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CO2-Ausstoss Schifffahrt – das schmutzigste Gewerbe der Welt

Keine andere Branche verschmutzt die Atmosphäre so stark wie die Hochseeschifffahrt. Nun wird die weltweite Flotte mit neuen Bestimmungen zum ökologischen Umdenken gezwungen.

So viel wie 750 Millionen Autos

Legende: Die «MSC Oscar», hier in in Wilhelmshaven (Niedersachsen) festgemacht, ist das weltgrösste Containerschiff. Keystone

Containerschiffe, Öltanker, Frachter, Kreuzfahrtschiffe laufen mit billigstem, schwerem Dieselöl; dem giftigsten Treibstoff, der überhaupt erhältlich ist. Allein die fünfzehn grössten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, errechnete der Naturschutzbund Deutschland in einer Studie. Die Weltflotte von rund 90'000 Schiffen verbrennt etwa 370 Millionen Tonnen Treibstoff pro Jahr und pustet 20 Millionen Tonnen Schwefeloxid in die Luft.

49 Schiffe unter Schweizer Flagge

Legende: Im Hafen von Oakland wird ein Containerschiff entladen. Keystone

Die Schweizer Flotte mit 49 Schiffen steht nicht besser da. Gemäss Auskünften aus dem Schweizerischen Seeschifffahrtsamt SSA trage auch die Schweiz «anteilsmässig» zum globalen Schadstoffausstoss bei. Rechnerisch sind das rund 201‘000 Tonnen Schadstoffe pro Jahr. Aufgrund der modernen Flotte sei jedoch «der verhältnismässige Anteil geringer als bei anderen Flotten; das Durchschnittsalter der schweizerischen Schiffe beträgt rund acht Jahre», schreibt das SSA.

Verdreifachung und Krise

Legende: Lange stieg der Rauminhalt der Containerschiffe. Seit ein paar Jahren steckt die Branche jedoch in der Krise. Keystone

Allein zwischen 2000 und 2009 hat sich die Tonnage der Containerschiffe auf hoher See verdreifacht. Die Finanzkrise hat dieses Wachstum abrupt gestoppt. Heute befinde sich die Branche in der «grössten Krise seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71», schreibt die «Deutsche Schifffahrts-Zeitung». Containerschiffe, die früher zu einer Tagesreede von 25‘000 Dollar zu haben waren, kosten heute gerade mal 4000 Dollar. Schiffe werden stillgelegt, abgewrackt, manche Reederei ging bankrott. In der Schweiz muss die Eidgenossenschaft für ihre Flotte Bürgschaften in Millionenhöhe zahlen, erstmals in der Geschichte.

30 Prozent weniger CO2 bis 2025

Legende: Voll beladen: Ein Containerschiff verlässt den Tianjin Hafen in China. Keystone

Die International Maritime Organization, eine Unterorganisation der UNO, hat für die weltweite Flotte strenge Ziele festgelegt, nach langwierigen Verhandlungen. Sie sehen vor, dass neue Schiffe mit umweltschonenden Technologien ausgerüstet werden müssen, bestehende werden teilweise nachgerüstet, und insgesamt soll die Flotte bis 2025 bis zu 30 Prozent weniger CO2 ausstossen. Das erhöht die Chance, dass neue Technologien, wie etwa Gasmotoren, hochtechnisierte Segelsysteme oder Flettner-Rotoren zum Einsatz kommen werden.

Neuartige Hafensysteme, etwa in Hamburg

Legende: Der Containerfrachter «Hamburg Bridge» beim Anlegen an den Containerterminal Tollerort im Hafen von Hamburg. Keystone

Im Hamburger Hafen werden pro Jahr 8,8 Millionen Container umgeschlagen, ihr Entladen und ihr Weitertransport verursacht viele Emissionen. Die Stadt Hamburg aber will die CO2-Emissionen deutlich senken und möchte Energie vor allem aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Deshalb wurde ein Teil des Hafens nun ganz auf elektrische Fahrzeuge, umgestellt. Sie fahren autonom, laden sich selbständig auf; die Anlage ist vorbildhaft für andere Häfen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 28.2.2017, 9:00 Uhr.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Dreckschleudern, volle Kraft voraus! Der Widerstand der Schiffsbetreiber gegen Öko-Auflagen so zäh wie das klumpige Schweröl, das sie als Treibstoff verwenden. Gut 90 Prozent des globalen Handels werden über etwa 45 000 Handelsschiffe abgewickelt. Diese Frachter tragen erheblich zur Umweltverschmutzung bei, weil sie meist mit hoch belastetem Schweröl fahren. Schiffsabgase verursachen in Europa jedes Jahr 27 000 vorzeitige Todesfälle, hat die Weltgesundheitsorganisation ermittelt.
  • Kommentar von Vincent Böhm  (V.Böhm)
    Ein sehr spannender Artikel. Es kommt noch zu wenig heraus wie viel die CH bezahlen muss für diese Schiffe, für welche sie bürgt. Und Deutschland zeigt wieder einmal wie ernst es ihnen ist mit dem Klimaziel. Beeindruckend, da werden mir die Deutschen ja gleich sympathischer :)
  • Kommentar von marc rist  (mcrist)
    Da wurde der Bevölkerung also jahrzehntelang eingetrichtert wie preiswert, vorteilhaft und nicht zuletzt ökologisch bedenkenlos sich der Welthandel gestaltet, insbesondere der Transport auf dem Wasserweg. Und jetzt das! Selbstverständlich waren diese Kennzahlen vor zehn oder zwanzig Jahren noch vollkommen unbekannt...