, wie das System funktioniert. Ein gutes Netzwerk kann sicher nützlich sein.

Mein grösster Erfolg ...

ist, wenn ich zurückschaue, sicherlich, dass es mir gelungen ist, mit Drittmitteln eine kompetente Forschungsgruppe im Bereich der Urbanen Geologie – der Hydrogeologie – aufzubauen, und ein auch internationales Netzwerk. Dieses ermöglicht viele Projektkooperationen.

Meine grösste Niederlage ...

Das klingt sehr sportlich. Ich denke, Wissenschaft sollte nichts mit der Champions League zu tun haben, obwohl es solche Tendenzen gibt. Ich würde eher von Enttäuschungen sprechen. Das waren sicher 2006 die Ereignisse um die Geothermie-Bohrungen in Basel, das künstlich erzeugte Erdbeben. Das war einschneidend und eine grosse Enttäuschung im menschlichen Bereich, bei der Bewältigung dieser Ereignisse und weil damals nicht gehört wurde, dass wir zuvor schon auf mögliche Folgen bei der Injektion von Wasser in den Untergrund aufmerksam gemacht hatten.

Auf neue Ideen komme ich am besten ...

während intensiven Projektphasen, die führen regelmässig zu neuen Ideen. Und dann am besten beim Fahrradfahren, Wandern oder Spazieren.

Das wichtigste Buch für meinen Werdegang ist ...

Es wurden in der Literatur so viele Gedanken formuliert und so viele Impulse. Da fällt es nicht leicht, das eine Buch anzugeben. Wichtig für mich ist sicher Paul Feyerabends «Irrwege der Vernunft». Darin werden grundsätzliche Fragen zu unserem Kulturverständnis oder der Vielfalt an möglichen Kulturen aufgeworfen, auch die Frage «Was garantiert uns, dass wir das Resultat vom Weg abtrennen können?»

Jungen Forschern in der Schweiz empfehle ich ...

ein gutes Fundament zu erlangen. Aber es braucht auch ein kreatives Umfeld und dort den Mut, auch mal etwas auszuprobieren.

Wenn ich nicht mehr Forscher sein könnte, würde ich ...

die Welt bestimmt noch immer als Forscher anschauen. Das Muster, wie man die Welt sieht, bleibt vermutlich unabhängig von der Tätigkeit.

Der überflüssigste Forschungszweig ist ...

wahrscheinlich die Arbeit mit Fragebögen. Es gibt so viele Ratings für die Kontrolle und den Vergleich in der Wissenschaft. Was bringt es, immer nur zu gucken, was andere tun? Wissenschaftsratings sind wie die Champions League, inklusive Einkauf von «Star-Wissenschaftern». Das heisst noch nicht, dass das Spiel dann immer gut wird.

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