Ein Unkraut gegen Karies

Aus uraltem Zahnstein haben Forscher Informationen über die Ernährungsweise und Lebensbedingungen unserer Ahnen gefunden. Sie lassen darauf schliessen, warum Karies im Nildelta damals selten vorkam.

Zusehen ist ein Nussgras, dessen Ären ungestielt und büschelig sind.

Bildlegende: Von uns bekämpft, aber wichtig für unsere Vorfahren: Nussgras war einst Nahrung und Zahnreinigung in einem, dies zeigen Spuren im Zahnstein unserer Vorfahren. Rickjpelleg / Creative Commons

Unsere Vorfahren verzehrten reichlich Pflanzen und dies schon lange bevor sie Landwirtschaft betrieben. Eine Pflanze, die heute als Unkraut gilt, spielte für sie eine ganz besonders wichtige Rolle: Nussgras, aromatisch und reich an Kohlenhydraten, war eine ihrer Nahrungsgrundlagen.

Forscher der britischen Universität von York haben den Zahnstein von 14 Skeletten aus Begräbnisstätten im heutigen Sudan analysiert. Die Skelette stammen aus der Mittelsteinzeit etwa 6700 Jahre vor Christus bis in die Zeit um etwa 400 nach Christus, als die Menschen schon Landwirtschaft betrieben.
Die Wissenschaftler fanden im Zahnstein kleine Mikrofossilien, die zeigen, dass Nussgras im Niltal damals roh, gekocht und geröstet gegessen wurde. Die aus dem Zahnstein gewonnenen Erkenntnisse erklären auch, warum die Menschen im Nildelta äusserst wenige Löcher in ihren Zähnen hatten: Nussgras hemmt das Bakterium Streptococcus mutans, das Karies mitverursacht.

Nussgras auch als Heilmittel?

Nussgras ist ursprünglich in Afrika, Süd- und Zentraleuropa sowie in Südasien heimisch. Mittlerweile ist es jedoch fast überall in gemässigten und tropischen Regionen zu finden. Vielerorts wird es als Unkraut bekämpft. Die Pflanze ist reich an Kohlenhydraten und wird unter anderem in der indischen und chinesischen Pflanzenheilkunde eingesetzt.