Überflüssige Forschung? «Das Verbessern der Kriegsmaschinerie»

Wie hängen Energie, Krieg und Frieden zusammen? Die geostrategischen Überlegungen hinter Konflikten und welche Rolle alternative Energien für den Frieden spielen, daran forscht Daniele Ganser. Warum die ETH einst sein E-Mail-Konto abstellte, erzählt er im Fragebogen.

Daniele Ganser an seinem Schreibtisch

Bildlegende: Streitbarer Geist: Daniele Ganser (Jahrgang 1972) kämpft für die Energiewende. Lucian Hunziker

«Energie und Frieden sind vernetzt», sagt Daniele Ganser, Leiter von Siper, dem Swiss Institute for Peace and Energy Research in Basel. Er setzt sich dafür ein, dass auch politisch sensible Themen offen diskutiert und hinterfragt werden, gerade in seinem Forschungsbereich Energie, Terror und Krieg. Sein Ziel: «Zumindest einen Teil der Lügen und der Brutalität zu überwinden, die unsere Welt noch immer prägen.»

Daniele Ganser scheut keine Kontroversen. 2011 erregte der Historiker Aufmerksamkeit, weil er den «9/11 Commission Report» zu den Einstürzen des World Trade Center (WTC) am 11. September 2001 anzweifelte, insbesondere weil ein drittes damals zusammengestürztes Hochhaus, das WTC7, im Bericht nicht erwähnt wurde.

Herr Ganser, ein guter Forscher würde nie ...

Daniele Ganser: ... die Wahrheit ignorieren und seine Forschungsresultate verändern. Auch dann nicht, wenn die Machtstrukturen an der Universität, in der Politik oder in den Medien ihn dazu drängen.

Zum Forscher gemacht hat mich ...

mein erstes Buch zur Kubakrise, das den Konflikt zwischen den USA, Kuba und der Sowjetunion ausleuchtet. Das hat mein Interesse an verdeckter Kriegsführung und  Geostrategie entfacht. Der Blick hinter die Kulissen fasziniert mich.

Den Forschungsplatz Schweiz finde ich ...

wunderbar, weil man hier als Historiker und Friedensforscher frei forschen kann –  ausser zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die weiterhin ein Tabubereich sind.

Mein grösster Erfolg ...

war meine Doktorarbeit zum Thema NATO-Geheimarmeen und inszenierter Terrorismus, die in zehn Sprachen übersetzt und auf Deutsch mehr als 10'000 mal verkauft wurde.

Meine grösste Niederlage ...

war, als mir die ETH mein E-Mail-Konto abstellte, nachdem ich in den Medien kritische Fragen zu den Terroranschlägen vom 11. September und WTC7 gestellt hatte. Plötzlich war ich abgeschnitten von der Welt, ohne Zugang zu meinen E-Mails und internationalen Kontakten. Das war ein Schock.

Auf neue Ideen komme ich am besten ...

in der Natur. Im wunderschönen Engadin habe ich im Fextal oberhalb vom Silsersee Bücher gelesen und Bücher geschrieben.

Das wichtigste Buch für meinen Werdegang ist ...

 «Was Onkel Sam wirklich will» vom Amerikaner Noam Chomsky, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Imperium USA, das ich als junger Geschichtsstudent an der Universität Basel gelesen habe.

Jungen Forschern in der Schweiz empfehle ich ...

 ... mutig zu sein und den eigenen Weg zu gehen.

Die grösste Herausforderung für mein Forschungsfeld in den nächsten 20 Jahren ...

wird die Energiewende sein, also die Frage, wie die Umstellung von den nicht erneuerbaren Energieträgern Erdöl, Erdgas, Kohle und Atom auf die erneuerbaren Energieträger Wasser, Sonne, Wind, Erdwärme, Biomasse, Biogas in Kombination mit Effizienz gelingen kann.

Wenn ich nicht mehr Forscher sein könnte ...

würde ich eine Weltreise machen.

Der überflüssigste Forschungszweig ...

ist das stetige Verbessern der Kriegsmaschinerie, die schon heute mit den ABC-Waffen und den unbemannten aber bewaffneten Drohnen sehr tödlich ist. Wichtiger scheint mir die Friedensforschung, um zu erkennen, ob und wie wir Konflikte ohne Gewalt lösen könnten.

Daniele Ganser im «Horizonte»-Interview

Video «Gas-Monopoly» abspielen

Wie umgehen mit der Erdgas-Abhängigkeit in der Schweiz?

2:23 min, vom 30.5.2013

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