Erbarmungslose Arktis: Rätsel um die verschollene Expedition

Temperaturen von minus 30 Grad Celsius, ewiges Eis und die Abgeschiedenheit der Arktis – hierhin verschlägt es Regina Elpers und Björn Klauer. Vier Monate verbringt das Ehepaar auf den Inseln Spitzbergen und Nordostland. Ihr Ziel: Überreste der verschollenen Schröder-Stranz-Expedition finden.

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Spitzbergen-Expedition – Suche nach verschollenen Forschern

17 min, aus Einstein vom 5.9.2013

Die Nordostpassage durchqueren, um sie als Handelsstrasse für Deutschland zu sichern – das war der Traum des deutschen Leutnants Herbert Schröder-Stranz. Im August 1912 startete er mit 14 Männern zu einer Vor-Expedition nach Spitzbergen. Nur sieben der Expeditionsteilnehmer kamen lebend nach Hause. Acht Männer, darunter auch Schröder-Stranz, gelten bis heute als verschollen. Wie der deutsche Leutnant und seine Gefährten gestorben sind, ist ein Rätsel. Nur einzelne Ausrüstungsgegenstände der damaligen Expedition wurden später entdeckt, aber keine sterblichen Überreste, die Klarheit darüber geben könnten, was damals geschah.

Björn Klauer und Regina Elpers sitzen vor einem roten Zelt.

Bildlegende: Fernab der Zivilisation: Björn Klauer und Regina Elpers vor ihrem Zelt in Nordostland. Björn Klauer und Regina Elpers

Hundert Jahre nach der verhängnisvollen Expedition wollen Regina Elpers und Björn Klauer Licht ins Dunkel bringen. Vier Monaten lang wollen sie mit ihrer Hundeschlitten-Expedition nach Spuren suchen, um den Verbleib der verschollenen Männer zu klären. Über ein Jahr bereitete das deutsche Ehepaar seine Suche auf Spitzbergen mit grosser Motivation vor. Zum einen reizt es sie, mit ihren eigenen Huskys unterwegs zu sein, weit weg von jeder Zivilisation. Zum anderen gibt es noch immer Nachkommen der damaligen Expeditionsteilnehmer, die nie erfahren haben, was genau passiert ist.

Erschwerte Suche durch Gletscherschmelze

Im April 2013 geht es los. Das Paar konzentriert sich bei seiner Suche auf die Insel Nordostland, nördlich von Spitzbergen. Dort, so wird vermutet, ist Schröder-Stranz ums Leben gekommen. Nach einem gescheiterten Versuch, zu Fuss auf die Insel zu kommen (siehe Video oben), fährt das Paar per Schiff nach Nordostland. Systematisch wollen sie das 250 Quadratkilometer grosse Gebiet absuchen, in der Hoffnung das letzte Lager der verschollenen Männer und somit eindeutige Beweise für deren Tod zu finden.

Der einzige Kontakt zur Aussenwelt ist ein Satellitentelefon. Völlig auf sich alleine gestellt, wird die Zeit auf Nordostland für das deutsche Ehepaar schwieriger als angenommen. Nicht nur ein Eisbär, der immer wieder zu Besuch kommt, macht den Abenteurern das Leben schwer. Zu schaffen machen ihnen vor allem die reissenden Gletscherflüsse. «Viele Bäche, aus denen wir vor ein paar Wochen kaum Trinkwasser abschöpfen konnten, haben sich mit den wärmeren Temperaturen in reissende Flüsse verwandelt», erinnert sich Regina Elpers.

Nicht eindeutige Funde

Quadratmeter für Quadratmeter wollte das Ehepaar die Insel eigentlich durchforsten. Doch die Suche wird immer wieder durch die reissenden Flüsse unterbrochen. Nach der dreimonatigen Aktion konnten sie nur gerade 30 Prozent der Insel absuchen.

Fündig geworden sind sie trotzdem: Schon zu Beginn ihres Aufenthaltes finden die beiden eine Steinformation, die offensichtlich zum Sichern eines Pyramidenzeltes diente. Einige Wochen später entdecken Regina Elpers und Björn Klauer einen alten Holzski mit einer Seilzugbindung und in der Nähe des Ufers am Wahlenbergfjord einen behelfsmässigen Unterstand, den sich jemand offensichtlich als Notunterkunft gebaut hat. Jeweils zwei Hölzer sind als Giebel zusammen genagelt, ein Holz diente als First. Mehrere Steine, die an den Seiten liegen, haben vermutlich ein Zelttuch gesichert.

Regina Elpers steht vor dem Fund.

Bildlegende: Von Schröder-Stranz oder der Wehrmacht? Eine Notunterkunft aus zwei Hölzern als Giebel und einem als First. Steine sicherten das Zelttuch. Björn Klauer und Regina Elpers

All diese Funde meldeten sie nach ihrer Rückkehr dem Gouverneur von Spitzbergen. Die Abteilung für Kulturgut reiste letzte Woche mit dem Schiff und Hubschrauber nach Nordostland und untersuchte die Funde. Die Steinformation, der alte Ski und der Unterstand konnten allerdings nicht eindeutig der Schröder-Stranz-Expedition zugeordnet werden. Gemäss der Abteilung für Kulturgut könnten die Funde auch zu einer Wehrmachtseinheit gehören, die im Jahre 1944 auf Nordostland stationiert war.

Enttäuscht sind Regina Elpers und Björn Klauer trotzdem nicht. Schliesslich konnten sie nicht die gesamte Insel absuchen. Die restlichen 70 Prozent folgen vielleicht ein andermal, meint der Schlittenhundeführer: «Es wäre ein Traum nochmals zu gehen. Allerdings würden wir dann direkt mit dem Schiff nach Nordostland reisen und die Suche vom nördlichen Teil der Insel aus starten». Dort also, wo Schröder-Stranz einst seinen Marsch begonnen hatte. Ausserdem müsste ein Gummiboot mit ins Gepäck, damit kleinere Wassermündungen umfahren und so ein grösseres Gebiet abgesucht werden könnte.

Vier Monate verbrachten Björn Klauer und Regina Elpers weit weg von jeder Zivilisation. Bei der Rückkehr auf ihre Huskyfarm in Norwegen freuten sie sich riesig, wieder in einem richtigen Bett zu schlafen, auf einem Stuhl zu sitzen, zu duschen oder über das Grün der Laubbäume. Während Ihrer Expedition haben Sie ein Reisetagebuch geführt.

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