Zum Inhalt springen

Header

Audio
Affenpocken beschäftigen Gesundheitsbehörden in Europa
Aus Echo der Zeit vom 22.06.2022.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 55 Sekunden.
Inhalt

Aktuelle Lage Affenpocken sind sexuell übertragbar – aber nicht nur

Fälle von Affenpocken ausserhalb Afrikas nehmen zu, zurzeit vor allem bei homosexuellen Männern. Auch Schweizer sind betroffen.

Fieber, geschwollene Lymphknoten, Bläschen, die an Windpocken erinnern – oder auch an das frühe Stadium einer Syphilis. Dominique Braun, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, hat in seiner Sprechstunde schon diverse Patienten behandelt, die sich mit dem Affenpockenvirus infiziert haben. «Diese Hautläsionen können überall am Körper verteilt sein», sagt er, «typischerweise findet man sie bei den jetzigen Fällen in der Intimregion.» Mit einem Abstrich an den Bläschen lasse sich eine Infektion innerhalb weniger Stunden diagnostizieren.

Leichte Zunahme in der Schweiz

Weltweit sind in diesem Jahr inzwischen fast 5000 Affenpocken-Infektionen bei Menschen gemeldet worden. In mehr als 40 Ländern ausserhalb Afrikas, in denen Affenpocken bis Mai praktisch unbekannt waren, waren es 3308 Fälle, wie aus Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC hervorgeht. In der Schweiz sind gemäss Angaben des Bundesamts für Gesundheit BAG 52 Fälle bestätigt.

Tagung der WHO – «gesundheitliche Notlage»?

Box aufklappen Box zuklappen

Seit Anfang Mai sind in vielen westlichen Ländern Fälle von sogenannten Affenpocken aufgetaucht. Das Virus kommt normalerweise nur in Zentral- und Westafrika vor, nun verbreitet es sich zunehmend auch in anderen Ländern.

Ein Notfallausschuss der Weltgesundheitsorganisation tagt heute, Donnerstag, zur Frage, ob es sich bei der derzeitigen Verbreitung der Affenpocken in nicht-endemischen Ländern um eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» handelt.

Ausserdem will die WHO das Virus umbenennen. Die jetzige Bezeichnung sei diskriminierend und entspreche nicht den WHO-Richtlinien. Demnach dürfen Erreger weder Tiere noch geografische Namen tragen.

Im Fokus der Gesundheitsbehörden ist dabei die sogenannte «MSM Community» – Männer, die Sex mit Männern haben. Der jüngste Ausbruch von Affenpocken betreffe ausschliesslich diese Gruppe, meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Tendenz ist steigend – auch in der Schweiz.

«Ja, wir sehen eine leichte Zunahme in den letzten Tagen», sagt Benjamin Hampel, Infektiologe und medizinischer Leiter von Checkpoint Zürich. Das ist die grösste Anlaufstelle für sexuelle Gesundheit für schwule Männer und Transpersonen in der Schweiz.

«Die Fälle, die wir hier bisher gesehen haben, waren relativ leicht, das heisst, es musste niemand hospitalisiert werden, und niemand war von starken Hautausschlägen entstellt.»

Doch er habe auch von schweren Verläufen gehört, sagt Benjamin Hampel. Und auch in sozialer Hinsicht sei die Krankheit nicht ganz harmlos. Patienten müssen sich isolieren, zwei bis drei Wochen oder noch länger. Das bedeutet: «Viele Betroffene haben Angst vor einem Outing.» Es könne problematisch sein, wenn beispielsweise ein konservativer Arbeitgeber höre, das Affenpocken-Virus treffe vor allem schwule Männer.

Auch durch engen Körperkontakt übertragbar

Ob aber Infektionen auf diese Gruppe beschränkt bleiben, ist fraglich: «Das Virus hält sich nicht an die sexuelle Orientierung», sagt Dominique Braun vom Unispital Zürich, «das heisst es ist durchaus denkbar, dass das Virus auf andere Gruppen übertragen wird, wenn eine entsprechende Exposition stattgefunden hat.»

Checkpoint-Leiter Benjamin Hampel ergänzt: «Affenpocken werden nicht nur sexuell übertragen, sondern auch durch engen Körperkontakt.» An den Pride-Festivals, Konzerten und anderen Sommerfestivitäten habe das Virus ideale Bedingungen, sich weiter auszubreiten. Das sei einfach Pech, so Hampel, «denn sonst ist das Affenpockenvirus sehr schwer übertragbar.»

Impfempfehlung dürfte kommen

Die gute Nachricht ist: Anders als bei Corona kann man andere mit Affenpocken nur infizieren, wenn man selber Symptome hat. Ausserdem gibt es einen Impfstoff, der zu 85 Prozent gegen eine Infektion schützt. In anderen Ländern, beispielsweise in Deutschland, wird dieser Impfstoff der MSM Community bereits empfohlen.

In der Schweiz dürfte die Eidgenössische Impfkommission EKIF mit einer Impfempfehlung bald nachziehen. Diese ist Teil einer Massnahmenstrategie, welche das BAG zurzeit erarbeitet.

Echo der Zeit, 22.06.2022, 18:00 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen