Ein Preis für Hoffnungs-Macher

Erstmals hat ein Schweizer den Alternativen Nobelpreis bekommen. Der Agrarforscher Hans Rudolf Herren wird ausgezeichnet für seinen Einsatz gegen Hunger und Armut. Mit dem Nobelpreis hat dieser Preis nichts zu tun – in seiner Tradition steht er trotzdem.

Jakob von Uexküll übergibt Krishnammal Jagannathan die Urkunde.

Bildlegende: Jakob von Uexküll verleiht den Alternativen Nobelpreis: 2008 ging er auch an die Inderin Krishnammal Jagannathan, die sich bis heute für Ghandis Visionen einsetzt. Reuters

Hans Rudolf Herren ist ein Experte für nachhaltige Landwirtschaft und Pionier der biologischen Schädlingsbekämpfung. Den Alternativen Nobelpreis gewinnt er, weil er «mit wissenschaftlicher Kompetenz und bahnbrechender praktischer Arbeit einer gesunden, sicheren und nachhaltigen globalen Nahrungsversorgung den Weg bahnt».

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Schweizer erhält alternativen Nobelpreis

1:03 min, aus Tagesschau am Mittag vom 26.9.2013

Damit hat die Jury des Alternativen Nobelpreises – dem Right Livelihood Award – ganz im Sinne des Preisgründers Jakob von Uexküll entschieden. Der ist von der Armut und Umweltzerstörung schockiert, die er in den 70er-Jahren auf seinen Reisen um die Welt antrifft und schlägt der Nobelpreisstiftung vor, zwei neue Preise ins Leben zu rufen: Einen für Ökologie und einen für den Kampf gegen Armut. Er selbst will die neuen Preise mit einer grosszügigen Spende unterstützen.

Preis für konkrete Auswege

Doch die Stiftung lehnt ab und so gründet von Uexküll den Preis selbst. In den ersten Jahren finanziert er ihn mit dem Geld, das er mit seinem Briefmarkenhandel macht. Seinen Preis für die Gestaltung einer besseren Welt nennt er Right Livelihood Award – Preis für die richtige Lebensweise. Er will Menschen ins Rampenlicht stellen, die eine Lösung für die Probleme bieten, denen unsere Welt gegenübersteht. «Es ist kein Preis für Theorie oder schlaue Ideen», sagt von Uexküll. Sein Preis ist ein Preis für konkrete Auswege.

Sein Ziel ist bis heute, dass diese Forscher ernst genommen werden und Anerkennung bekommen – denn das bedeutet Aufmerksamkeit für ihre Ideen. «Wer in Schweden aufwächst, stellt schnell fest, dass im Oktober, wenn die Nobelpreisträger ernannt werden, diese Menschen und das was sie sagen plötzlich ernst genommen wird. Deshalb habe ich diesen Award ins Leben gerufen», erinnert sich Jakob von Uexküll in der Dokumentarfilmreihe «Why Democracy».

Schutz und psychologische Stütze

Seit 1980 geht der Preis jährlich an vier Personen oder Organisationen. Anfangs sucht Uexküll die Preisträger noch selbst aus, mittlerweile macht das eine Jury. Meist gibt es vier Preisträger. Das Preisgeld kommt durch Spenden zusammen und beträgt rund 230‘000 Euro. Wesentlich weniger als die etwa 900‘000 Euro eines Nobelpreises. Doch für die Forscher steht nicht das Geld im Vordergrund. Für viele Gewinner ist der Preis eine psychologische Stütze, für einige ist er auch Schutz, ist von Uexküll überzeugt.

Schwarz-weiss-Porträt von Helen Mack Chang

Bildlegende: Helen Mack Chang: Für ihren Mut und das Durchhaltevermögen im Kampf für Gerechtigkeit erhielt sie 1992 den Alternativen Nobelpreis Right Livelihood Award

Auf der Webseite der Stiftung wird beispielsweise an die Menschenrechtsaktivistin Helen Mack Chang erinnert, die den Preis 1992 gewinnt. Sie hatte nach dem Mord an ihrer Schwester durch das guatemaltekische Militär einen engagierten Kampf gegen die Angreifer und ungestrafte politische Morde geführt – und ihr Leben wahrscheinlich dem Preis zu verdanken. Als sie ihn bekommt, erzählt der Preisgründer, sagen viele zu ihr: «Du bist jetzt so bekannt, dass sie dich nicht töten werden».

In der Tradition Nobels

Im deutschen Sprachraum hatte der Right Livelihood Award schnell einen eigenen Namen: Alternativer Nobelpreis. Von Uexküll sieht sich durchaus in der Tradition von Nobel. Seiner Meinung nach passt sein Preis sogar viel besser zur Idee von Alfred Nobel: «Er wollte die ehren, deren Werk den grössten Nutzen für die Menschheit brachten».

Jakob von Uexküll

Er wurde 1944 in Uppsala geboren und wuchs in Hamburg und Schweden auf. 1966 machte er in Oxford seinen Abschluss in Philosophie, Politik und Ökonomie. 1980 rief er den Alternativen Nobelpreis ins Leben. Er sass für die Grünen im Europäischen Parlament (1984 bis 89) und war Vorstand von Greenpeace. 2007 war er Mitbegründer des Weltzukunftsrats.